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Neues Bienensterben schockiert die Imker - Tausende Bienenvölker tot

Imker-Obmann Egon Gmeiner geht von 5000 toten Bienen­völkern aus.
Imker-Obmann Egon Gmeiner geht von 5000 toten Bienen­völkern aus. ©VOL.AT/BilderBox
Schwarzach - Ein düsteres Bild zeichnet der Obmann des Vorarlberger Imker-Verbands, Egon Gmeiner, vom Zustand der Vorarlberger Bienenvölker. Vielen starken, gesunden Stämmen stehen große Verluste gegenüber. Gmeiner rechnet damit, dass die Hälfte der 10.000 Vorarlberger Bienenvölker den Winter nicht überstanden hat.

Groß war die Sorge, als der Winter 2014/15 allein in Vorarlberg Tausende Bienenvölker hinwegraffte. Vom größten Bienensterben seit 20 Jahren war die Rede. Nach der Erholung vergangenen Winter nun die nächste Hiobsbotschaft: „Wir haben sehr große Bienenverluste“, berichtet Egon Gmeiner, Obmann des Vorarlberger Imkerverbands. „2015 verloren wir 3000 Völker, aktuell rechne ich mit 5000“, lautet seine erste Bilanz zum Frühjahrsbeginn. Normal wäre ein Bestand von 10.000 Bienenvölkern im Land.

Die Gründe für den Rückgang seien zudem mysteriös: „Bei manchem Imker sind bei gleicher Behandlung die einen Bienen tot, die anderen kerngesund“, beschreibt der Imker-Obmann eine rätselhafte Situation. Derzeit sei man beim Verband allerdings noch bei der Bestandsaufnahme.

Jetzt, da die ersten Flugtage angebrochen sind, beginnen die Imker mit einer ersten Revision. „Sie schauen nach, ob die Bienen noch leben und ob sie genügend Futter haben“, erläutert Gmeiner. Ein erstes Rundschreiben an die Vorarlberger Imker brachte bisher 150 Rückmeldungen, in einem Monat werde mehr Klarheit über das Ausmaß des Bienentods herrschen.

Nach Egon Gmeiners Einschätzung dürften die bekannten Feinde der gestreiften Insekten bei der erneuten Misere zusammenspielen: Pestizide, die Varroamilbe, Nahrungsmangel und das Klima. Gerade das Wetter war vergangenes Jahr nicht sehr bienenfreundlich. Der verregnete Sommer und der kalte August reduzierten die Flugzeit der Bienen und somit auch ihren Pollenertrag. „Viele Völker haben es gar nicht in den Herbst geschafft“, sagt Gmeiner. Dann kam ein langer kalter Winter.

Varroamilbe ist zurück

Auch die Varroamilbe, die sich zuletzt überraschenderweise rar gemacht hatte, ist wieder aufgetaucht und mit ihr schädliche Viren. „Bei einer großen Varroa-Belastung nehmen auch die Viren überhand“, erläutert der Verbandschef. Pestizide wie Glyphosat oder Neonicotinoide sind ihm weiterhin ein Dorn im Auge, denn sie sind buchstäblich Gift für die Bienen und werden seiner Ansicht nach viel zu häufig verwendet. „Jedes Primelchen wird ja heute behandelt“, beklagt er.

Bewusstsein ist geblieben

Ein Hoffnungsschimmer: Die Menschen sind sich der Wichtigkeit der Bienen sehr bewusst, auch weil das Thema 2015 in der Öffentlichkeit sehr präsent war. „Der Boom ist zwar abgeflaut, aber das Bewusstsein ist geblieben“, urteilt Gmeiner. Ungebrochen ist außerdem das allgemeine Interesse an der Hobby-Imkerei. „Wir haben heuer wieder 120 Teilnehmer im Anfängerkurs, 40 Prozent davon Frauen“, freut sich der Verbandsobmann. Bemerkenswert: Viele wollen gar nicht wegen des Honigs, sondern aus Interesse an den Tieren und der Natur Imker werden, berichtet er. Doch das mysteriöse Bienensterben macht es gerade neuen Imkern schwer.

Manchem Anfänger wurden seine wenigen Bienenstöcke vernichtet. Zwar sei es üblich, dass sich Imker gegenseitig mit Bienenvölkern aushelfen, durch die unbekannte Ursache des Bienensterbens jedoch gerate mancher Anfänger in den Verdacht, den Tod seiner Bienen durch eigene Fehler verursacht zu haben.

Gmeiner erklärt zudem: 30 Prozent Verlust an einem Stamm seien als seuchenhaft zu betrachten und müssen der BH gemeldet werden. Die gibt Proben der Waben und tote Bienen zum Testen an die Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) zur Untersuchung weiter. Das kostet den Imker zwar nichts, dennoch bereite es keinem Züchter Vergnügen, einen Seuchenverdacht bei der Behörde anzuzeigen.

„Saubere Analyse“

Agrarlandesrat Erich Schwärzler hat bereits Hilfe zugesagt, stellt jedoch klar: „Es braucht eine saubere Analyse des Bienensterbens, um den Grund herauszufinden. Dann muss man sehen, welche Maßnahmen zur Unterstützung gesetzt werden müssen“, erklärte Schwärzler gegenüber den VN.

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