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"Nein zur Insellösung" - "Modellregion Lustenau" stößt auf Widerstand

BG Lustenau lehnt ÖVP-Vorschlag zur "Modellregion Lustenau" entschieden ab.
BG Lustenau lehnt ÖVP-Vorschlag zur "Modellregion Lustenau" entschieden ab. ©VOL.AT/ Steurer (Themenbild)
Lustenau - Das Bundesgymnasium Lustenau lehnt das von LR Bernadette Mennel lancierte Forschungsprojekt zur gemeinsamen Schule in Lustenau vehement ab.
Vorarlberg lanciert Forschungsprojekt

Wie diese Woche bekannt wurde, will Vorarlberg einen ersten Schritt in Richtung gemeinsamer Schule der Zehn- bis Vierzehnjährigen machen. In Lustenau soll ein Forschungsprojekt lanciert werden, das bei entsprechendem Ausgang in einen Schulversuch zur gemeinsamen Schule münden könnte. Drei Mittelschulen und das Bundesgymnasium am Standort Lustenau sollen dem Vorschlag gemäß zu einer Gesamtschule zusammenwachsen.

Bekannt geworden waren die Pläne der neuen Schullandesrätin, Bernadette Mennel, am Dienstag im Anschluss an eine Pressekonferenz zu den Bildungsstandards. “Ich habe mit den Direktoren gesprochen, sie stehen dem Forschungsprojekt offen gegenüber”, erklärte Mennel im Zuge der Konferenz. Man werde die Initiative unter Einbeziehung der Eltern und der Schüler starten.

BG Lustenau gegen Forschungsprojekt

Lehrer, Direktor, Schüler und Eltern des Bundesgymnasiums Lustenau haben sich in einer ersten Stellungnahme entschieden gegen den Schulversuch ausgesprochen. “Mit Verwunderung und Betroffenheit haben wir aus den Medien vom geplanten Forschungsprojekt ‘Modellregion Lustenau’ erfahren”, so Michaela Germann, Obfrau der Personalvertretung im Namen der Personalvertretung und des Schulgemeinschaftsausschusses des BG Lustenau.

Verunsicherung macht sich breit

Viele Eltern seien durch die Pläne ganz offensichtlich verunsichert. Vor vollendete Tatsachen gestellt, frage man sich, auf welcher rechtlichen Grundlage “diese Insellösung steht”.
Befürchtet wird dabei vor allem, dass das Forschungsprojekt in der angedachten Variante zur Abwanderung der leistungsstarken Schüler in umliegende Gymnasien führen werde. “Damit besteht keine Gesamtschule mehr und dem Forschungsprojekt ist somit die Grundlage entzogen, denn eine Gesamtschule braucht, um erfolgreich sein zu können, unbedingt auch leistungsstarke Schülerinnen und Schüler”, heißt es in einer Aussendung.

Gymnasium fordert Mitspracherecht

Ausschließlich im Rahmen einer großangelegten Modellregion könne über eine Änderung des Schultyps nachgedacht werden. Davor jedoch müsse eine breite Diskussion unter Einbeziehung aller Schulpartner – Lehrer, Schüler und Eltern – geführt werden. Das Gymnasium der Gemeinde lehnt dabei nicht nur die “Modellregion Lustenau” ganz dezidiert ab. Darüber hinaus wird gefordert, in künftige Entscheidungsprozesse miteinbezogen zu werden. “Die aktuelle Diskussion führt zu einer großen Verunsicherung bei den Eltern unserer zukünftigen Erstklässler. Diesen verunsicherten Eltern sichern wir zu, dass sie ihre Kinder für das Gymnasium anmelden”, heißt es abschließend.

AK sieht Abwanderung in Nachbarschulen

Kritik am Forschungsprojekt und damit auch an der neuen Schullandesrätin kommt dabei nicht nur von einer der betroffenen Schulen. Auch der Bildungsexperte der Arbeiterkammer Vorarlberg, der stellvertretende Direktor Gerhard Ouschan, lässt weder ein gutes Haar am Vorschlag selbst, noch an der Vorgehensweise von Mennel: “Nachdem es in vielen Ländern bereits Gesamtschulen gibt, ist ein Schulversuch darüber in einer Gemeinde Vorarlbergs völlig überflüssig, zumal die Eltern ja in benachbarte Gymnasien ausweichen können”, heißt es in einer Aussendung der AK.

In seiner Annahme bestärkt, dass eine solche Abwanderung der Fall sein werde, fühlt sich der Bildungsexperte durch eine aktuelle repräsentative Berndt-Umfrage vom 3. Dezember. Demnach würden sich 56 Prozent der Befragten gegen eine Abschaffung der Unterstufe an Gymnasien aussprechen, 17 Prozent würden eine Abschaffung “unbedingt” wollen und weitere 27 Prozent “eher”. Verständnis hat die AK für die Verunsicherung, die sich sowohl unter den Eltern, als auch unter den Lehrern breit macht.

Scharfe Kritik übt Ouschan letztlich am Versuch, zwei gewachsene Systeme ohne einheitliche Bezahlung und Ausbildung vereinheitlichen zu wollen. Eine solche Vorgehensweise sei “unprofessionell”. “In der AK wird man den Eindruck nicht los, dass hier aus rein parteipolitischen Motiven ein Modellversuch zur weiteren Verzögerung von echten Bildungsreformen installiert wird”, so Ouschan abschließend.

Vernichtende Kritik von Seiten der FPÖ

Am Freitag meldete sich schließlich auch Silvia Benzer, Bildungssprecherin der FPÖ zu Wort, die die Lustenauer Absage als die Rechnung für die “inkonsequente ÖVP-Haltung in dieser Frage” bezeichnet. Die offensichtliche Ablehnung des Lustenauer Gymnasiums sei als “bezeichnende Niederlage für Bildungslandesrätin Mennel” zu verstehen.

(VOL.AT)

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