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"Nachtgastro" muss warten: "Mit 2,5 m Abstand machen 90 Prozent kein Geschäft"

©Symbolbilder: VOL.AT
Bars und Nachtclubs können vorläufig nicht öffnen. Wie die Ländle-Gastronomen damit umgehen und was sie sich wünschen würden, verraten sie gegenüber VOL.AT.
Gastronomie: Talk zur Öffnung
Neuer Fahrplan für Öffnung

Der nächste Schritt in die Richtung "neue Normalität" steht bevor: Am Dienstag verkündete die Bundesregierung den weiteren Fahrplan für die Öffnungen und Erleichterungen für die Österreicher. Zwar kann die Gastronomie am 15. Mai wieder die Arbeit aufnehmen, die Lokale dürfen allerdings - zum Leidwesen der Nachtgastronomen - nur bis 23 Uhr geöffnet bleiben. Bars, Clubs und Diskotheken werden länger nicht aufsperren können. Noch herrscht Ungewissheit, wann sie ihre Lokale wieder regulär öffnen können. Geht man vom 1. September als Zeitpunkt der Wiederöffnung aus, müsste auch eine Überbrückung sichergestellt werden. In den Lokalen werden die Mitarbeiter Mund-Nasenschutz tragen müssen. Regelungen zu Gruppengrößen und Abstand werden am Dienstag präsentiert, für größere Gruppen soll es aber noch länger nicht möglich sein, gemeinsam einzukehren.

Möglichkeiten schaffen

"Es ist eine ganz harte Zeit für alle Branchen, aber ganz speziell für den Tourismus, für die Gastronomie", erklärt Stefan Köb, Geschäftsführer der Beachbar, des Restaurants Pier69 und des LuSt Café. Es gelte, zu versuchen, Möglichkeiten zu schaffen, um einen gewissen Umsatz zu generieren - etwa durch einen Liefer- oder Zustellservice. Man suche derzeit mit der Wirtschaftskammer auch nach Wegen, um früher aufsperren zu können, so der Obmann-Stellvertreter der Gastronomie-Fachgruppe. "Wir werden uns eben mehr auf den Tag konzentrieren." Am Dienstag, wenn die Regierung den weiteren Fahrplan für den Sommer präsentiere, könne man mit der Planung beginnen und schauen, inwiefern man die Maßnahmen umsetzen könne. "Die Maskenpflicht wäre natürlich schön, wenn man die wegbringt", so Köb. Kellner mit Maske würden komisch anmuten und besonders im Sommer sei das dauernde Tragen von Masken unangenehm. Man arbeite daher daran, andere Lösungen zu finden - etwa Schutzvisiere aus Plexiglas, mit denen man freier atmen und das Gesicht erkennen könne.

Hausverstand bei Umsetzung

Köb hofft darauf, dass die Sozialpartner sich hier entsprechend einbringen und der Krisenstab die Fachexpertise miteinbezieht. "Mit 2,5 Metern Abstand in der Gastronomie werden 90 Prozent der Gastronomen kein Geschäft machen oder es so ausüben können, dass es auch rentabel ist", meint er. Bei der Umsetzung brauche es ein gewisses Maß an Hausverstand. "Hier wird man sehen, was kommt." Betriebe, die sich durch eine Terrasse oder Gartenfläche ausweiten können, würden sich sicher leichter tun, den Sicherheitsabstand umzusetzen. In Bregenz werde es hier ein Brainstorming geben, auch in Zusammenarbeit mit der Stadt. Der Gastronom rät anderen aus der Branche dazu, sich nicht verrückt machen zu lassen und erstmal abzuwarten. Jeder Betrieb brauche eine gewisse Vorlaufzeit. Auch die öffentliche Seite müsse Verantwortung übernehmen, um Möglichkeiten zu schaffen, damit wirklich niemand auf der Strecke bleibe. "Da heißt es jetzt mehr denn je zusammenhalten", gibt Köb zu verstehen. "Wir hoffen natürlich alle, dass es möglichst früh vorbei ist", so der Bregenzer Gastronom. "Man muss aber natürlich auch mittelfristig mit dieser Situation rechnen und vielleicht nicht zu blauäugig sein, dass das im Herbst vorbei ist."

Auch andere Ländle-Gastronomen, die Bars, Diskotheken und Nachtclubs betreiben, haben sich auf VOL.AT-Anfrage in einem schriftlichen Statement zu Wort gemeldet.

