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Nicht umsonst ist es das „beste Buch der Welt“

©Don Quichotte gespielt von Ga´bor Bretz
Warum sich Don Quijote und sein Schöpfer ähnlich sind.
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Einen Kampf gegen Windmühlen hat wohl jeder schon einmal geführt. Dass diese Windmühlen etwas mit dem „Ritter von der traurigen Gestalt“ zu tun haben, das interessiert in diesen Momenten zwar überhaupt nicht, das weiß man aber trotzdem. Denn sie haben sogar den Sprung aus der Literatur in den ganz alltäglichen Sprachgebrauch geschafft. Und das will doch was heißen.

Konkret heißt es, dass an Cervantes‘ Roman „Don Quijote von der Mancha“ etwas dran ist. Nicht umsonst grübeln seit stolzen vier Jahrhunderten kluge Köpfe über den Absichten dieses Autors und seines Don Quijotes. Ohne sich wirklich einig zu werden, muss man wissen. Aber vielleicht wird man damit Don Quijote sowieso viel gerechter. 1605 erschien der erste Teil der ritterlichen Abenteuer, 1615 der zweite. Beide Teile brachten Miguel de Cervantes Ruhm und Reichtum. Der Erfolg kam schnell – nur Wochen nach Erscheinen des ersten Bandes kursierten bereits die ersten Raubdrucke – und der Erfolg verflog schnell. Oder zumindest das Geld. Doch dazu später. Bevor man nämlich zu Don Quijotes „Vater“ kommt, ist noch sein Ritter an der Reihe. Der führt seine Leser nämlich von Anfang an immer wieder in die Irre zwischen Realität und Illusion.

Rein technisch betrachtet ist Don Quijote einem „echten“ Ritter übrigens gar nicht so unähnlich. Ritterromane boomten nämlich bis zur Zeit eines Cervantes und darüber hinaus. Dabei ist das Strickmuster im Kern meist dasselbe. Ein Ritter zieht aus, besteht diverse Abenteuer, kehrt zurück, wird sesshaft, was ihm nicht immer gut bekommt und muss ein zweites Mal ausziehen, um endgültig geläutert zu werden. Eine doppelte Aventurekette nennt sich diese Konstruktion. Und siehe da, diese Grundstruktur findet sich auch bei Cervantes. Sein Held allerdings steckt mehr Prügel als Ehre ein, was vielleicht auch daran liegen könnte, dass seine Gegenspieler nur für ihn Gestalt annehmen. Das fängt schon bei seiner Holden an. Dulcinea, das unerreichbare Sehnsuchtsbild, ist doch nur ein Bauernmädchen, das Don Quijote in seiner Jugend einmal sah – und seitdem nie wieder. Das geht weiter mit seinem stolzen Ross, das eher einem Gaul gleicht und das endet bei den Rittern, Burgherren und angriffslustigen Riesen, die allesamt Bauern, Gastwirte oder eben Windmühlen sind.

Die Grenzen gedehnt

Stellt sich die Frage, ob Don Quijotes Streben weniger real ist, nur weil er die Grenzen des allgemeinhin als vernünftig Geltenden etwas dehnt. Immerhin darf man ja auch nicht vergessen, dass Don Quijote selbst „nur“ Erfindung, sprich Figur in einem Roman, ist. Dieses Spielchen macht Miguel de Cervantes ganz offensichtlich Spaß. Im zweiten Teil seines „Don Quijotes“ treibt er es sogar noch bunter, indem alle, denen Don Quijote und sein treuer Begleiter Sancho Panza begegnen, davon erzählen, dass sie den Cervantes‘ Roman bereits mit großer Freude gelesen hätten.

Man könnte nun also sagen, dass Miguel de Cervantes mit seinem Helden die klassischen Ritterromane aufs Korn nimmt. Man könnte auch behaupten, dass er damit die damals gängige Meinung stützte, dass ein zu viel an Lektüre den Kopf verneble und Don Quijote ein Opfer der Literatur sei. Genauso aber könnte man behaupten, dass Cervantes, indem er das Treiben so zuspitzt doch nur vorführe, wie absurd diese Warnungen vor dem Lesen seien. Auch die Frage, ob denn Don Quijote wahnsinnig ist oder nicht viel mehr seine Umwelt, die den schrägen Vogel immer wieder in die Normalität zwingen will, ist berechtigt. Ganz egal aber, welcher Fraktion man angehört: Das Lesen des Romans ist ein Erlebnis. Nicht umsonst wurde er 2002 zum „besten Buch der Welt“ gekürt.

Miguel de Cervantes selbst ist seinem Helden übrigens gar nicht so unähnlich. Abenteuer hatte nämlich auch er zu bestehen – und Windmühlen fanden sich auch bestimmt darunter. Seine Familie war das, was man verarmten spanischen Adel nennt. Sein Vater war ein Wanderchirurg und den Sohn schickte man zum Studium der Theologie nach Salamanca und Madrid. Die Flucht vor der Justiz trieb Cervantes nach Rom und später zur Armee. Er kämpfte in der Schlacht von Lepanto, wurde als Sklave nach Algier verschleppt, kehrte heim, heiratete, trennte sich und schrieb. Völlig verarmt starb Miguel de Cervantes am 22. April 1616 in Madrid. Lange Zeit galten seine sterblichen Überreste sogar als verschollen, bis sie 2015 – pünktlich zum darauffolgenden Cervantes-Jahr – schließlich auf dem Klostergelände der Unbeschuhten Trinitarierinnen wiederentdeckt wurden. Perfektes Timing nennt man das wohl. Veronika Fehle

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