Notenverzicht in der Volksschule findet breite Unterstützung im Land

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Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek will Eltern und Lehrer jeder Volksschulklasse ab dem kommenden Schuljahr darüber entscheiden lassen, ob sie bis zur dritten Klasse auf Ziffernnoten verzichten. In Vorarlberg bekommt sie damit Rückendeckung aus allen politischen Lagern.

Bis zur dritten Klasse Volksschule keine Ziffernnoten für Kinder. Stattdessen sollen verbale Beschreibungen, verbindliche Elternaussprachen, Leistungsvorlagen oder Lernzielkataloge eingesetzt werden. Für Unterrichtsministerin Heinisch-Hosek reicht es ab Herbst, dass das aus Eltern und Lehrern bestehende Klassen- bzw. Schulforum dafür stimmt. Bisher war das nur mit einem Schulversuch möglich. Die Neuerung findet bei Vorarlbergs Bildungssprechern in allen politischen Lagern Zustimmung.

ÖVP

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Schullandesrätin Bernadette Mennel sieht der Gesetzesänderung mit großer Zuversicht entgegen: “Denn in Vorarlberg sind die Hälfte aller Volksschulen beim Schulversuch dabei und praktizieren die neue Beurteilung bereits.” Die Rückmeldungen von Pädagogen, Eltern und Schülern seien durchweg positiv. Auch deshalb könnte sich Mennel bei der vierten Klasse Volksschule eine Mischform vorstellen, also nicht nur die derzeitige Ziffernnote, sondern auch eine verbale Beurteilung.

FPÖ

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Auch die FPÖ befürwortet die kommende Neuerung, denn der Schulversuch läuft schon viel zu lange, meint Bildungssprecherin Silvia Benzer: “Das derzeitige Ziffernnotensystem sagt einfach zu wenig über den Schüler aus, es sind nur punktuelle Beurteilungen. Es muss eine vielfätigere Bewertung kommen, bei der die Stärken des Kindes aufgezeigt werden. Schwächen sollen zwar angesprochen werden, aber wichtig ist, dass sie positiv und motivierend wirken. Damit kann der Leistungsstand der einzelnen Schüler verbessert werden.”

Das schließe aber Fordern und Lernen nicht aus. Für Benzer liegt die große Herausforderung darin, wie man bei Kindern die einzelnen Fähigkeiten bewerten soll: “Man sollte das Kind in seiner ganzen Persönlichkeit anschauen, auch die soziale Kompetenz ist hier ein wichtiger Faktor. Eine Ziffernnote sagt hier einfach zu wenig aus. Spätestens wenn die gemeinsame Schule kommt, muss man das Notensystem generell überdenken.”

Die Grünen

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Bildungssprecher Harald Walser sieht die Gesetzesänderung längst überfällig: “Das ist typisch Regierung, seit Jahren ist diese Vorgangsweise in österreichs Volksschulen aktiv und erst jetzt sieht die Unterrichtsministerin eine Notwendigkeit. Kinder verstehen diese Ziffernnoten nicht, warum sie überhaupt eine schlechte Note bekommen. Konkrete Hinweise wären für sie besser. Man sollte ihnen individuelle Leistungsrückmeldungen geben und Verbesserungspotenziale aufzeigen.”

Für Walser könnte das in allen Schulstufen umgesetzt werden: “Die Ziffernnote muss weg. Es ist schon in vielen Studien bewiesen worden, dass sie kontraproduktiv ist und nur die Motivation der Kinder verschlechtert. Es ist ein Irrtum, dass Noten mit Leistung korrelieren. In Schweden zum Beispiel gibt es bis zum 14. Lebensjahr keine Noten und die Leistungen der Schüler sind besser als bei uns in Österreich.”

Die schlechten Leistungsergebnisse seien ein Problem des bestehenden Bildungssystems, nicht der Reformwünsche: “Das sieht man besonders in unseren Haupt- und Mittelschulen.”

SPÖ

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Keine Ziffernnoten für Volksschüler hält auch Gabi Sprickler-Falschlunger für den absolut richtigen Weg: “Gerade in der Volksschule sagen Noten wenig aus über die Schüler. Es muss ein Gespräch mit Eltern und Kindern geben, bei dem kindgerechte und stärkenorientierte Beurteilungen abgegeben werden. Wir müssen in Österreich einen Weg finden, die Stärken unserer Kinder zu fördern.”

Auch sollten die Ziffernnoten aus der Volksschule nicht für eine höhere Schule berechtigen: “Die Ziffernnoten in der vierten Klasse müssen ebenfalls weg. Das funktioniert aber erst, wenn man eine gemeinsame Schule hat.”

Dass Kinder damit zu spät erst mit Leistungsdruck konfrontiert werden ist für Sprickler-Falschlunger kein Argument: “Es muss ein kindgerechter Druck geschaffen werden. Die Motivation und der Lernspass sollte gerade bei den Kleinen erhöht werden. Denn schlechte Noten demotivieren Schüler. Wenn unser derzeitiges System gute Leistungsergebnisse bringen würde, wäre die Diskussion eine andere. Für uns ist klar, individualisiertes Lernen soll forciert werden.”

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