Nahversorgung: Es wird eng

Schwarzach - Acht Vorarlberger Gemeinden standen zu Jahresanfang 2007 ohne einen einzigen Nahversorger in ihren Gemarkungen da, in weiteren 47 hält sich gerade mal noch ein Lebensmittelgeschäft über Wasser.

Vor 12 Monaten waren es erst 42 Gemeinden gewesen. „Und der Trend, dass Kleine zusperren und sich Große immer noch bedrohlicher ausbreiten, hält ungebrochen an.“

Letzte Lücke genützt

Dieses Resümee zog gestern im „VN-Gespräch“ Mag. Julius Moosbrugger, Geschäftsführer der Fachgruppe Lebensmittelhandel in der Ländle-Wirtschaftskammer, über die Ergebnisse der in dieser Form (seit 1970 jährlich) nur in Vorarlberg durchgeführten „Strukturerhebung Lebensmitteleinzelhandel“ per Stichtag 1. Jänner 2007. Einige der – durchaus Besorgnis erregenden – Erkenntnisse der Studie im Detail:

  • Seit 1970 schrumpfte die Anzahl der Lebensmittel-Vollsortimentsgeschäfte um 60 Prozent von 578 auf 222 – im Gegenzug explodierte die Lebensmittel-Verkaufsfläche um 150 Prozent auf 106.000 m2 .
  • Allein zwischen 1970 und 1990 hat sich die Zahl der Geschäfte halbiert, die Verkaufsfläche aber verdoppelt. Ab 1990 mussten speziell Anbieter mit bis zu 400 m2 Verkaufsfläche w.o. geben, während die Geschäftstypen bis zu 900 m2 rasant zulegten. „Das Verschwinden der kleinen selbstständigen Kaufleute zu Gunsten größerer, meist filialisierter Standorte ist hier augenscheinlich“, beschreibt Moosbrugger die Abläufe.
  • Betriebstypen mit 400 bis 999 m2 haben allein seit dem Jahr 2000 um 27, jene mit mehr als 1000 m2 gar um 37,5 Prozent zugelegt – allein letztes Jahr wurden hier noch unmittelbar vor der Verschärfung raumplanerischer Auflagen zahlreiche Shopping-Tempel in die Landschaft geknallt. Auch die ungebremste Verlagerung von Verkaufsflächen aus kleinen Ortskernen und Innenstädten in Ballungszentren und an die Stadtränder ist nicht zu übersehen.
  • Die Discounter legten seit dem Jahr 2000 der Anzahl nach um 70, der Verkaufsfläche nach gar um 83 Prozent zu – und drängten Kleine mit bis zu 400 m2 Fläche noch rigoroser ins Out.

Lenkungsmaßnahmen

„Diese Resultate beweisen einmal mehr, dass im Interesse funktionierender Nahversorgung auf gewisse Lenkungsmaßnahmen wohl nicht verzichtet werden kann“, betont Moosbrugger. Und meint damit die Förderungen des Landes für Kleinstrukturen (2006 flossen unter diesem Titel 430.000 Euro), die in die seit 2006 in Kraft befindliche Raumplanungsnovelle gesetzten Hoffnungen (Entschleunigung der Flächenexpansion, Zulassungserschwernisse für Flächen ab 300 m2 ), ferner den Hebel bei Ausnahme- bzw. Öffnungszeitenregelungen (schrankenloser Liberalisierung Einhalt gebieten) sowie die Bewusstseinsbildung beim Konsumenten. „Leider werden die meisten erst dann, Nahversorger die Segel gestrichen hat“, beklagte der Fachgruppen-Geschäftsführer.

“Kannibalismus“

Bleibt abschließend die Frage, ob der sich abzeichnende „Kannibalismus“ (Große schlucken Kleine, die Größten fressen die nicht ganz so Großen) nur über den Preis stattfinden wird – oder aber mit anderen Strategien vielleicht doch noch zu verhindern wäre. Produktqualität, Beratungskompetenz, Flexibilität, ergänzende Dienstleistungen etc. könnten Moosbrugger zufolge sehr wohl jene Assets abgeben, mit denen David sogar gegen Goliath reüssieren kann.

Kein Geschäft

In folgenden Gemeinden ist kein Lebenmittelnahversorger mehr:

  • Dünserberg
  • Fraxern
  • Röns
  • Lorüns
  • Stallehr
  • St. Anton/Montafon
  • Möggers
  • Reuthe
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