NEOS warnen vor Bauernsterben - ÖVP: "NEOS machen es sich zu einfach"

Die NEOS sehen die Gefahr eines massiven Bauernsterbens in Vorarlberg.
Die NEOS sehen die Gefahr eines massiven Bauernsterbens in Vorarlberg. ©VOL.AT/Berchtold (Themenbild)
Rupert Burtscher, Bio-Landwirt und Geschäftsführer des "Haus Walserstolz", befürchtet seit Bekanntwerden der neuen Förderrichtlinien weitere Verdiensteinschnitte für die heimischen Landwirte, vor allem jene in den Tälern. Die NEOS sehen die schwarz-grüne Landesregierung gefordert.

Burtscher warnt vor einem massivem Bauernsterben – insbesondere in den heimischen Talschaften, wo extreme Hangneigungen die Arbeit erschwerten. Gemeinsam mit NEOS-Landwirtschaftssprecherin Martina Pointner fordert er vom zuständigen Landesrat Schwärzler ein langfristig ausgerichtetes Maßnahmenkonzept, wie ein weiteres Bauernsterben und damit das Ende der heimischen Kulturlandschaft nachhaltig verhindert werden können.

“Die weitere Kürzung der Mittel ab 2015 und die neue Staffelung ab 30 Hektar bringt die heimischen Landwirte weiter unter Druck”, warnt Rupert Burtscher. Die Folge sei, dass viele Bauern in den Nebenerwerb gedrängt werden.

Minimaler Verdienst, hohe Arbeitsbelastung

“Wir müssen daher davon ausgehen, dass das massive Bauernsterben durch die fragwürdige Förderungspolitik noch verstärkt wird”, so NEOS-Landwirtschaftssprecherin Martina Pointner. Den Bauern und ihren Familien sei der Rückzug aus dem Erwerb auch nicht vorzuwerfen, ein Jahresverdienst zwischen 10.400,- und 18.400,- Euro pro Arbeitskraft sei bei bis zu 100 Wochenstunden niemandem zuzumuten, insbesondere wenn die Zukunftsperspektiven fehlten.

Wenn einmal nicht Brüssel schuld ist

Rupert Burtscher ist seinerseits überzeugt, dass viele der Probleme, mit denen die heimischen Bauern konfrontiert sind, hausgemacht sind: “Nicht Brüssel ist das Problem, sondern der Österreichische Bauernbund. Während die EU inzwischen durchaus auf bodenschonende Kreislaufwirtschaft setzt, arbeiten profitgierige Agrar-Konzerne in eine ganz andere Richtung. Es sind die großen Industriebetriebe, die unsere Landwirtschaftspolitik diktieren – Familienbetriebe haben in diesem Wettbewerb einfach keine Chance.”

Positive Entwicklungen

Positiv beurteilen beide die Tatsache, dass es offenbar ab Herbst 2015 an der Landwirtschaftsschule einen Lehrgang mit Matura geben soll. So könne eine innovative, zukunftsfähige Landwirtschaft entstehen, die etwa über die Besetzung von Nischen zu einem höheren Einkommen führe.

Auch im Regierungsabkommen von ÖVP und Grünen machen die beiden bei aller Kritik einen kleinen Hoffnungsschimmer aus. Dort heißt es wörtlich: “Einkommensverbesserung der bäuerlichen Betriebe besonders bei extrem benachteiligten Bergbauernbetrieben; Sicherung der flächendeckenden Bewirtschaftung und Besiedelung im Berggebiet”. Daran könne zumindest ein gewisses Problembewusstsein in der Landesregierung abgelesen werden.

ÖVP: “NEOS machen es sich zu einfach”

ÖVP-Landwirtschaftssprecher Josef Türtscher kontert: “Es ist einfach, unseren Landesrat und unseren Nationalrat für die Einkommensentwicklung der Bauern exemplarisch verantwortlich zu machen, nur es entspricht nicht der Realität.”. Denn beide würden sich durchaus für Vorarlberger Interessen in Wien und Brüssel einsetzen.

Zweifellos aber sei die Einkommenssituation in der Landwirtschaft schwierig und spitze sich besonders in den Erschwerniszonen drei und vier zu, um selbst auf die formulierten Ziele im Regierungsübereinkommen zu verweisen. Weiters vermisst Türtscher inhaltliche Alternativen der NEOS zum bestehenden System der Leistungsabgeltung.

Neues EU-Programm macht es nicht leichter

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Einkommen im Berggebiet seien durch Landeszahlungen zwar etwas besser als in Österreich, aber das neue EU-Programm “Ländliche Entwicklung 2015 bis 2020” löst bei Türtscher nicht nur Freude aus: “Der Rückgang des EU-Landwirtschaftsbudgets um drei Prozent schmerzt natürlich. Daher ist es umso schwieriger, in den extremen Regionen eine Verbesserung zu erreichen.”

Abschließend verweist Türtscher auf die bereits bestehenden Bemühungen des Landes, die Bauern etwa im Bereich der Landschaftspflege entsprechend abzugelten. So etwa die Umweltbeihilfe, durch die acht Millionen Euro aus Landesmitteln direkt an die Bauern fließen oder der Tiergesundheitsfonds, der mit zwei Millionen Euro dotiert ist. Insgesamt seien im Landesvoranschlag 2015 35,5 Millionen Euro für die Vorarlberger Landwirtschaft vorgesehen. (red)

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