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NR-Wahl: Michael Spindelegger auf Platz zwei gefesselt

Michael Spindelegger: Anlauf auf Kanzlerschaft gescheitert
Michael Spindelegger: Anlauf auf Kanzlerschaft gescheitert ©APA
Das Bemühen kann man Michael Spindelegger nicht absprechen. Monatelang wurde der Vizekanzler nicht müde, das "Jahr der ÖVP" heraufzubeschwören und sich ins Kanzleramt zu reden. Letztlich war die Wählerschaft anderer Meinung und beließ die Volkspartei, wo sie schon war, nämlich auf Platz zwei.

Will Spindelegger doch noch Regierungschef werden, müsste er jetzt eine waghalsige Koalition in Erwägung ziehen.Wien. Das Wahljahr sah einen Spindelegger, wie man ihn bis dahin nicht kannte. Der Vizekanzler, der trotz seiner erst 53 Jahre schon eine Art politisches Urgestein ist, galt über Jahre hinweg als ausnehmend freundlicher und höflicher, manchmal ein wenig hölzerner Repräsentant seiner Partei. Nicht 2013, da gab Spindelegger den frechen Angreifer, der sich für keine Polemik zu schade war. Das Problem dabei: Besonders authentisch wirkte der ÖVP-Chef in dieser Rolle nicht.

Freilich hatte es Spindelegger auch nicht leicht. Mit dem Vizekanzler-Malus ausgestattet und dem Image der “grauen Maus” ausgerüstet blieb dem VP-Obmann wenig über, als sich neu zu erfinden. Zwar gilt Werner Faymann nicht unbedingt als größter Charismatiker in der Republik, aber nicht umsonst meinte der schon bei der VP-Entscheidung, Spindelegger mit der Nachfolge Josef Prölls zu betrauen: “Das ist für mich ein Glücksgriff.”

Tatsächlich schaffte es Spindelegger kaum, eigene Akzente zu setzen, seit er im Vizekanzleramt Platz genommen hatte. Einzig der Fokus auf das Thema Familie fiel auf, ansonsten hatte Spindelegger mit allem möglichen zu kämpfen, von den Korruptionsaffären über die Lehrergewerkschaft, seine ehemalige Gemeindewohnung bis hin zum Golan-Abzug. Dazu kam noch, dass seine Überlegung im Vorjahr, das Finanzministerium zu übernehmen, am innerparteilichen Widerstand scheiterte.

Selbst den größten Prestige-Erfolg des Jahres, den Sieg bei der Wehrpflicht-Volksbefragung, musste man Spindelegger aufdrängen. Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) war es, der in der ÖVP den Weg in Richtung Referendum vorgab.

Dass Spindelegger auf seinen näheren Landsmann hört, wundert nicht. Denn erstens ist Pröll sowieso der wichtigste Player in der Volkspartei und zweitens ist er auch jener, der Spindelegger in der Volkspartei auf den Thron hob. Dass es einmal so weit kommen würde, war freilich nicht so überraschend. Denn Spindelegger galt schon seit gut einem Jahrzehnt als Zukunftshoffnung der ÖVP.

Die Politik hat der Vater von zwei Söhnen ohnehin im Blut. Sein Vater Erich war im ÖAAB tätig, Nationalratsabgeordneter und Bürgermeister in der Hinterbrühl – dem Heimatort der Familie, dem auch der (am 21.12.1959) im benachbarten Mödling geborene Sohn treu geblieben ist.

Die politische Karriere des Cartellbruders begann nach seinem mit Doktorat abgeschlossenen Jus-Studium als Bediensteter des Landes Niederösterreich, und so richtig 1987, als der Reserveoffizier ins Kabinett des damaligen Verteidigungsministers Robert Lichal wechselte. 1992 wurde es erstmals etwas mit einem Mandat im Parlament, allerdings vorläufig bloß im Bundesrat, nebenbei verdingte sich Spindelegger in der Giro-Credit. Kurz vor Weihnachten 1993 gab es dann das Ticket in den Nationalrat, aus dem er bis zu seinem Antritt als Außenminister im Jahr 2008 nicht mehr wegzubekommen war – mit Ausnahme eines einjährigen Sprungs ins Europaparlament, wo er zur ersten Garde der österreichischen EU-Abgeordneten gehörte.

Endlich eine Sprosse weiter kletterte Spindelegger 2006, als er auf dem ÖAAB-Ticket zum Zweiten Nationalratspräsidenten wurde. Bevor Spindelegger aber nach dem krankheitsbedingten Rücktritt von Josef Pröll 2011 zum Parteichef der ÖVP wurde, führte ihn sein Karriereweg vom Nationalratspräsidium noch ins Außenministerium, wobei er das Ministeramt nur wegen des kurzfristigen Verzichts von Ursula Plassnik erlangte.

Doch Spindelegger war nicht nur außerhalb der Grenzen aktiv, auch in Österreich bastelte der vom Boulevard wohlgelittene Außenminister weiter an seiner Laufbahn. Nachdem der ÖAAB des Beamten-Lobbyisten Fritz Neugebauer überdrüssig geworden war, wurde er 2009 Vorsitzender des Arbeitnehmerbundes – letztlich neben der Unterstützung Niederösterreichs die wichtigste Basis für ihn, als er nach Prölls Rücktritt an die schwarze Spitze eilte.

Was die Zukunft für Spindelegger bringt, wird sich weisen. Der für Platz drei angekündigte Rücktritt bleibt ihm schon mal erspart. Derzeit am realistischen sind wohl ein paar weitere Jahre an der Seite Faymanns als Vizekanzler. (APA)

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