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Neues Stück von Meg Stuart beim ImPulsTanz enttäuscht

Meg Stuart lässt ihre Tänzer bei "Cascade" fliegen
Meg Stuart lässt ihre Tänzer bei "Cascade" fliegen ©APA
Der Fluss der Zeit stürzt in Kaskaden - oder wird zum dünnen Rinnsal wie bei Meg Stuarts neuem Stück "Cascade". Die Konzeption als überfrachtete Philosophie über die Zeit mündete Samstagabend im Volkstheater in eine Uraufführung, die vor allem an einem krankt: dem richtigen Timing. Oder um Alfred Polgar zu paraphrasieren: "Die Vorstellung begann um neun. Als ich nach zwei Stunden auf die Uhr sah, war es halb zehn."

Dabei hatte die US-Choreografin für ihr neues Stück mit Philippe Quesne eigentlich einen Bühnenkünstler als Sparringpartner, der zwar zuletzt bei den Festwochen mit "Das Lied der Erde" eher enttäuschte, für "Cascade" aber eine durchaus ansprechende Spielstätte schuf. Zwei mit kosmischen Motiven überzogene Hüpfburgen, die wie gestrandete Wale über den Abend hinweg zu atmen scheinen, werden flankiert von einer Rampe, die Bergisel-gleich steil nach oben führt.

Zu diesem Raum wird hier die Zeit, aus dem sich die sieben Performenden der Stuart-Compagnie Damaged Goods anfangs wie aus einem kosmisch langsamen Urgrundeln schälen. In Zeitlupe gerät das Geschehen sukzessive in Bewegung, umwabert von einem Urnebel. Im Laufe des knapp zweistündigen Abends wird die Kaskade nicht linear nach unten laufen, sondern immer an- und abschwellen, zwischen laut und leise changieren, zwischen Stillstand und Bewegung.

Und doch ist dieses Gebirge der Zeit porös. Jeder Tanzende bleibt in seiner eigenen Zeitblase, nur selten begegnet man sich, wenn die Zeitläufe sich kurzzeitig kreuzen. Und noch seltener agiert man synchron als Gruppe. Vorangetrieben bis hin zur akustischen Schmerzgrenze wird dieses Kreisen wie oft bei Stuart von Livemusiker Brendan Dougherty zwischen Elektrospur und Percussion - oder auch auf Null heruntergefahren.

Wirkliche Cut-Momente sind allerdings die Ausnahme und beschränken sich letztlich auf ein einmaliges Aufflackern von Ironie, als die Rhythmusspur von "How Deep Is Your Love" samt kitschigem Sonnenuntergang die aufoktroyierte Schwere des Sujets konterkariert. Ansonsten scheinen die Performer immer wieder beinahe verloren in Zeit und Raum, trägt die Grundlage längst nicht einen ganzen Abend, sondern ist in der extremen Zeit-Dehnung leider streckenweise schlicht Zeit-Verschwendung.

Einhelligen Jubel gab es am Ende aber dennoch - weil der andere Teil des Publikums schlicht das Haus bereits verlassen hatte. "Cascade" ist dabei nicht der einzige Einsatz von Meg Stuart beim heurigen, frisch eröffneten ImPulsTanz. So ist am 26. Juli im Volkstheater ihr Klassiker "Violet" zum zehnjährigen Bestehen erneut in Wien zu sehen. Die abstrakte Arbeit mit fünf Performenden und abermals Dougherty als Musiker ist seit der Premiere durchgängig auf Tournee. Und schließlich ist Stuart noch beim Hörprojekt "Showing - The Matter Lab" am 30. und 31. Juli akustisch zu erleben.

(S E R V I C E - Weitere Aufführungen von "Cascade" am 19. Juli um 21 Uhr im Volkstheater.

(APA)

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