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Mutmaßlichen Attentätern von Madrid droht lange Haft

Im Prozess um die Anschläge auf vier Nahverkehrszüge in Madrid vom März 2004 wird am Mittwoch das Urteil erwartet. Den sechs Hauptangeklagten drohen wegen Mordes an 191 Menschen insgesamt 38.000 Jahre Haft.

Insgesamt standen während der viermonatigen Hauptverhandlung 28 Männer vor Gericht. Die meisten Angeklagten stammen aus Marokko, doch waren auch neun Spanier unter ihnen. Hinter der Tat soll die Terrororganisation Al Kaida stehen.

Die zeitgleich gegen vier Vorortzüge im morgendlichen Berufsverkehr gerichteten zehn Bombenexplosionen vom 11. März 2004 haben das südeuropäische Land nachhaltig verändert. Drei Tage nach den Attentaten verlor die bis dahin regierende konservative Volkspartei, die Spanien in den unpopulären Irak-Krieg geführt hatte, die Parlamentswahl. Zuvor hatte sie im Endspurt vor der Abstimmung versucht, die Anschläge die Anschläge der baskischen Separatistenorganisation ETA in die Schuhe schieben.

Auch im Zusammenhang mit der Hauptverhandlung wurde vor allem in konservativen Medien immer wieder die These kolportiert, die ETA könnte die Anschläge verübt haben. Einer der Anwälte argumentierte gar, die Baskengruppe sei in die Anschläge gegen das New Yorker World Trade Center am 11. September 2001 verwickelt gewesen.

Alle Beschuldigten, darunter auch die mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge von Madrid, wiesen die Anklagevorwürfe zurück. „Er hat ein reines Gewissen, weil er unschuldig ist“, sagte der Verteidiger eines der Hauptangeklagten. Sein als „der Ägypter“ bekannter Mandant Rabei Osman al-Sajed verurteilte vor Gericht die Anschläge. Dass er die Attentäter in einem abgehörten Telefonat als Freunde bezeichnet habe, sei ein Missverständnis gewesen.

Nach Einschätzung des Terrorismus-Experten Fernando Reinares vom Real-Elcano-Institut hat der Prozess deutlich gemacht, dass die Anschläge auch ohne den spanischen Irak-Einsatz verübt worden wären. „Der Irak-Krieg hat die Anschläge begünstigt, sie wurden aber schon früher geplant.“ Dem spanischen Geheimdienst, der einige der Angeklagten monatelang observiert hatte, wirft der Experte totales Versagen vor. Aus seiner Sicht ist Spanien nach wie vor im Visier von Al Kaida, obwohl die Sicherheitskräfte jetzt besser auf Anschläge von Islamisten vorbereitet seien.

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