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Nach Anschlägen in Dänemark: Zwei Festnahmen nach Razzia

Eine Frau legt Blumen vor der Synagoge nieder, in der ein Wachmann erschossen wurde.
Eine Frau legt Blumen vor der Synagoge nieder, in der ein Wachmann erschossen wurde. ©EPA
Kopenhagen: 13 Stunden des Terrors in Kopenhagen: Ein Attentäter erschießt einen Filmemacher und einen jüdischen Wachmann. Eine Nacht der Angst endet mit dem Tod des Mannes. - Bei einer Razzia nehmen die Ermittler Stunden später zwei Menschen fest.
Anteilnahme nach Anschlägen
Terroralarm in Kopenhagen
Polizei erschießt Verdächtigen
Anschläge in Kopenhagen

Rund fünf Wochen nach den islamistischen Attentaten von Paris hat der Terror erneut eine europäische Hauptstadt getroffen. Innerhalb von zehn Stunden erschoss ein Mann in Kopenhagen einen Filmemacher während einer Diskussion über Meinungsfreiheit und einen jüdischen Wachmann vor einer Synagoge.

Zwei Personen bei Razzia festgenommen

Fünf Polizisten wurden verletzt. Eine dramatische Großfahndung endete am frühen Sonntagmorgen mit tödlichen Schüssen der Sicherheitskräfte auf den mutmaßlichen Attentäter im Viertel Nörrebro, als dieser zu seiner Wohnung zurückkehrte.

“Terror in Kopenhagen: Polizei erschießt mutmaßlichen Attentäter”

Am Sonntagnachmittag stürmten zahlreiche schwer bewaffnete Polizisten ein in der Nähe gelegenes Internetcafe. Der Fernsehsender TV2 berichtete vor Ort, zwei Verdächtige seien festgenommen worden. Ein Polizeisprecher sagte dem Radiosender DR, die Razzia sei Teil der Ermittlungen. Die Polizei habe mehrere Wohnungen in dem Viertel durchsucht.

Mögliches Vorbild “Charlie Hebdo”

Die Taten erinnerten an die Anschläge auf die Satirezeitschrift “Charlie Hebdo” in Paris und lösten in vielen Ländern Bestürzung aus. Die Pariser Terrorakte könnten den mutmaßlichen Attentäter laut der dänischen Sicherheitsbehörde PET zu seinen Taten angeleitet haben. Ähnlich wie in Frankreich war er der Polizei zuvor bekannt.

Dänemark lässt sich nicht einschüchtern

Einschüchtern lassen will sich Dänemark nicht. “Es gibt viele Fragen, die die Polizei noch beantworten muss”, sagte Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt. “Aber es gibt eine Antwort, die wir heute schon geben können. Und die lautet, dass wir unsere Demokratie verteidigen werden.” Dänemarks Königin Margrethe beschwor die Dänen, nach den Terroranschlägen zusammenzuhalten.

Anschlag auf Café in Kopenhagen

Die dramatischen Stunden von Kopenhagen begannen am Samstag um 15.33 Uhr. Der junge Mann beschoss mit einer automatischen Waffe von außen das Kulturcafé, in dem eine Veranstaltung zum Thema “Kunst, Gotteslästerung und Freie Rede” stattfand. Der 55-jährige Filmregisseur Finn Nørgaard wurde getötet, drei Polizisten wurden verletzt.

Der Angriff galt vermutlich dem schwedischen Zeichner Lars Vilks. Islamisten kritisieren ihn seit Jahren wegen seiner Mohammed-Karikaturen. Er war bereits mehrfach Ziel von Anschlägen. Vilks blieb unverletzt. Er hatte sich mit einer Organisatorin der Diskussion in einem Kühlraum versteckt.

Anschlag auf eine Synagoge

Sofort setzte eine Großfahndung ein. Der Attentäter flüchtete laut Polizei zunächst in einem dunklen VW Polo und dann per Taxi. Er ließ sich in seine nicht weit entfernte Wohnung fahren. Etwa zehn Stunden nach dem ersten Anschlag versuchte wahrscheinlich derselbe Täter nach Mitternacht in eine Synagoge einzudringen.

