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Neun Monate nach Unfall in Suzuka: Formel-1-Fahrer Bianchi ist tot

Französischer Formel-1-Fahrer starb im Alter von 25 Jahren
Französischer Formel-1-Fahrer starb im Alter von 25 Jahren
Das ist die schlimmste Nachricht, die kommen konnte: Jules Bianchi ist tot. Der Formel-1-Pilot mit großer Zukunft hat die Folgen des Unfalls in Japan nicht überlebt. Er wurde gerade einmal 25 Jahre alt.
Bianchi erlitt Schädelhirntrauma
Notoperation nach Unfall
Bianchis Situation "verzweifelt"
Vater "weniger optimistisch"

Der am 5. Oktober 2014 bei einem Formel-1-Unfall schwer verletzte Rennfahrer Jules Bianchi ist tot.

“Jules hat bis zum Ende gekämpft”

Wie seine Eltern in der Nacht zum Samstag auf Facebook mitteilten, starb Bianchi am Freitagabend im Alter von 25 Jahren im Krankenhaus seiner Heimatstadt Nizza. “Jules hat bis zum Ende gekämpft, wie er es immer gemacht hat, aber gestern ist sein Kampf zu Ende gegangen”, erklärte die Familie.

A Statement from the Bianchi FamilyNice, FranceSaturday 18 July 201502.45hrs France │ 01.45hrs UKC’est avec une…

Posted by Jules Bianchi Fan Club on Freitag, 17. Juli 2015

Bianchi war beim Rennen im japanischen Suzuka mit seinem Wagen gegen einen Bergungskran gerast und hatte sich weitreichende Verletzungen im Gehirn zugezogen.

Erster Todesfall in Formel 1 seit Ayrton Senna 1994

Gut zwei Jahrzehnte nach dem Horror-Wochenende von Imola mit dem Tod der Renn-Ikone Ayrton Senna am 1. Mai 1994 in Imola und von Roland Ratzenberger trauert die Formel 1 um den insgesamt 26. toten Fahrer durch einen Unfall an einem Grand-Prix-Wochenende seit der WM-Einführung 1950. “Jules Bianchi ist von uns gegangen”, schrieb die französische Sportzeitung “L’Équipe” am Samstagmorgen in ihrer Online-Ausgabe.

“Wir werden Dich nie vergessen. Wie könnten wir auch…”

“Ruhe in Frieden, Jules. Nach einem tragischen Unfall und einem langen Kampf hast Du uns verlassen. Aber wir werden Dich nie vergessen. Wie könnten wir auch …”, schrieb die Fahrervereinigung (GPDA) am Samstag auf Twitter.

Auch der Ferrari-Rennstall, bei dem Bianchi einen Fördervertrag als Rennfahrer besessen hatte, drückte ihr Mitgefühl aus. “Ciao Jules, du wirst für immer in den Herzen von Ferrari sein.”

Lange im Koma

Noch Ende Mai hatte Bianchis Vater Philippe dem französischen TV-Sender Canal Plus gesagt: “Die Tatsache, dass er kämpft, gibt uns viel Kraft. Das Wichtigste ist, dass Jules am Leben ist.” Bianchi lag bis zuletzt in seiner Heimatstadt Nizza im Koma und wurde behandelt. Doch zuletzt war die Zuversicht der Familie gesunken, nachdem sich der Zustand des im Koma liegenden Franzosen nicht gebessert hatte. “Ich bin weniger zuversichtlich als noch vor einigen Monaten”, sagte Philippe Bianchi kürzlich. Nach dem Tod des Sohnes sei der Schmerz nun “immens und unbeschreiblich”.

Die Familie Bianchis dankte dem medizinischen Personal des Krankenhauses, das den im Koma liegenden Jules Bianchi “mit Liebe und Hingabe” gepflegt habe.

