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Obdachlosigkeit und Psyche im Fokus von Corona-Fördermitteln

Mückstein besuchte neunerhaus-Gesundheitszentrum in Wien
Mückstein besuchte neunerhaus-Gesundheitszentrum in Wien ©APA/HERBERT PFARRHOFER
Das Sozialministerium hat rund 25 Millionen Euro zur Bewältigung von pandemiebedingten Armutslagen zur Verfügung gestellt. Eines der geförderten Projekte ist die Praxis Psychische Gesundheit im neunerhaus-Gesundheitszentrum für Obdachlose in Wien-Margareten. "Wohnungslosigkeit ist eine besonders schlimme Form der Armut", sagte Sozialminister Wolfgang Mückstein (Grüne) am Mittwoch bei einem Besuch in der Einrichtung. "Betroffene sterben im Schnitt 20 Jahre früher", warnte er.

Die Krise werde "nicht nur wirtschaftliche und soziale Auswirkungen, sondern auch psychische Folgen haben", betonte der Gesundheitsminister. Das neunerhaus habe "mit der Praxis Psychische Gesundheit eine innovative Lösung entwickelt, die gerade Menschen am Rand der Gesellschaft unkompliziert Hilfe bietet", sagte Mückstein, der als Mediziner vor 13 Jahren selbst in der Einrichtung gearbeitet hatte, wie er berichtete. Die Pandemie "ist ein Stresstest". Das Ministerium sei auch dabei "Projekte zu fördern, die sich mit der psychischen Gesundheit von Kindern auseinandersetzen", versicherte Mückstein.

Die neue Praxis Psychische Gesundheit im neunerhaus Margareten wird im Herbst starten. Die Einrichtung zur medizinischen Versorgung von obdach- und wohnungslosen sowie nicht-versicherten Menschen hatte im Vorjahr mehr als 5.800 Patientinnen und Patienten versorgt, 2.450 von ihnen waren von psychischen Belastungen betroffen. "Obdach- und wohnungslose Menschen haben oft nur schwer Zugang zum Gesundheitssystem. Dadurch bleiben sowohl körperliche als auch seelische Wunden oft viel zu lange unversorgt", erläuterte neunerhaus-Geschäftsführerin Elisabeth Hammer.

Die Corona-Pandemie habe psychische Krisen, Einsamkeit, Isolation und Depressionen gerade bei verletzlichen Zielgruppen nachweislich verschärft. "Isolation und Einsamkeit führen vermehrt zu Gefühlen der Ohnmacht und Verunsicherung sowie zu einem deutlichen Anstieg von Angststörungen und Depressionen. Das Leben auf der Straße tut sein Übriges", sagte Stephan Gremmel, ärztlicher Leiter des Gesundheitszentrum in der Margaretenstraße. "Umso wichtiger ist, dass es für diese Menschen bald ein zielgruppengerechtes Angebot gibt."

Die Praxis Psychische Gesundheit wird individuelle Sprechstunden sowie gruppentherapeutische Angebote umfassen. Das Team besteht aus Expertinnen und Experten aus den Bereichen Gesundheits- und Krankenpflege, Sozialarbeit, Psychosoziale Beratung, Psychiatrie, Peer-Arbeit, Allgemeinmedizin und Psychotherapie. Das gesamte neunerhaus-Gesundheitszentrum inklusive Zahnarztpraxis ist für obdach- und wohnungslose sowie nicht-versicherte Menschen ohne Voranmeldung zugänglich.

(S E R V I C E - )

(APA)

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