Hannes Hagen, Conrad Sohm

Hannes Hagen ist Geschäftsführer des Conrad Sohm. Bild: Dietmar Stiplovsek

"Die gestrige Bekanntgabe hat für uns keine Konsequenz. Veranstaltungen mit mehr als einer Person pro 20 Quadratmeter wurden bereits letzte Woche bis Ende August untersagt. Da würde es auch niemandem nützen, wenn Getränke ausgegeben werden dürfen. Die genauen Regeln für die Gastronomie werden erst noch bekannt gegeben. Wir können uns leider auch kaum vorstellen, dass diese Regeln - insbesondere bzgl. des Abstandes - mit einem Barbetrieb in absehbarer Zeit vereinbar sind."

Mike Erath, Paschanga

"Also grundsätzlich würde man meinen waren das gestern gute Nachrichten für die Gastronomie. Da allerdings nicht differenziert wurde, welche Art von Betrieben unter welchen Auflagen wieder aufsperren dürfen, bringt das im Moment wieder gar nichts! Ein Restaurant hat sicher andere Auflagen zu erfüllen als eine Bar. Und ob diese dann auch wirklich umzusetzen sind bzw. ob sich dies überhaupt rentiert (20m2 Regelung & Co) wird sich erst zeigen, wenn die Politik (hoffentlich endlich nächste Woche) Klartext redet! Außerdem wird es für die Nachtlokale fast unmöglich sein aufzusperren, wenn um 23 Uhr Sperrstunde ist.

Mike mit Geschäftspartner Philipp. Bild: handout/Mike Erath

Grundsätzlich fanden wir das Vorgehen der Regierung bis letzte Woche sicherlich richtig. Sie haben nach Ihrem Wissensstand zeitgerecht und gut gehandelt. Was wir allerdings nicht mehr nachvollziehen können, ist, dass man fünf Wochen nach Shutdown, mit hervorragenden Zahlen, 20 Wochen in die Zukunft entscheidet und weiterhin Veranstaltungen (vergleichbar mit Nachtgastronomie) untersagt! Diese Entscheidungen sollten doch alle 14 Tage getroffen werden (Inkubationszeit 1-14 Tage) wenn man sieht wie sich die Zahlen entwickelt haben!? Es ist leider vieles nicht mehr ganz nachvollziehbar und etwas „schwammig“ im Moment.

Das Ganze ist wirklich existenzbedrohend und mit jedem weiteren Tag der vergeht, rückt eine Wiedereröffnung in weite Ferne. Natürlich wünschen wir uns, auch für unsere Mitarbeiter (die wir bis jetzt alle gehalten haben) dass es bald weitergeht! Wir können nur hoffen, dass die Menschen weiterhin vorsichtig sind und die Zahlen damit so gut bleiben wie sie aktuell sind. Dann wird vielleicht auch die Politik ein wenig einlenken und in gewissen Bereichen etwas früher die Maßnahmen lockern. Für die Veranstaltungen ist dies nach meinem Wissen für den 15. Mai angedacht. Für uns heißt es im Moment leider nur abwarten was der nächste Tag bringt!"

Nik Konstatzky, Sender Club

"Wir sind uns alle einig: Als allererstes geht es um die Gesundheit und das Wohlergehen der Bevölkerung und unserer Kunden. Es sind auch einleuchtende Maßnahmen und Einschränkungen der Regierung. Die Geschäfte öffnen ab 2. Mai, ab 15. Mai Restaurants und Cafés, Bars. Clubs/Diskotheken müssen geschlossen bleiben – und das auf ungewisse Zeit. Aus meiner Sicht wird hier unsere Sparte absolut benachteiligt. Erst bekamen wir einen Seitenhieb mit dem Nichtrauchergesetz, was schon einige Wirte ihre Existenz gekostet hat und jetzt diese massiven Einschränkungen bzw. das wir nicht öffnen dürfen.

Der Sender Club in Lustenau. Bild: VOL.AT/Rauch

Wir zum Beispiel haben einen Totalausfall der Einkünfte, haben alle unsere Mitarbeiter kündigen müssen und überbrücken die Zeit mit Reparaturen und Umbauarbeiten. Auch wir versuchen unsere Fixkosten so weit wie möglich zu reduzieren. Besonders für unsere Mitarbeiter tut es mir sehr leid, da doch einige auf diesen Nebenverdienst bei uns angewiesen waren/sind. Die Öffnung der Nachtgastronomie bis 23 Uhr ist für uns nicht interessant. Unser Club öffnet für normal erst um 22 Uhr. Selbst wenn wir früher öffnen würden, wäre es für uns  keine rentable Variante. So bleiben Betriebe wie wir weiterhin auf der Strecke. Wir würden uns daher konkrete Subvention oder Unterstützung vom Staat wünschen um die Zeit besser überbrücken zu können. Wie schon gesagt: wir versuchen die Zeit mit Umbau arbeiten im Club und Garten zu überbrücken und durchzuhalten. Unsere Gäste dürfen gespannt sein."

(Red.)

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