Weiterer Schicksalsschlag für Familie Bianchi

Für die Familie Bianchi war der schwere Unfall und der Tod des hoffnungsvollen Rennfahrers ein weiterer Schicksalsschlag. Jules Großonkel Lucien starb 1969 bei einem Sportwagen-Unfall in Le Mans, sein Großvater – Philippes Vater – Mauro erlitt ebenfalls bei einem Sportwagen-Unfall schwere Brandverletzungen.

“Es war ein Privileg, dass er für unser Team gefahren ist”

Der am 3. August 1989 geborene Bianchi hatte vor einem Jahr beim GP von Monaco mit Rang neun die ersten Punkte überhaupt für den russischen Marussia-Rennstall eingefahren, für den er seit 2013 gefahren war. Das Nachfolgeteam Manor reagierte erschüttert auf die Todesnachricht. “Wir sind am Boden zerstört, Jules nach so einem harten Kampf zu verlieren. Es war ein Privileg, dass er für unser Team gefahren ist.”

Mit Rennwagen unter Bergunsgkran gerast

Nach Bianchis Unfall waren von Fahrerkollegen seinerzeit im Regen von Suzuka auch die Licht- und damit Sichtverhältnisse moniert worden. Bianchi hatte sich auf dem Suzuka Circuit schwere Kopfverletzungen zugezogen, als er bei teils nasser Strecke vom Kurs abgekommen und mit seinem Rennwagen unter einen Bergungskran gerast war. Mit einer “diffus axonalen” Hirnverletzung war er in das Mie General Hospital von Yokkaichi eingeliefert worden.

Japan F1 GP Auto Racing Bianchi Crash
Japan F1 GP Auto Racing Bianchi Crash ©Kurz nach dem schweren Unfall: Jules Bianchi wird schwer verletzt geborgen. Neun Monate danach verliert er seinen Kampf.

“Bei jedem Telefonklingeln wissen wir, dass es das Krankenhaus sein könnte”

Seitdem bangten seine Familie, seine Freunde, seine Fans und die gesamte Formel 1 um das Leben des Franzosen. “Bei jedem Telefonklingeln wissen wir, dass es das Krankenhaus sein könnte, das uns sagt, dass Jules tot ist”, hatte Philippe Bianchi gut eine Woche nach dem Unfall der italienischen Zeitung “La Gazzetta dello Sport” erklärt. Die Ärzte hätten ihnen gesagt, dass noch nie jemand einen so schweren Unfall überlebt habe.

Bianchi-Unfall löst Sicherheitsdebatte aus

Der Unfall hatte Ende vergangenen Jahres eine Sicherheitsdebatte in der Formel 1 ausgelöst. So wurden und werden in dieser Saison fünf Rennen früher als sonst gestartet. Betroffen waren und sind die Grand Prix’ in Australien am 15. März (Start 16.00 Uhr Ortszeit), Malaysia am 29. März (15.00 Uhr), China am 12. April (14.00 Uhr), Japan am 27. September (14.00 Uhr) und Russland am 11. Oktober (14.00 Uhr).

Nach dem Crash Bianchis am 5. Oktober hatte der Weltverband FIA ein Unfallgremium einberufen. Dieses hatte unter anderem empfohlen, dass kein Rennen weniger als vier Stunden vor Sonnenuntergang gestartet werden sollte. Es sei denn, es handelt sich um einen Flutlicht-Grand-Prix.

Dem 92fachen des eigenen Körpergewichts ausgesetzt

Äußerlich hatte Bianchi am Kopf offensichtlich keinerlei Verletzungen davongetragen. Zu schwer waren aber die weitreichenden Schädigungen im Kopf, die Ausmaße waren bei dieser Art von Verletzung nicht einmal genau ersichtlich. Das Fachmagazin “Auto, Motor und Sport” hatte berichtet, dass Bianchi Kopfs bei dem Aufprall einer Verzögerung von 92g, also dem 92fachen des eigenen Körpergewichts augesetzt gewesen sein soll. (dpa/APA/red)

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