AA

Hamas: Keine Geisel-Verhandlungen bei Offensive in Rafah

Kein Ende der Kämpfe absehbar
Kein Ende der Kämpfe absehbar ©APA/AFP
Eine mögliche Bodenoffensive der israelischen Armee in Rafah würde der Hamas zufolge jegliche Verhandlungen über eine Freilassung von Geiseln zunichtemachen. Mit der Aussage hat der von der Hamas betriebene TV-Sender Aqsa am Sonntag einen hochrangigen Vertreter der radikalen Gruppierung zitiert. Zuvor hatte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu den Hunderttausenden dort Schutz suchenden Zivilisten einen "sicheren Korridor" zugesichert.

"Wir sind in dieser Sache nicht leichtsinnig", sagte Netanyahu in einem Interview des US-Senders "ABC News", aus dem der Sender in der Nacht auf Sonntag in Auszügen berichtete. Man werde der Zivilbevölkerung einen "sicheren Korridor gewähren, damit sie das Gebiet verlassen kann". Auf die Frage, wohin die weit mehr als eine Million Palästinenser in der an Ägypten angrenzenden Stadt gehen sollen, sagte Netanyahu demnach, dass man "einen detaillierten Plan" ausarbeite.

Netanyahu telefonierte am Sonntag auch mit US-Präsident Joe Biden, der jüngst deutliche Kritik an der israelischen Militäroffensive geübt hatte. Wie das US-Präsidialamt nach dem Gespräch mitteilte, drängte Biden auf eine Gewährleistung der Sicherheit der Flüchtlinge in Rafah. Ohne einen Plan zur Gewährleistung der Sicherheit der rund eine Million Menschen, die dort Schutz suchten, solle Israel keine Miltäroperation anstreben, betonte der US-Präsident. Biden hatte vor einigen Tagen gesagt, Israels Vorgehen im Gazastreifen sei "übertrieben". Bei dem Gespräch ging es auch um die laufenden Bemühungen um die Freilassung der Geiseln, die von der radikal-islamischen Hamas bei ihrem Angriff auf Israel am 7. Oktober entführt worden waren.

Die US-Regierung hatte sich in den vergangenen Tagen deutlich gegen ein militärisches Vorgehen in Rafah ausgesprochen. "Wir glauben, dass eine Militäroperation zum jetzigen Zeitpunkt eine Katastrophe für diese Menschen wäre", sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby. "Wir würden das nicht unterstützen." Auch Österreich stimmte in die internationale Kritik ein und zeigte sich "sehr besorgt" über die israelischen Angriffspläne auf Rafah.

Auch UNO-Generalsekretär António Guterres warnte vor einer humanitären Katastrophe und Folgen für die gesamte Region. Die Hälfte der Bevölkerung des Gazastreifens sei in Rafah zusammengepfercht und könne nirgendwo anders hin, schrieb er auf der Online-Plattform X. Ägypten befürchtet, dass ein massiver Militäreinsatz in Rafah zu einem Ansturm verzweifelter Palästinenser auf die ägyptische Halbinsel Sinai führen könnte.

Netanyahu hatte am Freitag der Armee seines Landes den Befehl erteilt, eine Offensive auf Rafah vorzubereiten. "Es ist unmöglich, das Kriegsziel der Eliminierung der Hamas zu erreichen, wenn vier Hamas-Bataillone in Rafah verbleiben", teilte er laut seines Büros mit. Die Pläne der Militärführung müssten auch die Evakuierung der Zivilisten beinhalten. Der Sieg sei "in Reichweite", sagte er nun "ABC News". "Wir werden es tun. Wir werden die verbleibenden Hamas-Terrorbataillone in Rafah, der letzten Bastion, erwischen", sagte Netanyahu.

Auslöser des Gazakrieges war das beispiellose Massaker, das Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober im Süden Israels verübt hatten. Auf israelischer Seite wurden dabei mehr als 1.200 Menschen getötet. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive. Nach palästinensischen Angaben wurden in den vergangenen 24 Stunden 112 Palästinenser im Gazastreifen getötet. 173 Menschen seien verletzt worden, teilte die dortige Gesundheitsbehörde mit. Insgesamt seien somit seit Beginn des Krieges 28.176 Palästinenser ums Leben gekommen und 67.784 verletzt worden.

(APA/dpa/Reuters)

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Politik
  • Hamas: Keine Geisel-Verhandlungen bei Offensive in Rafah