AA

Nordkorea: Hoffnungsschimmer im Atomstreit

Im Atomkonflikt mit Nordkorea gibt es erstmals wieder leichte Hoffnung, dass der Stillstand überwunden werden kann. Nach Konsultationen zwischen Nordkorea und China zeichnet sich ein Fahrplan für die nächsten Monate ab.

Am Ende könnte eine Rückkehr Nordkoreas zu den Sechser-Gesprächen über ein Ende seines Atomwaffenprogramms stehen.

Ähnlich sind die Aussichten in der stockenden Annäherung zwischen dem Norden und Süden Koreas nicht schlecht. So soll der fünfte Jahrestag des historischen Gipfels zwischen Militärmachthaber Kim Jong Il und Südkoreas Präsident Kim Dae Jung und der gemeinsamen Erklärung im Juni 2000 „nicht ungenutzt“ verstreichen. Zudem feiern beide koreanischen Staaten dieses Jahr den 60. Jahrestag der Befreiung von der japanischen Kolonialherrschaft.

Ein erstes „Signal“ wird von Südkoreas Präsident Roh Moo Hyun erwartet, der am 10. April nach Deutschland reist. Sein Vorgänger Kim Dae Jung hatte im März 2000 mit der „Berliner Rede“ den Weg für den Gipfel geebnet. Präsident Roh werde auch „eine Botschaft“ für Nordkorea mitbringen, hieß es von südkoreanischer Seite.

Ebenso deutet sich im Atomstreit Bewegung an. Regierungskreise in Pjöngjang werteten den jüngsten Besuch von Ministerpräsident Pak Bong Ju in China als „erfolgreich“, auch wenn Peking „keinen Durchbruch“ sah. Immerhin versprach Peking seinem angeschlagenen Nachbarn, der von den Lieferungen aus China abhängt, weitere wirtschaftliche Hilfe und erfüllte etwas von dessen „langer Wunschliste“, wie es hieß.

In den nächsten Monaten wird ein Gegenbesuch von Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao in Pjöngjang für möglich gehalten. Dafür erwartet China aber eine Rückkehr Nordkoreas zu den Verhandlungen unter seiner Vermittlung mit den USA, Südkorea, Japan und Russland. Mit so viel diplomatischem Einsatz will China ferner die USA zum nötigen Entgegenkommen bewegen. Die Nummer Zwei in der Machthierarchie, Kim Yong Nam, nutzte ein Treffen mit dem Vorsitzenden der deutsch-koreanischen Parlamentariergruppe, Hartmut Koschyk (CSU), in Pjöngjang für eine Positionsbestimmung. Er gab sich zwar hart, schien aber bewusst alle Optionen offen zu halten.

„Damit wir zu den Sechser-Gesprächen zurückkehren, sollen die USA eine Geste des guten Willens zeigen, damit wir Vertrauen haben können“, sagte der Parlamentschef. „Wir wollen Taten sehen.“ Er ließ keinen Zweifel daran, dass Bezeichnungen für Nordkorea wie „Achse des Bösen“ und „Vorposten der Tyrannei“ empfindlich aufgenommen worden sind. Sie beweisen ihm, dass Washington eigentlich nur einen Regimewechsel verfolgt. „Es gibt kein Vertrauen.“ Nach intensiven Gesprächen mit Kim Yong Nam sowie im Außen- und Verteidigungsministerium stellte auch Koschyk fest: „Sie erwarten etwas Atmosphärisches.“ USA sollten mit den Beschimpfungen aufhören.

Ein hoher Beamter sagte: „Wenn die USA mit uns reden wollen, sind wir überall und jederzeit bereit.“ Die alarmierende Erklärung Nordkoreas vom 10. Februar, bereits Atomwaffen zu besitzen, zielte allein darauf, den Druck auf die USA zu erhöhen. Nordkoreanische Beamte versicherten befreundeten Staaten, sie müssten nicht beunruhigt sein, weil die Erklärung „eigentlich nichts Neues“ enthalte. Diplomaten würdigten, dass es bisher weder einen Atomtest noch einen neuen Raketenstart gegeben habe. „Es ist eher eine kalte Bedrohung“, meinte Koschyk.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Welt
  • Nordkorea: Hoffnungsschimmer im Atomstreit
  • Kommentare
    Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.