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Oase von Fruchtbarkeit und Stille

Rudi Hämmerle taucht ab. Weg von der Hektik des Ortes, weg vom Lärm der Autos, weg von der Geschäftigkeit eines Werktages mit all seinen Stressfaktoren.

Rudi Hämmerles Oase der Stille misst 3000 Quadratmeter. Es ist sein Riedstück, wo er von der Natur holt, was sie ihm in diesem Jahr noch bietet. Der strahlende Frühherbstmorgen hat den Boden mit Nässe überzogen, das Gras glitzert frischgrün in der Sonne.

“ Jetzt ist die Zeit für Sellerie und Krautköpfe“ , erzählt der topfitte Pensionist. “ Seht her.“ Stolz zieht er einen Blaukrautkopf aus der Erde, schiebt die Blätter von der Selleriepflanze weg um den gereiften Fruchtkörper zu zeigen. Weite Flächen des Stücks sind bereits von einem Grünkleid überzogen. Es ist das Produkt der Gründüngung, die den ausgeernteten Böden jene Feuchtigkeit zurückgeben soll, die sie für die nächste Saat brauchen. Hämmerle säht und erntet viel auf seinem Riedacker. Höckerle, Stangenbohnen, Chinakohl, Salate, Stockrüben, Blumenkohl, Brokkoli. Daneben noch Himbeeren und Bombeeren.

Ganz am unteren Ende seines Stücks absorbieren die letzten Tomaten der Saison die bereits kräftigen Sonnenstrahlen des Morgens. Lange brauchen sie nicht mehr bis zu ihrer Reifung. Rudi Hämmerle setzt sich auf die Bierbank, die er beim kleinen Geräteschuppen aufgestellt hat. Vor ihm fließt träge der Neuner. “ Da kommen mich oft Entenfamilien besuchen“ , lacht der 70-Jährige. Hämmerle respektiert den Rhythmus seiner Ernährungsoase. An Gemüse wird zu Hause nur gegessen, was der Acker hergibt. “ Und zwar dann, wenn es da ist. Ich kaufe mir im Winter keine Tomaten, nur weil ich keine eigenen mehr habe. Da gibt es eben eine Zeit lang gar keine.“

Leben und Arbeiten im Ried findet im Kreise Gleichgesinnter statt. Da gibt es die Nachbarn von den angrenzenden Stücken. Mit denen werden Erfahrungen ausgetauscht. Und auch helfen tun die Rieder einander. “ Mein nächster Nachbar hier hat mir schon so viel gemacht. Zum Beispiel das Bewässerungssystem“ , erzählt Hämmerle. Natürlich gibt es für diesen zum Dank alles, was der Acker zu bieten hat.

Noch bis zirka Ende Oktober wird das Ried etwas bieten können. Dann legt sich die Natur schlafen. Und Rudi Hämmerle wird’s mit seinen Riedfreunden kaum erwarten können, bis es dann im kommenden April wieder losgeht.

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