Obervermuntwerk II: Abschied von der alten Druckrohrleitung

Das Entfernen der alten Druckrohrleitung war ein Projektbestandteil der Umweltverträglichkeitsprüfung für das Obervermuntwerk II. 2020 und 2021 wurde die alte Oberwasserführung nun abgetragen.

Seit 1943 war sie der markante Bezugspunkt der technischen Revolution und stand seit dieser Zeit sinnbildlich für die Entwicklung der Wasserkraft zwischen Silvretta- und Vermuntsee in der Landschaft. Die 3,3 Kilometer lange Druckrohrleitung, die Wasserführung des Obervermuntwerks I, hatte mit Ende März 2019 ihren Dienst getan. Mit dem Bau des Obervermuntwerks II wurde die Wasserführung des Kraftwerks unterirdisch an den neuen Silvrettastollen angebunden. Als ökologisch wirksame Ausgleichsmaßnahme für den Bau des neuen Kraftwerks wurde die Leitung in einem aufwendigen Projekt demontiert.

Flach und steil

Für die illwerke vkw eine weitere Mammutaufgabe, denn die Stahlrohre, ebenso wie die Festpunkte, insgesamt 18 massive Betonquader, die die Rohre auf ihrem Weg bergab stützen, verschwanden nicht von selbst. „Wir hatten es bei der Verbindung zwischen dem Silvrettasee und dem Vermuntsee mit zwei grundlegend unterschiedlichen Baupassagen zu tun“, so Planungskoordinator Wolfgang Poiger. „Im Bereich Silvretta war das eine ausreichend zugängliche Flachstrecke, die auch mit seitlichen Wegen und Betriebsstraßen gut erschlossen ist. Im Teilstück oberhalb des Krafthauses Obervermuntwerk I gab es eine nur sehr schwer zugängliche Steilstrecke.

Kleine Baukorridore

Vorsorglich hatte die illwerke vkw bereits im Behördenverfahren zum Bau des Obervermuntwerks II um die Genehmigung einer Materialseilbahn angesucht, die für den Abtransport der Stahlrohre schlussendlich aber nicht benötigt wurde.  Aber auch abseits der Steilstrecke waren gerade in Hinblick auf die scharfen ökologischen Rahmenbedingungen rund um den Natur- und Landschaftsschutz einige Dinge zu beachten. „Die Baukorridore haben wir bewusst sehr klein gehalten, um die Natur nicht mehr als unbedingt erforderlich zu belasten“, so Poiger. Auch durch die Tatsache, dass die Rohre korrosionsgeschützt sind, waren aufwendige Verfahren zum Schutz von Mensch und Umwelt erforderlich. Die Trasse der alten Druckrohrleitung verlief teilweise auf Dammstrecken, teilweise in Einschnittstrecke und zum Teil auch unterirdisch in einem Stollenabschnitt. „Die Dammstrecken bleiben auch weiterhin so erhalten“, erzählt Poiger, „die Einschnitte wurden teilweise mit dem Abbruchmaterial aufgefüllt und renaturiert.“ Der Stollen blieb erhalten, wurde aber verschlossen.

Die letzte Etappe

Zur Demontage wurde das Rohr mit einer rundum laufenden hydraulischen Säge in Teilstücke mit bis zu acht Meter Länge und einem Maximalgewicht von neun Tonnen zerteilt. Die Rohrstücke wurden dann zu einem befugten Entsorger transportiert. Auf diese Art und Weise konnten in der Flachstrecke pro Woche bis zu 250 Laufmeter demontiert werden. Nach dem Abtransport des ersten Teilstückes Ende Juni 2020 wurden seither rund 4000 Tonnen Stahl und 4000 Kubikmeter Beton entfernt. Der letzte Teil der Druckrohrleitung wurde am 28. September 2021 aus der Trasse zum Lagerplatz transportiert. Die Druckrohrleitung ist somit seither Geschichte.

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