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Nach Tumulten in Dornbirn: "Auch bei uns Gefahr der Eskalation"

Erst durch den Cobra-Einsatz konnte die Lage vor dem Safak Jugend- und Kulturverein beruhigt werden.
Erst durch den Cobra-Einsatz konnte die Lage vor dem Safak Jugend- und Kulturverein beruhigt werden. ©VOL.AT/Ronny Vlach
Die Tumulte vor dem Safak-Verein in Dornbirn vergangenen Sonntag lösten einen Cobra-Einsatz aus. Nahost-Experte Thomas Schmidinger zur brisanten türkisch-kurdischen Situation. W&W hat nachgefragt.

3 Fragen an Politologe und Nah-Ost-Experte Thomas Schmidinger

Könnte sich der langjährige „Kurdenkonflikt“ auch nach Vorarlberg verlagern?

„Sowohl die türkische Regierung mit ihren AKP-nahen Organisationen als auch PKKnahe Organisationen versuchen in den Türkei-stämmigen Communities in europäischen Ländern Politik für ihre Sache zu machen. Damit verlagert sich noch lange kein Konflikt nach Vorarlberg, er wirkt sich aber aus, wie man an den Geschehnissen in Dornbirn sieht. Man kann nicht erwarten, dass die Diaspora-Communities in der Europäischen Union völlig unberührt von der Entwicklung im Herkunftsland bleiben. Anschläge, wie jene in der Türkei, wird es hier vermutlich keine geben. Allerdings wäre es eine Illusion zu glauben, dass der Krieg in den kurdischen Städten der Türkei die kurdischen und türkischen Communities in Vorarlberg nicht betreffen würde.“

schmidinger
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Wie groß ist die Spannung zwischen türkischer und kurdischer Bevölkerung in Vorarlberg? Droht eine Eskalation?

Es gab in der Vergangenheit immer wieder Konflikte, wenn die Auseinandersetzungen in der Herkunftsregion eskaliert sind. Zuletzt im Oktober 2014, am Rande einer Solidaritätsdemonstration für Kobane. Im Moment eskaliert der Krieg in den kurdischen Gebieten der Türkei erneuert und deshalb ist die Gefahr einer Eskalation unter jugendlichen Anhängern türkischer Rechtsextremer und kurdischer Jugendlicher wieder verstärkt gegeben.“

Graue Wölfe gelten als rechtsextrem und nationalistisch. Werden diese immer noch vom Verfassungsschutz beobachtet?

„In den letzten Verfassungsschutzberichten finden sich zwar die PKK und die türkische linksextreme DHKP-C, nicht jedoch die Grauen Wölfe bzw. die verschiedenen Strömungen des türkischen Rechtsextremismus. In Bezug auf Aktivitäten verschiedener politischer Strömungen aus der Türkei scheinen hier lediglich linke Aktivitäten im Fokus zu sein und nicht die Strömungen des türkischen Rechtsextremismus.“

