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Obsorgerechte für Väter: "Ich bin hilflos!"

Feldkirch, Rankweil – Die Scheidungsrate lag 2009 bei 47,4 % in Vorarlberg. VOL Live hat mit einem betroffenen Vater und den zuständigen Behörden und Beratungsstellen über die Problematik gesprochen.
Ferdinand Scheidbach aus Rankweil im Interview
IfS-Beratungsstelle über Scheidungsväter
Jugendwohlfahrt zur Situation

Die gemeinsamen Kinder leiden meist unter der Situation. Diskussionen, die Rechte bei den Elternteilen im Scheidungsfall einander anzunähern, scheinen schwierig, auch wenn Nachbarstaaten wie zum Beispiel Deutschland diesbezüglich bereits Erfahrungswerte haben. Die Väter beantragen im Scheidungsfall meist kein Obsorgerecht für das Kind und falls doch, ist es für viele schwierig sich vor dem Familienrichter gegen die Kindsmutter durchzusetzen.

Wenn sich Eltern scheiden lassen trifft es die Kinder oft am härtesten. Das gewohnte Umfeld und die Beziehung zu den engsten Vertrauten und den Eltern wird völlig auf den Kopf gestellt. Tendenziell gesehen werden Kinder im Scheidungsfall eher der Mutter als dem Vater zugesprochen, was auf unterschiedliche Faktoren zurück zu führen ist. Auch soziologische Gründe, dass die Mutter immer noch als die engere Bezugsperson gesehen wird, spielen hier eine Rolle. Jene Väter, die sich zur Wehr setzen und sich der Verantwortung auch außerhalb der zerbrochenen Ehe stellen wollen, sind leider rar.

Keine Informationen

Ferdinand Scheidbach aus Rankweil hat kein Obsorgerecht für sein Kind erhalten. Bereits seit Anfang Mai ist der Kontakt zu seinem 13 Jahre alten Sohn ((aufgrund der Mutter)) abgebrochen. „Ich hatte bis zum Mai dieses Jahres keine Probleme mein Kind zu besuchen beziehungsweise ihn über das Wochenende zu mir zu nehmen“, schildert er im Gespräch mit VOL Live. Auf einmal kippte die Situation mit der Kindsmutter und der Vater bekam keine Informationen mehr und durfte auch keinen Kontakt mehr zu seinem Sohn aufnehmen. „Es ist mir völlig schleierhaft, warum die Situation sich auf einmal so negativ verändert hat. Mir ist jedoch schon davor aufgefallen, dass mein Junge offenbar nicht mehr regelmäßig zur Schule gegangen ist und generell ungepflegt war“, erzählt er weiter. Bei der Nachfrage des Vaters an das Jugendwohlfahrtsamt in Feldkirch wurde ihm mitgeteilt, dass er keine Informationen über den Verbleib seines Sohnes ohne das Einverständnis seiner Ex-Frau erhalten würde. Auch als Scheidbach durch Zufall von einem Aufenthalt des Kindes in der geschlossenen Psychiatrie im LKH Rankweil erfuhr, durften die zuständigen Ärzte ihm keine Auskunft erteilen. Dass dies rechtlich korrekt, jedoch psychisch eine enorme Belastung für den Vater als auch das Kind ist, bestätigt auch die Beratungsstelle des IfS Feldkirch: „Natürlich wäre es für alle Beteiligten sinnvoller, wenn beide Elternteile sich über die Situation des Kindes austauschen würden. Wenn die Kommunikation jedoch unter den ehemaligen Ehepartnern gestört ist, wird es für den Elternteil ohne Obsorgerecht schwierig sich ein Bild über den gesundheitlichen Zustandes des Kindes zu machen, da Ärzte der Schweigepflicht unterliegen“, erklärt Martin Jungreithmeyer, Psychologe und Psychotherapeut im IfS. „Zu unserer Beratungsstelle kommen die Menschen hauptsächlich aus freien Stücken. Nur wenige werden über das Jugendwohlfahrtsamt an die Familienarbeitsstelle des IfS weiter verwiesen. Leider können wir zwar Hilfestellungen für Betroffene anbieten. Wir haben aber keinen Einfluss auf Entscheidungen außerhalb der Beratung“, meint Jungreithmeyer weiter.

„Ich bin einfach hilflos“

Für Ferdinand Scheidbach ist die Situation unerträglich, da er nicht einmal weiß, wie der Gesundheitszustand seines Sohnes ist: „Ich habe dem Jugendwohlfahrtsamt auch geschildert, dass mein Sohn einen verwahrlosten Eindruck machte, als ich ihn zuletzt gesehen habe. Es hieß, man würde der Angelegenheit nachgehen. Aus meiner Sicht ist bisher jedoch noch gar nichts geschehen.“ Klar ist, dass es bei solchen Fällen auch zu einer gründlichen Abklärung der Sachlage kommen muss. Der zeitliche Rahmen zur Feststellung liegt laut Jugendwohlfahrtsamt bei nicht dringenden Fällen, also falls es keinen Verdacht auf Missbrauch oder Gewalt gibt, bei bis zu drei Monaten. Der Verdacht von Herrn Ferdinand Scheidbach einer Vernachlässigung hatte er bereits vor drei Monaten geäußert. Bisher wurden diesbezüglich keine Informationen ausgetauscht. Der Vater hat nun Angst, dass eine Entfremdung durch den fehlenden Kontakt entstehen könnte. „Ich fühle mich einfach hilflos und möchte so bald wie möglich wissen, wie es um mein Kind steht“, meint er abschließend.

Anzeige erstatten?

Wenn ein Missstand bei der Erziehung des obsorgenden Elternteils vermutet wird, kann dies den Ämtern mitgeteilt werden. In schweren Fällen kann das Jugendamt schnell agieren. Meldungen, die Missbrauch oder Gewalt aufweisen sind klarer definiert, als beispielsweise eine Vernachlässigung, was in der Natur der stark besetzten Worte liegt. Während das Vernachlässigen eines Kindes schon aus sehr geringem Anlass gegeben sein kann, zum Beispiel bei einer kurzfristigen fehlenden Beaufsichtigung, ist nicht klar wo genau die Abgrenzungen liegen. Laut einer Informationsbroschüre des Kinder- und Jugendanwalt des Landes Vorarlberg (KiJa) „Gewalt an Kindern und Jugendlichen“ ist unter einer Vernachlässigung folgendes zu verstehen: „Grundlegende körperliche und seelische Bedürfnisse des Kindes werden von der Familie nicht oder nur unzulänglich befriedigt. Beispiele: mangelnde Ernährung, Pflege, Hygiene, medizinische Versorgung, (…), Entwicklungsrückstände, usw.“. Wenn solche Missstände festgestellt werden, kann eine Anzeige seitens des Jugendamts über das Gericht erfolgen. Jedoch bedarf es auch hier einer zeitaufwändigen Prüfung der familiären Lage und des tatsächlichen Zustandes des Kindes.

Video: Ferdinand Scheidbach aus Rankweil im Interview

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Video: IfS-Beratungsstelle über Scheidungsväter

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Jugendwohlfahrt zur Situation

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