"Nabucco" macht 2022 St. Margarethen zur Fantasiewelt

Leading Team setzt im Steinbruch auf Metaphern
Leading Team setzt im Steinbruch auf Metaphern ©APA/OperimSteinbruch
Auf Puccini folgt Verdi: Nachdem heuer - hocherfolgreich, wie der künstlerische Direktor Daniel Serafin am Donnerstag bei einer Pressekonferenz unterstrich - "Turandot" auf dem Spielplan stand, ist im Steinbruch in Sankt Margarethen von 13. Juli bis 14. August 2022 "Nabucco" zu erleben. Regisseur Francisco Negrin verspricht dabei eine "metaphorische Fantasiewelt", in der der Steinbruch selbst durch Lichteffekte und Projektionen zum Akteur wird.

Die 1842 an der Mailänder Scala uraufgeführte Oper, die Giuseppe Verdi zum Durchbruch verhalf, verhandelt sowohl das Streben des hebräischen Volkes nach Freiheit aus der babylonischen Gefangenschaft als auch die Selbstüberschätzung des Titelhelden, der auf seinem Weg an die Macht nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Natur unterwirft. Letzteres ist für Negrin und Bühnenbildner Thanassis Demiris ein zentraler Aspekt in der geplanten Umsetzung, wie die beiden bei der Präsentation des Bühnenbilds anhand von Renderings und einem Modell veranschaulichten. Für Serafin ist es ein "babylonisches Wunder auf 7.000 Quadratmetern".

Der Spanier Negrin freut sich über die Gelegenheit, "Theater an einem Ort zu machen, der kein Theater ist", weshalb für ihn von Anfang an klar war, eine Inszenierung zu erschaffen, "die nur dort existieren kann". Die Invasion der Natur durch menschliche Strukturen sei im Steinbruch immanent, die langen Zugangsrampen finden sich auch als Motiv im Bühnenbild, das auch mit zusätzlichen Steinstrukturen aufwartet, in deren Mitte die Babylonier ihren Palast errichten wollen, der sich dem Turmbau zu Babel gleich in den Himmel schrauben soll. Durch Projektionen auf den Steinbruch soll dieser dann gegen Ende der Oper, als sich die Natur ihr Territorium zurückerobert, von virtuellen Pflanzen überwuchert werden. Auch zahlreiche LEDs werden verbaut. Negrin: "Der Steinbruch selbst spricht. Der Stein selbst wird Bluttränen weinen."

Nicht weniger opulent sind die Kostümkreationen von Pepe Corzo, der seine Prototypen in 20 Koffern aus Peru nach Wien gebracht hat. Neben dem vorherrschenden Gold, das sich in riesigen geometrischen Formen auf der Kleidung der Sänger türmt, verarbeite er auch das Motiv der Schlange, wie er erläuterte. Zusätzlich werden auf einer großen Leinwand die stilisierten Gesichter der jeweiligen Herrscher projiziert. Im Handlungsverlauf soll sich die innere Entwicklung der beiden Gruppen auch optisch niederschlagen, bis am Ende das "pure Weiß" vorherrscht, wie Corzo erklärte. "Die Kostüme werden konstant dekonstruiert, bis nur mehr Weiß übrig bleibt."

Die Inszenierung selbst sei weder historisch noch modern angelegt, erläuterte Negrin, sondern man werde eine Fantasiewelt erschaffen. "Das Stück, das Verdi unter Einfluss des italienischen Nationalismus im Kampf gegen die österreichische und französische Herrschaft schrieb, ist universell in Bezug auf Machtergreifung und Unterwerfung." Den Gefangenenchor beschreibt er als "Schrei nach Freiheit".

Apropos Chor: Die Rollen von Nabucco und Abigaille sind unter der musikalischen Leitung von Alvise Caselatti heuer dreifach besetzt, die restlichen Partien zumindest doppelt. Sein Rollendebüt als Nabucco gibt Lucas Meachem, als Zweitbesetzung fungieren Aris Argiris und Leo An. Als "schönen Glücksgriff" bezeichnete Serafin die Besetzung des Zaccaria mit Jongmin Park, als Ismaele steht Jinxu Xiahou auf der Bühne. Die "schwere Rolle der Abigaille" besetzt man mit Evgenia Muraveva, als Zweitbesetzung hat man Ewa Plonka und Astrik Khanamiryan verpflichtet. Mit Amelie Hois als Anna ist auch eine Österreicherin mit an Bord.

Besonders erfreut zeigte sich Serafin über die große Anzahl von Kartenvorbestellungen noch vor der heutigen Präsentation. Nach dem Erfolg der "Turandot" hätten zahlreiche Besucher sogleich für kommendes Jahr gebucht, ohne Details zu kennen. Gerade in Corona-Zeiten zeuge dies von einer großen Hoffnung, dass sich die Lage im kommenden Jahr wieder entspannt haben wird. Esterhazy-Chef Stefan Ottrubay freute sich ebenfalls darüber, "dass wir uns trotz der pandemischen Umstände mit dem kommenden Sommer befassen dürfen". Fantasie haben alle Beteiligten jedenfalls genug.

(S E R V I C E - "Nabucco" von Giuseppe Verdi, Steinbruch St. Margarethen, Premiere am 13. Juli 2022. Infos und Tickets unter )

(APA)

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