"Nicht zum jetzigen Zeitpunkt"

Geht Rauch anstelle von Mandak in den Nationalrat? "Ich glaube, dass sich die ÖVP freuen täte, würde ich mich nach Wien begeben. Den Gefallen tue ich ihnen derzeit nicht."

VN: Es heißt, Sie liebäugeln mit einem Wechsel in die Bundespolitik. . .

Rauch: Sabine Mandak hat ihren Rückzug aus dem Nationalrat fix für 2010 geplant gehabt. Durch die Neuwahl ergab sich nun eine neue Situation; Sabine entschied sich jetzt schon, nicht mehr zu kandidieren. Und das heißt, wir müssen jemanden Neuen finden. Diese Woche findet deswegen eine ganze Reihe von Gesprächen statt; am Montag, dem 21. Juli, werden wir im Parteivorstand berichten. Und am 6. August wird bei der Landesversammlung alles terminisiert.

VN: Das war nicht eben eine klare Antwort. Bleiben Sie in Vorarlberg? Oder gehen Sie nach Wien?

Rauch: Liebäugeln mit der Bundespolitik ist der falsche Ausdruck. Es war immer eine Möglichkeit, aber nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Meine Motivation wäre, etwas weiter zu bringen. Und da sehe ich auf Bundesebene derzeit extrem viel Potenzial. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich nach Wien gehe, ist aber eher gering – weil ich meinen Job im Land sehe und meine Herausforderung die nächste Landtagswahl sein wird. Das hat eindeutig Priorität. Und ich gehe davon aus, dass wir bis zur entscheidenden Sitzung einen guten Kandidaten oder eine gute Kandidatin finden werden und ich im Land bleibe.

VN: Der entscheidende Grund dürfte wohl sein: Vorarlbergs Grüne könnten Ihren Abgang gar nicht kompensieren.

Rauch: Das glaube ich nicht. Es ist ein Irrtum, anzunehmen, man sei der Beste und unersetzbar. Das stimmt in unserem Fall nicht. Aber ich glaube, dass sich die ÖVP freuen täte, würde ich mich nach Wien begeben. Und den Gefallen tue ich ihnen derzeit nicht. Sagen wir es einmal so: Ich halte mich für jemanden, der in der Lage ist, der ÖVP auch inhaltlich etwas entgegensetzen zu können – auch, was Visionen betrifft.

VN: Sie sprachen es zuvor an: Vorarlbergs Grüne suchen fieberhaft nach einem Ersatz für Sabine Mandak. Die Neuwahl scheint die Grünen personell auf dem falschen Fuß erwischt zu haben . . .

Rauch: Nein. Natürlich haben wir schon zuvor mögliche Szenarien entworfen, natürlich gibt es potenzielle Kandidaten. Es war ja nicht so ganz unwahrscheinlich, dass neu gewählt wird. Wir haben deswegen schon lange vor Ausrufung der Neuwahlen intern eine Art Umfrage gestartet gehabt, um mögliche Kandidaten zu benennen. Insofern hat sich der ganze Prozess jetzt einfach beschleunigt. Wir hatten uns ursprünglich auf Neuwahlen im Dezember oder im Jänner eingestellt.

VN: So ganz erfolgreich kann diese Umfrage aber nicht gewesen sein. Sonst hätten die Grünen Man­daks Nachfolger schon lange präsentiert.

Rauch: Nein. Das zeigt nur, dass wir uns sorgfältig überlegen, wie es weitergeht. Es ist unser einziges Mandat und deswegen eine überaus wichtige Entscheidung. Denn dieses Mandat hat für Vorarlbergs Grüne eine sehr, sehr wichtige Funktion. Wer auch immer dieses Mandat besetzen wird, er wird es nicht nur für zwei Jahre, sondern längerfristig besetzen. Also will diese Entscheidung ganz einfach sorgfältig überlegt sein.

VN: Wer käme denn in Frage? Gibt es bereits Namen? Sind Quereinsteiger dabei?

Rauch: Von mir gibt es sicher keine Namen. Eine Namensnennung im Vorfeld würde lediglich dazu führen, dass potenzielle Kandidaten Schwierigkeiten bekämen. Das mache ich nicht.

VN: Wie sehr schmerzt Sie der Abgang von Sabine Mandak – persönlich und politisch?

Rauch: Er schmerzt mich sehr. Sie ist eine langjährige Weggefährtin, sie hat sehr viel geleistet für die Grünen in Vorarlberg. Und es ist sehr viel an persönlicher Vertrautheit und Freundschaft vorhanden. Das ist nicht selbstverständlich in diesem Job, in dem wir tätig sind.

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