Nachhaltig in die Eisenbahnzukunft

Der Bahnhof Bludenz feiert sein 150-jähriges Bestehen. Einst hieß es hier: Endstation. Heute ist der Bahnhof eine wichtige Mobilitätsdrehscheibe.

Am 1. Juli wird die Eisenbahn in Vorarlberg 150 Jahre alt. Von Beginn an war auch die Alpenstadt Bludenz an das Vorarlberger Eisenbahnnetz angebunden. Wo heute eine Mobilitätsdrehscheibe zur Weiterfahrt einlädt, war jedoch einst Endstation: Am Bahnhof Bludenz hieß es: „Alle aussteigen“. Ein buntes Jubiläumsprogramm mit vielen Events, Ausstellungen und Nostalgiefahrten erinnert zurück an diese Zeit.

Der erste Zug

„Endlich kam der Zug zur Station Bludenz, wo ein paar Tausend Menschen dem daherbrausenden Dampfrosse entgegen jubelten. Die Bludenzer Musikbande in schöner Adjustierung war hier aufgestellt und spielte lustige Weisen.“ So wird über die Premiere des Eisenbahnbetriebs auf der Strecke Lindau–Bludenz im Jahr 1872 berichtet. Was weitermusste, wie die Post, wurde mit der Pferdepost über den Arlberg befördert. Schon früh hatte der später als wichtigster Vertreter des Eisenbahnbaus in Vorarlberg bezeichnete Unternehmer Carl Ganahl die Bedeutung einer Bahnstrecke durch Vorarlberg erkannt. Mit der Eröffnung der Ludwig-Süd-Nord-Bahn bis Lindau wurde dafür ein wichtiger Grundstein gelegt. Der Bau der ersten Bahnstrecke Vorarlbergs von Lochau nach Bludenz begann 1870. Zwei Jahre später startete der Betrieb mit der Dampflok.

Andere Zeiten

Im Gründungsjahr der Vorarlberger Bahn stand die Bahnreise von Lindau nach Bludenz im Dampfbetrieb noch mit über drei Stunden im Fahrplan. Auch zum Bodensee hinab war die Lokomotive fast drei Stunden unterwegs. Lediglich drei Züge am Tag kamen 1872 aus Lindau in Bludenz an, einer in der Früh, einer am Nachmittag und einer erst in der Nacht. Nach Lindau fuhren nur zwei Züge am Tag, einer vormittags und einer erst am Abend.

Der einstige Endbahnhof auf der Linie Lindau–Bludenz entwickelte sich schon bald zur Mobilitätsdrehscheibe, als die Arlbergbahn und die Montafoner Bahn eröffneten und damit Bludenz mit Restösterreich und dem wirtschaftlich bedeutenden Seitental verbanden. Mit der Eröffnung der Arlbergbahn 1884 wurde Bludenz und Vorarlberg nicht nur ans übrige Österreich angeschlossen, es entstand auch eine neue Verbindung vom Bodensee über den Brenner nach Italien. Mit Eröffnung der Montafonerbahn im Jahr 1905 wurde das Montafon an Bludenz angeschlossen und die Bedeutung des Bahnhofs wuchs nochmals.

Attraktiver Takt

Eine Bahnreise von Bludenz nach Lindau ist heute in rund einer Stunde möglich, selbst die S-Bahn mit allen Haltestationen braucht für die gesamte Strecke nur 25 Minuten länger. Die S-Bahn verkehrt im Halbstundentakt zumindest bis Bregenz, zusätzlich fahren REX-Züge mit kürzerer Fahrzeit und Halt an den wichtigsten Stationen zumeist bis Lindau Insel. Ins Montafon verkehren die Züge nach Schruns längst im bequemen Halbstundentakt.

In Zukunft soll die Bahninfrastruktur in Vorarlberg und ab dem Bahnhof Bludenz weiter ausgebaut werden. Das ist im Mobilitätskonzept Vorarlberg 2019 klar verankert. Angestrebt wird die Verdichtung des REX Bludenz-Bregenz auf Halbstundentakt (heute Stundentakt) mit stündlicher Durchbindungsmöglichkeit Richtung Friedrichshafen. Somit wären, ergänzt durch die S-Bahn, stündlich vier Züge nach Bregenz unterwegs. Im Fernverkehr sind Wien, Zürich, Budapest und Bratislava direkt mit Railjet ab Bludenz erreichbar.

Zukunftsprojekte

Auf der Agenda stehen in engem Austausch mit den ÖBB aktuell noch weitere Vorhaben. Dazu zählt der zweigleisige Ausbau der Osteinfahrt des Bahnhofs Bludenz am Klosterbogen. Hierbei sollen die Einfahrtssituation in den Bahnhof Bludenz verbessert und zugleich Gefahrenstellen für Fußgänger und Radfahrer beseitigt werden. Damit soll eine höhere Fahrplanstabilität und Pünktlichkeit des Fernverkehrs gewährleistet werden. Den betroffenen Anrainern stellen die ÖBB neue Lärmschutzwände in Aussicht.

Ein wichtiges Projekt für die Alpenstadt Bludenz ist die Erweiterung der Abstellanlagen am Bahnhof. „Als Mobilitätsdrehpunkt möchte Bludenz eine entsprechende Infrastruktur für Pendelnde und Besuchende bieten. Dazu zählt auch, dass der Bahnhofsvorplatz genügend Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und Pkws vorweisen kann. Hier müssen wir im Sinne unseres Mission Zero-Gedankens mit den ÖBB weiter in klimaschonende und nachhaltige Zukunftspläne investieren“, erläutert Bürgermeister Simon Tschann.

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