„Wir sind kein radikaler Verein“

Mehmet Susar, Obmann Safak Jugend- und Kulturverein: „Es war keine Massenschlägerei, wie berichtet wurde – das war überdramatisiert.  Aber für uns ein Schock. Etwa fünf Vereinsmitglieder befanden sich vor Ort, als einige Autos vorfuhren und über 40 Leute ausstiegen. Ehrlich gesagt wissen wir nichts über den genauen Hintergrund, aber wir vermuten, dass es mit dem Film ‚Kanli Postal‘ zu tun hat, da wir hier Protest eingelegt haben. Und wir möchten klar betonen, dass der Film nicht das Problem ist – diesen kann sich jeder anschauen – aber die finanziellen Erlöse, die  direkt bzw. indirekt an die PKK fließen. Das Bild, dass wir ‚kurdenfeindlich‘ wären, stimmt nicht. Es heißt überall ‚Türken gegen Kurden‘, aber hier  muss man klar sagen, dass es sich um PKK-Anhänger gehandelt hat. Wir selbst haben einige Kurden im Verein. So wie in den Medien berichtet wurde, wird das komplette Bild verzerrt. Wir respektieren Österreich, Vorarlberg und auch die Türkei. Wir möchten, und hier sind wieder die Medien gefragt, auch nicht vermitteln, dass Kurden ‚böse‘ sind – auf keinen Fall! Die Angreifer haben ganz klar den Konflikt gesucht: Sie waren bewaffnet mit Messern und Steinschleudern, einer hatte sogar eine Feuerwaffe. Aber es hat sich nicht nur ausschließlich um Schweizer gehandelt, auch Vorarlberger waren dabei. Wir glauben, dass dies professionell organisiert wurde. Rassismus hat bei uns im Verein nichts zu suchen. Wir möchten ein friedliches Leben miteinander. Wir benützen zwar den Grauen Wolf als Symbol, werden aber oft als radikale Gruppe dargestellt! Im Verein ist jeder willkommen! Wir möchten keine Probleme in Vorarlberg, denn wir sind froh, dass wir hier leben und arbeiten können.“

Der Vorfall vom Sonntag in Dornbirn

Der vergangene Sonntag begann eigentlich ganz gemütlich: Sonne, angenehme Temperaturen, für die meisten Menschen ein Tag der Freizeit, Entspannung und Familie – nicht aber in der Bildgasse in Dornbirn. Dalibor Stijakovic, Geschäftsführer der Pizzeria La Grotta, war gerade mit Küchenarbeiten beschäftigt, als er kurz vor 17 Uhr extremen Lärm von draußen vernahm. „Einige Autos kamen vorgefahren, es entstand ein Tumult und Geschrei. Die Angreifer sprangen aus ihren Autos und liefen auf den Verein zu. Ich habe dann sofort die Polizei verständigt, denn ich habe mir gedacht, dass sich da etwas zusammenbraut“, erzählt Stijakovic. „Normalerweise holen sich die Leute vom Verein immer Pizza bei mir, mit denen gab es noch nie Probleme“, fügt er hinzu.

Cobra-Einsatz

Laut dem Obmann des Safak vereins, Mehmet Susar, sind einige Autos vorgefahren und über 40 Personen ausgestiegen, bewaffnet mit Messern, Steinschleudern und sogar Handfeuerwaffen. Er vermutet, dass es sich um eine organisierte Gruppe von PKK-Anhängern gehandelt habe. Zu der Zeit des Übergriffs befanden sich nur wenige Vereinsmitglieder vor Ort, da der Rest – auch mit Kindern – ein paar Minuten davor nach Hard gefahren ist. „Ich will mir gar nicht vorstellen was passiert wäre, wenn alle da gewesen wären“, erklärt der Obmann bestürzt. Der Übergriff hatte den Einsatz der Cobra zur Folge, welche die Situation in den Griff bekam.

„Verein vermutlich unter Beobachtung“

Walter Fetz, Polizeikommandant Dornbirn: „Die Angreifer, also die Kurden, kamen hauptsächlich aus der Schweiz. Es gab eine Körperverletzung, doch leider konnten wir den Täter nicht ermitteln – das Opfer kommt aus Dornbirn. Der Verein, versucht sich gut zu stellen und ist sehr bemüht, etwa was das Thema Bildung betrifft. Sie sind eher den Grauen Wölfen zuzuordnen und ich vermute, dass sie unter Beobachtung stehen.“

Wolfssymbol aus der türkischen Mythologie

Graue Wölfe ist die Bezeichnung für Mitglieder der rechtsextremen türkischen Partei der Nationalistischen Bewegung („Milliyetçi Hareket Partisi“, MHP), die 1961 von Alparslan Türke gegründet wurde. Sie wurden in der Vergangenheit des Terrorismus und zahlreicher Gewalttaten bis hin zu Morden bezichtigt. Der Name der Grauen Wölfe ist an die Türkische Mythologie angelehnt.

(WANN & WO)

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