Er eröffnete das Feuer und traf einen Mann tödlich in den Kopf – laut jüdischer Gemeinde einen 37 Jahre alten freiwilligen Wachmann. Zwei Polizisten wurden verletzt. Zu einer Feier – der Bat Mizwa – waren in dem Gebäude rund 80 Menschen versammelt.

Inzwischen hatte die Polizei ihren Angaben zufolge Stellung vor der Wohnung des Mannes nahe des Bahnhofs Nørrebro bezogen. Kurz vor 5.00 Uhr kehrte der mutmaßliche Täter zurück. Die Sicherheitskräfte riefen ihm zu. Er eröffnete sofort das Feuer. Die Beamten schossen zurück und trafen den mutmaßlichen Terroristen tödlich.

Behörden gehen  von Einzeltäter aus

Die Identität des Mannes wollten die Ermittler zunächst nicht preisgeben. Aus dänischen Polizeikreisen wurde bekannt, er sei der Polizei “bekannt” gewesen.

“Er kommt aus Kopenhagen, das ist alles, was wir sagen können”, sagte dagegen Jens Madsen, Chef des Geheimdienstes PET. Es gebe keine Hinweise auf Komplizen oder einen Aufenthalt des Mannes als Dschihadist in Syrien oder im Irak. Allerdings gehe man davon aus, dass er vom Attentat in Paris inspiriert worden sein könnte.

Gefahndet hatte die Polizei nach einem etwa 25 bis 30 Jahre alten Mann arabischen Aussehens. Noch am Sonntagnachmittag liefen die Ermittlungen in Kopenhagen auf Hochtouren.

In der dänischen Hauptstadt herrschte zeitweise Panik und Chaos. Das Geschehen spielte sich in der Innenstadt ab. Die Lage war über Stunden völlig unklar. Auch die deutsche Bundespolizei war im Einsatz und überwachte an den deutsch-dänischen Grenzübergängen den Verkehr.

Karnevalsumzug wegen “akuter Terrorgefahr” abgesagt

Kurzfristig wurde der Karnevalsumzug im deutschen Braunschweig wegen eines Hinweises auf eine konkrete Gefährdung durch einen Anschlag abgesagt. Am Sonntag waren hier bis zu 250 000 Besucher erwartet worden. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) warnte: “Die Gefährdungslage in Deutschland ist unverändert hoch.” Vor der Absage des Umzugs am Vormittag hatte es noch geheißen “hoch, aber abstrakt”.

Karnevalsumzug in Braunschweig wegen Terrorgefahr abgesagt

Beileidsbekundungen aus Europa

Österreichs Bundeskanzler Faymann verurteilte das Attentat auf das Schärfste. “Die Freiheit der Meinung, der Medien und der Kunst in Form und Ausdruck zählt zu den wichtigsten Errungenschaften unserer Gesellschaft. Wir werden diese mit aller Kraft verteidigen”, betonte er.

Angela Merkel sprach den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus. EU-Ratspräsident Donald Tusk sagte: “Unsere Entschlossenheit, alle Arten von Extremismus und Terrorismus zu bekämpfen, wird durch solche Angriffe nur gestärkt.”

Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve eilte nach Kopenhagen und legte an dem ersten Anschlagsort Blumen nieder – gemeinsam mit der dänischen Justizministerin Mette Frederiksen und dem französischen Botschafter François Zimeray. Zimeray hatte den Anschlag auf das Kulturcafé belebt. Die Stadt Kopenhagen will am Montagabend der Opfer vom Wochenende gedenken.

Netanjahu fordert Juden zur Auswanderung auf

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu forderte die Juden in Europa zur Auswanderung in den jüdischen Staat auf: “Juden wurden auf europäischem Boden ermordet, nur weil sie Juden waren.” Der britische Premierminister David Cameron zeigte sich betroffen. Die USA boten Dänemark ihre Hilfe an. (red/APA/dpa)

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