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Nach der Wahl

Ulrich Gabriel
Ulrich Gabriel

Es ist kein Tag wie jeder andere, als sich Gabriel Gabrulowitsch Rasputin auf den Weg macht, um Gsiberg zum letzten Mal zu bereisen. Sein Ziel ist der Gletscher. Er reist über Deutschland ein, nimmt den Zug in Lindau, der in Bregenz hält. Er ist gerührt. Eine Träne fällt zu Boden. Seit er das letzte Mal in Bregenz war, hat alles zugenommen. Die Parkplätze, die Lokale in den Straßen, der Verkehr, die Radfahrer, die Fußgänger. Sogar die BregenzInnen scheinen zugenommen zu haben. Joggen und Treten ist jetzt die Beschäftigung der arbeitsbefreiten Ausrangierten. Das Stadtbild ist käuflich. Einkäuflich. Erschien ihm Bregenz in der Erinnerung als schmuckes Städtchen, so zeigt es sich jetzt als schmocke Stadt. Wieder verlässt ihn eine Träne und vereist. Unmengen Seebrünzler rennen schon am frühen Morgen ungeordnet in der Stadt herum und bringen Etwas irgendwohin und sei es nur ihren Körper auf die Pipeline. Ein Reisender ist heute kein Fremder mehr. Daran hat nicht nur MacDonald‘s großes Verdienst, sondern auch Benetton, Banken, Bankomaten u.a. Protzer. Man fühlt sich gleich so schlecht wie Zuhause. Jede aktuelle Klischeestadt weist mindestens ein renoviertes Prospektschloss auf, zwei bis drei farbbeleuchtete Türme, eine glasierte Burg, eine römische Ausgrabung, ein Kriegerdenkmal und ein Nazimahnmal zur Erhaltung des schlechten Gewissens, damit alle NIE VERGESSEN, dass sie alle Mörder sind und leben, und die Opfer tot sind und nicht mehr leben.

Bettelfrei ist Gsiberg. Jetzt dürfen nur noch solche herumstehen, die eine Marie in der Hand haben, weil sie keine Marie in der Tasche haben und ihnen Arbeiten verboten wurde, damit sie arm bleiben und möglichst rasch wieder verschwinden. Gabriel Gabrulowitsch Rasputin ist trauerig. Der Gletscher sieht es und lässt seine trauerigen Tränen vereisen. Eine Eisspur zieht sich durch das Land. Immer mehr rutschen aus.

Die Kunscht tritt auf. Schick & designt. Der Kunschtbeamte schubbst sie ins Kunschthaus. Dort wird sie am Abend vom Kunschtdirektor vernissaschiert. Geldsäcke schlittschuhen dazu. Die Schlösser der Städte sind die Banken. Transparenz vortäuschend okkupieren sie die Stadtzentren, locken am Tag jedermann und mutieren in der Nacht zu neonbeleuchteten Todesportalen des Gogogottes. Neben ihnen lungern Versicherungen, die Lumpen. Kennt hier wer die rabenschwarze Nacht? Verstromt und verleuchtet hängt Brigantium in seiner Geschichte herum, findet sich nicht mehr zurecht und verkauft sich. Nur wer verkauft, lebt. Die Stadt ist Edelprostituierte, die Gemeinden rundum verkommen zu Landhuren. Was kosts? Gsiberg erstarrt zur Geldmacherin, zu der lakonisch Kirchenglocken bimmeln. Das Eis wächst Richtung Gletscher.

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