Neue Glass-Symphonie im Musikverein umjubelt

Philip Glass hat diesesmal ein Auge auf Liechtenstein geworfen
Philip Glass hat diesesmal ein Auge auf Liechtenstein geworfen ©APA/AFP
Es kommt nicht oft vor, dass ein waschechter Prinz ein Konzert eröffnet, zumindest nicht in unseren Breiten. Am Dienstagabend war es jedoch Prinz Philipp von und zu Liechtenstein, der im Wiener Musikverein ein Konzert der LGT Young Soloist inaugurierte. Das Ensemble, das die Hausbank der Fürstenfamilie im Titel trägt, hat dank deren Unterstützung zum 100-jährigen Bestehen des Geldhauses zwei Kompositionsaufträge vergeben. Diese wurden nun in Wien präsentiert.

Schließlich sind die 2013 gegründeten LGT Young Soloists ein wilder Haufen von 14- bis 23-jährigen Musikern aus 15 Ländern, angehende Solisten, die sich zum Erfahrung Sammeln als Orchestermusiker betätigen. 15 Streicher sowie der Gründer Alexander Gilman an der Violine waren es am Abend in Wien, die vier Tage nach der Uraufführung in London nicht nur das Concerto grosso "Liechtenstein" des russisch-kanadischen Komponisten Airat Ichmouratov, sondern vor allem Philip Glass' 14. Symphonie und damit das neueste Werk des minimalistischen Vielschreibers vorstellten.

Der 84-jährige Glass, einer der umtriebigsten Tonsetzer seiner Generation, hat sich für diese "Liechtenstein Suite" angesichts der limitierten Besetzung gleichsam für eine Rückkehr zu seinen Anfängen entschieden. So hatte sich der Komponist bei seinen letzten Symphonien längst von den langen Glissandi und repetitiven Streichermotiven als treibende Kraft emanzipiert und stattdessen einen dissonanteren, rhythmusfokussierten, percussiongetriebenen Stil entwickelt. Im Kammerformat kehrt Glass nun aber wieder zu den Wurzeln zurück.

Die ersten beiden Sätze sind im mittleren Tempobereich angesiedelt, erinnern an die legendären Filmmusiken des New Yorkers und einen Vogelflug über die Berge Liechtensteins. Erst im finalen dritten Satz spielt Glass wirklich mit den verschiedenen Streichergruppen, lässt Geigen oder Celli dialogisch agieren, setzt Tutti gegen solistische Passagen. Letztlich ist die "Liechtenstein Suite" ein aufgepumptes Streichquartett, mehr Suite denn Symphonie und nicht viel länger als eine Viertelstunde. Aber vielleicht ist ja eben das kleine Format das passendste für Liechtenstein.

Und wer es am Abend nicht in den Musikverein geschafft hat, der kann demnächst zumindest daheim nachhören. So hat das Orchester die "Liechtenstein-Suite" gemeinsam mit weiteren Glass-Werken jüngst eingespielt, was demnächst auf dem Glass-Label Orange Mountain Music veröffentlicht wird.

(S E R V I C E - )

(APA)

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