Nationalbank sieht Risiken bei Krediten für Wohnraum

Nationalbank warnt vor einer "Überhitzung"
Nationalbank warnt vor einer "Überhitzung" ©APA/ROLAND SCHLAGER
Die Nationalbank (OeNB) sieht eine Überhitzung bei Wohnbaukrediten. Einerseits sind die Preise im letzten Jahrzehnt stark gestiegen. Andererseits werden zu viele Kredite mit variablen Zinsen oder mit sehr wenig Eigenkapital vergeben. Sollte eine Analyse drohende volkswirtschaftliche Probleme aufzeigen, könnten die Banken verpflichtet werden, bei der Kreditvergabe striktere Regeln einzuhalten. Eine Blase, die demnächst platzen könnte, sieht die OeNB aber nicht.

Die Preise für Wohnimmobilien haben sich in Österreich seit Anfang 2010 verdoppelt, während es im Euroraum nur einen Anstieg um ein Drittel gab. Im Vergleich zu 2012 sind die Preise im Schnitt in Österreich um 30 Prozent überbewertet, zeigen Zahlen der Nationalbank. Das ist deutlich mehr als im Euroraum. Dazu kommt, dass Wohnbaukredite häufig nicht den Empfehlungen über Nachhaltigkeit, also langfristige risikoarme Finanzierbarkeit, entsprechen. Bei mehr als der Hälfte der Projekte stellt der Kreditnehmer weniger als 20 Prozent Eigenmittel auf. Und bei einem Fünftel der Neukredite müssen die Kreditnehmer mehr als 40 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Rückzahlung aufwenden, schilderten OeNB-Chefökonomin Birgit Niessner und OeNB-Abteilungsleiter Markus Schwaiger.

Die Nationalbank analysiere derzeit im Auftrag des Finanzmarktstabilitätsgremiums (FMSG) den Markt für Wohnbaukredite, sagte Vizegouverneur Gottfried Haber. Dieses müsse dann Empfehlungen ausarbeiten - letztlich kann es auch zu einer Verpflichtung der Banken führen, gewisse Mindeststandards bei der künftigen Kreditvergabe einzuhalten. "Es spricht nichts gegen harte Vorgaben, wenn das erforderlich ist", sagt dazu Haber. Es gebe auch in anderen Ländern verbindliche Kreditvergabesysteme. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) weise Österreich ausdrücklich darauf hin, dass die Risken bei Wohnbaukrediten angegangen werden und verbindliche Standards überlegt werden sollen. Haber weist aber zugleich darauf hin, dass man damit zwar bei künftigen Entwicklungen, etwa stark steigenden Zinsen, Menschen schütze, aber andererseits manchen Menschen erschwere, Kapital zu bilden oder Wohnraum zu beschaffen.

Die Nationalbank empfiehlt Haushalten, auf fixe Zinsen zu setzen, denn der aktuelle Unterschied zu einem variabel verzinsten Wohnbaukredit sei gering, das künftige Risiko bei variablen Zinsen aber hoch. Viele Menschen könnten das wohl schlecht einschätzen, meint OeNB-Gouverneur Robert Holzmann: "Wenn die Leute dennoch den variablen Zins nehmen, deutet das auf eine sehr hohe Risikobereitschaft hin, derer sich im Moment nicht alle gewahr sind." Darauf sollten Bankberater stärker aufmerksam machen. Holzmann kann auch einem in den USA in manchen Staaten eingeführten Modell etwas abgewinnen, wonach jeder, der einen Kredit unterschreibt, vorher einen vierstündigen Kurs zu Finanzbildung absolvieren muss.

Zur Überhitzung haben laut Haber mehrere Faktoren beigetragen. Ein niedriges Zinsniveau habe die Finanzierung von Immobilien erleichtert. Aber die Immobilien selber seien immer teurer geworden. Die allgemeine Unsicherheit in der Pandemie habe zu einem Wunsch nach sicheren Anlageformen geführt - Stichwort "Betongold". Wenn noch starke Preissteigerungen dazu kommen, sei der Kauf von Immobilien sehr attraktiv, nicht nur für den Eigenbedarf.

(APA)

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