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Nach Übernahme: Holding AG wird liquidiert

Nach der Übernahme des operativen Beschlägegeschäfts von Grass verliert die börsenotierte Grass Holding AG ihre Daseinsberechtigung.

Eine Hauptversammlung (HV) voraussichtlich in den nächsten zwei Monaten soll die Liquidation der Holding-Hülle beschließen. Aus dem Erlös sollen die Grass-Kleinaktionäre abgefunden werden, die 24 Prozent des Grundkapitals in Form von 321.600 Vorzugsaktien halten. „Geplant ist eine Zahlung von maximal 5,80 Euro je Aktie, nach Abzug der Kosten kann es auch weniger sein“, sagte Eigentümervertreter Alfred Grass am Freitag im APA-Gespräch, der die Transaktion auch als Berater begleitet hat.

Freitagmittag notierte die Grass-Aktie an der Wiener Börse mit 6,00 Euro um 1,7 Prozent über dem Schlusskurs vom Donnerstag (5,90 Euro). Nach Übernahme und vollzogener Liquidation erübrigt sich auch eine weitere Notiz im „Standard Market“-Segment der Wiener Börse. Je nach Verlauf der Liquidation sollte der Abschied vom Börsenparkett innerhalb der nächsten 12 Monate erfolgen.

Ebenfalls aus dem Liquidationserlös sollen insgesamt 880.000 Euro für die Bestreitung von jährlich 12,5 Prozent Vorzugsdividende kommen, die den Aktionären drei Jahre lang nicht ausbezahlt wurden. Über die Struktur der Kleinaktionäre ist wenig bekannt, nur soviel: „Sie sind stark gestreut und es sind auch etliche Mitarbeiter darunter“.

Kartellrechtliche Prüfungen für die Übernahme der operativen Grass-Gesellschaften durch Würth werde es jedenfalls für Österreich, Deutschland und wohl auch andere Länder geben. Eine Entscheidung in drei bis vier Monaten gilt als realistisch, Probleme werden dabei nicht erwartet.

Neue Angaben zum Grass-Geschäftsverlauf gab es heute nicht, „Probleme in den USA“ wurden aber neuerlich bestätigt. Im März 2004 wurde das Ergebnis der ersten drei Quartale präsentiert. Das schwache US-Geschäft wurde damals verantwortlich gemacht für ein Umsatzminus von 97,9 auf 88,3 Mio. Euro, während sich der Vorsteuerverlust (EGT) auf minus 3,9 (nach -1,3) Mio. Euro verdreifachte. Der Personalstand wurde in dem Zeitraum weltweit von 937 auf 877 Mitarbeiter zurück gefahren. Schuld am negativen Betriebsergebnis der US-Tochter Grass America seien der schwache Dollar sowie hohe Kosten für Restrukturierungen und eine neue Produktfamilie, hieß es. Grass generiert in den USA fast 50 Prozent seiner Gesamterlöse.

Die Grass-Gruppe ist auf Scharniere, Schubladen- und Auszugssysteme für Küchenmöbel sowie die dazu gehörenden Verarbeitungsmaschinen spezialisiert. Die börsenotierte Grass AG fungiert als Holding für drei Produktionsstätten – Grass GmbH Höchst (Österreich), Grass America in Kernersville und Grass GmbH Verl (Deutschland) – sowie vier Vertriebsstätten in Kanada, Frankreich, Großbritannien und China. Insgesamt ist Grass in mehr als 40 Ländern mit eigenen Niederlassungen oder durch selbstständige Handelsvertreter präsent.

Die deutsche Würth-Gruppe, Künzelsau, konzentriert sich auf den weltweiten Handel mit Befestigungs- und Montagematerial wie Schrauben und -zubehör, Dübel, chemisch-technische Produkte, Möbel- und Baubeschläge, Werkzeuge, Bevorratungs- und Entnahmesysteme. Die Gruppe hat insgesamt 42.000 Mitarbeiter, davon 800 bei den Beschläge-Töchtern Mepla-Alfit und künftig rund 900 von Grass. Mepla-Alfit hat Standorte in Götzis, Reinheim, Salzburg und im tschechischen Krumau. Vertriebsgesellschaften gibt es in Toronto, Lexington (USA), Kapstadt und Schweden.

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