Irak-Kämpfe - Obama: Militäreinsatz "dauert noch einige Zeit"

Vormarsch der Jihadisten "schneller, als wir dachten".
Vormarsch der Jihadisten "schneller, als wir dachten". ©EPA
US-Präsident Barack Obama stimmt die Öffentlichkeit auf einen längeren Einsatz gegen die jihadistischen Kämpfer im Irak ein. "Das wird noch einige Zeit dauern", sagte Obama am Samstag bei einer Pressekonferenz in Washington. Die Probleme im Irak seien nicht "in einigen Wochen" zu lösen. Der Vormarsch der Jihadisten sei "schneller gewesen, als wir dachten".
USA greifen IS an
USA genehmigt Luftangriffe

Obama hatte am Donnerstagabend Luftschläge gegen die Kämpfer der Terrormiliz “Islamischer Staat” (IS) autorisiert. Er begründete diesen heiklen Schritt damit, dass ein Völkermord an den Yeziden (Jesiden) im Nordirak verhindert werden müsse. Zehntausende Angehörige der religiösen Minderheit haben sich in ein karges Berggebiet im Nordirak geflüchtet, wo sie von IS-Kämpfern eingeschlossen sind.

“Sicherer Korridor” geplant

Am Samstag sagte Obama, dass die USA mit ihren Verbündeten die Schaffung eines “sicheren Korridors” zur Evakuierung der Yeziden erwägen. Zugleich berichtete er, dass sich London und Paris an der humanitären Hilfe für die irakischen Zivilisten beteiligen werden.

“Werden Kalifat nicht zulassen”

US-Präsident Barack Obama hat sich grundsätzlich zu umfangreicheren Luftschlägen gegen die IS-Jihadisten im Irak bereit erklärt. “Wir werden es nicht zulassen, dass sie ein Kalifat in Syrien und im Irak errichten”, sagte Obama in einem Interview der “New York Times”. Voraussetzung sei aber, dass die politischen Spitzen im Irak die Regierungskrise beenden und einen Weg der Zusammenarbeit finden.

Suche nach Partnern

Wenn es Partner in der irakischen Führung gebe, sei eine größere Unterstützung der USA denkbar, um die radikalen Kämpfer der Extremistenbewegung Islamischer Staat (IS) zurückzudrängen, betonte Obama.

Die USA hatten am Freitag erstmals seit dem Vormarsch der Islamisten-Milizen im Nordirak mit Luftschlägen direkt in die Kämpfe eingegriffen. Dadurch soll die Einnahme der Stadt Erbil im halbautonomen Kurdengebiet durch IS-Kämpfer verhindert und die Verfolgung religiöser und ethnischer Minderheiten gestoppt werden. Obama hatte zuvor begrenzte Luftangriffe angekündigt, um “einen Genozid zu verhindern”. Der Einsatz von Bodentruppen sei nicht geplant.

Schwere Verluste bei Extremisten

Die Kämpfe zwischen den Extremisten und kurdischen Einheiten gingen unterdessen weiter. Kurdische Peschmerga hätten einen Angriff von IS-Kämpfern auf den Ort Tuz Khurmatu südlich der Stadt Kirkuk abgewehrt, berichtete die irakische Nachrichtenseite Shafaaq News am Samstag. Demnach erlitten die Extremisten “schwere Verluste”. Über Opfer aufseiten der kurdischen Einheiten wurden keine Angaben gemacht.

Junge Nordiraker werden zum Kampf gegen IS ausgebildet

Bewaffnete kurdische Gruppen bilden nach Angaben der Ko-Vorsitzenden des Kurdischen Nationalkongresses, Nilüfer Koc, derzeit junge Männer und Frauen im Nordirak für den bewaffneten Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS, vormals ISIS/ISIL) aus. Es gehe darum, dass die Menschen in ihren Dörfern blieben und ihr Land verteidigten.

Im Telefongespräch mit der Nachrichtenagentur dpa sagte Koc am Samstag: “Die IS-Miliz arbeitet mit psychologischer Kriegsführung: Sie verbreitet Furcht, schüchtert die Bevölkerung ein. Und wenn die Menschen fliehen, greift sie an. Hier setzt die Strategie zum Widerstand an.”

Dem Kurdischen Nationalkongress gehören neben der in der Türkei verbotenen PKK mehr als 50 Parteien und Organisationen an. Koc zufolge kämpfen im Nordirak neben Peshmerga und den lokalen Milizen inzwischen auch Angehörige der PKK sowie der kurdischen PYD-Kräfte aus Syrien gegen die sunnitischen Extremisten. In den kurdischen Reihen kämpften zudem viele Frauen. “Damit wird IS eine politische Botschaft geschickt: Wir lassen uns von euch nicht einschüchtern.”

Ein Problem sei jedoch die Bewaffnung. “Kalaschnikows gibt es viele”, sagt Koc. Allerdings bedürfe es schwerer Artillerie, um die Jihadisten von den großen Städten fernzuhalten.

Jihadisten drohen mit Hinrichtung Hunderter Yeziden

Die US-Luftangriffe bringen offenbar keine Entspannung für die im Nordirak um ihr Leben fürchtenden Yeziden (Jesiden). Jihadistische Kämpfer haben die Hinrichtung von 300 Familien der Religionsgruppe angedroht, sollten sie nicht zum Islam übertreten, berichteten Augenzeugen und ein Abgeordneter am Samstag.

Kämpfer der sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hätten die Familien in den Dörfern Koja, Hatimiya und Qaboshi eingekesselt, hieß es. In den vergangenen Wochen waren zehntausende Yeziden und Christen im Nordirak vor den Rebellen geflüchtet. Viele Yeziden suchten im kargen Sinjar-Gebirge Zuflucht, wo sie von den Terroristen eingekreist wurden. US-Präsident Barack Obama hat am Donnerstag Luftangriffe angeordnet, um den Vormarsch der IS in der Region zu stoppen. Außerdem warf das US-Militär Hilfsgüter über der Region ab.

(APA)

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