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Nur wir müssen zahlen

Bildung ist ein teures Gut. Das bekommen auch die Teilnehmer des neun Semester umfassenden Abendgymnasiums zu spüren. Denn pro Semester wird ein Beitrag von 260 Euro fällig.

Macht satte 2340 Euro für die Ausbildung. Vorarlberg ist das einzige Bundesland, das einen Selbstbehalt einhebt. Überall anders kommt der Bund für diese Kosten auf.

Der Grund ist ein höchst profaner. Im übrigen Österreich sind die Abendgymnasien meist Bundesschulen angegliedert, während das Abendgymnasium in Vorarlberg von der Volkshochschule Götzis betrieben wird und daher keine öffentliche Schule im eigentlichen Sinne darstellt. „Natürlich erscheint das ungerecht“, weiß Mag. Stefan Fischnaller, Leiter der VHS Götzis. Vor zehn Jahren war es allerdings die einzige Möglichkeit, überhaupt ein Abendgymnasium zu realisieren.

Gefragte Einrichtung

Bis 1994 wurden bildungswillige Erwachsene von der Arbeiterkammer in Gratiskursen auf die AHS-Matura vorbereitet. Die Prüfungen fanden in Innsbruck statt. Schließlich strich die Arbeiterkammer diese Lehrgänge aus ihrem Angebot. Das wiederum mobilisierte den Absolventenverein. Doch die Forderung nach einem offiziellen Gymnasium für Berufstätige verkam zum frommen Wunsch. Der Bund verweigerte seine Zustimmung. Hauptargument: das Geld. Kaum verwunderlich, denn Bundeslehrer mit einem Engagement am Abendgymnasium bekamen damals für eine Unterrichtsstunde das eineinhalbfache Salär.

Um trotzdem noch etwas zu retten suchte man nach einer anderen Lösung. Mit Zustimmung des Landes und des Bundes übernahm die Volkshochschule Götzis die Organisation des Abendgymnasiums. Aber eben auf Basis von Teilnehmerbeiträgen. Zusätzlich gab es Subventionen von Bund, Land und Gemeinde. Trotz der Gebühren lief das Abendgymnasium gut. Anfangs stiegen pro Schuljahr bis zu 60 Studenten neu ein. „Da war die Finanzierung noch relativ einfach“, sagt Stefan Fischnaller.

Inzwischen nicht mehr. „Die Einführung der Berufsreifeprüfung hat uns viele potenzielle Kunden gekostet“, muss er zur Kenntnis nehmen. Denn im Vergleich zum Abendgymnasium ist die Berufsreifeprüfung schneller erledigt, die Kosten sind steuerlich absetzbar und es gibt einen Bildungszuschuss. So haben heuer gerade einmal 17 Personen das Abendgymnasium angefangen. Ihre Studiengebühren decken nicht einmal den Aufwand für die Referenten. Im letzten Jahr betrug das Gesamtbudget 120.000 Euro. Gut 32.000 Euro berappten die Schüler. Die Honorare beliefen sich jedoch auf 50.000 Euro. Dazu kommt laut Fischnaller, dass sich auch die Klientel geändert hat. „Früher waren es motivierte 35- bis 40-Jährige, welche die Matura nachholen wollten. Heute sind wir ein Auffangbecken für Schulabbrecher, die häufig einen enormen Betreuungsaufwand erfordern“, so der VHS-Chef. Aus diesem Grund wurde sogar ein Lernberater für Erstsemestrige eingestellt.

Varianten überlegen

Das Abendgymnasium machte die VHS Götzis zu einer bedeutenden Bildungsinstitution. Dennoch stellt sich für die Verantwortlichen angesichts der rückläufigen Entwicklung die Frage, ob die Schule noch zeitgemäß ist. „Man hängt daran, aber man muss es sich schon überlegen“, bestätigt Stefan Fischnaller. Noch kann die Finanzierung auch dank zusätzlicher EUGelder aufrechterhalten werden. „Wenn der Öffentlichkeit das Abendgymnasium wichtig ist, wird man früher oder später aber nicht umhin- kommen, sich Gedanken über andere Varianten der Weiterführung zu machen“, meint Fischnaller.

Weitere Infos zum Abendgymnasium bei der VHS Götzis, Tel. 05523/ 55 1 50-0, E-Mail: info@vhs-goetzis.at und www.vhs-goetzis.at sowie im BORG Götzis, Tel. 05523/51 5 30, E-Mail: erich.summer@borgg.snv.at

Stichwort Abendgymnasium

Das Abendgymnasium bietet Personen ab dem 17. Lebensjahr die Möglichkeit, die AHS-Matura auf dem zweiten Bildungsweg nachzuholen. Die gesamte Ausbildungsdauer erstreckt sich über neun Semester, also 4 1 /2 Jahre. Absolventen einer AHS-Oberstufe oder BHS können auf Antrag auch in ein höheres Semester einsteigen. Die wöchentliche Unterrichtszeit beträgt sechs Stunden, aufgeteilt auf zwei Abende. Die Leistungsfeststellung erfolgt in Form von Zulassungsprüfungen zur Reifeprüfung. Die Prüfungen werden von einer Externistenprüfungskommission abgenommen, die am BORG Götzis ihren Sitz hat.

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