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Mut zu mehr: Das Gründach kann richtiger Garten sein

Das Foto zeigt einen Garten aus der Jahrhundertwende, in dem eine rundum zufriedene Frau einen Obstgarten wässert. So weit, so unspektakulär. Doch der Garten hat etwas Besonderes, auf das sich Bauleute 120 Jahre später rückbesinnen könnten.

Das Foto zeigt einen Garten – in 15 Metern Höhe auf einem Gründerzeithaus in Görlitz. Dachgartenbesitzerin war die Urgroßmutter von Sabine Erber. Die Architektin setzt sich als Expertin für nachhaltiges Bauen im Energieinstitut auch für die Begrünung von Gebäuden ein. Aus persönlichen, aber auch ganz pragmatischen Motiven: „Begrünte Dächer und Fassaden sind einfach schön, machen das Mikroklima in immer heißeren Sommern erträglich, bringen die Natur in den Siedlungsraum zurück und schaffen vor allem auf kleinen Grundstücken zusätzliche Gartenflächen.“

Gründächer können mehr als Sedum und Kräuter. Die Möglichkeiten eines Gründachs enden laut Sabine Erber nicht bei Sedumsprossen und Kräutern: „Schon vor fast 150 Jahren wurden Dächer als Obst- und Gemüse­gärten und zur Erholung genutzt. Mein Vater hat mir erzählt, dass er als Kind die ­Hasen füttern musste – auf dem Dach! Mit der heute viel besseren Technik ist vom Gemüsegarten mit schattenspendendem Obstbaum bis zum kleinen Teich alles möglich.“

Voraussetzungen für ein Gründach. Gründachexpertin Katrin Löning fasst die Voraussetzung für die Begrünung eines Daches zusammen: Es muss dicht sein – das gilt aber grundsätzlich für alle Dächer. Es muss nicht flach sein, ab 15° Neigung sind jedoch Rutschvorkehrungen notwendig. Und die ­Statik muss die Begrünung erlauben.

Natur auf dem Dach gleich mitplanen. Im Zuge der Sanierung kann ein Gründach gut mitgeplant werden. Bei Zubauten oder Aufstockungen sowieso. Aber auch im Bestand. Das Gespräch mit den Profis aus Dachdeckerei, Spenglerei oder Statik ist Pflicht: Das zusätzliche Gewicht muss bei der Planung berücksichtigt werden, mitunter sind Nachbesserungen an der Dichtigkeit erforderlich. „Für jede Tragfähigkeit gibt es die passende Begrünung“, so Löning und: „Natur auf dem Dach geht sich in so gut wie jedem Fall aus.“

Die Fassadenbegrünung geht noch leichter. Die Fassade eignet sich hervorragend zur Begrünung. So wird sie vor allem im Sommer zur veritablen Klimaanlage. Baulich reicht vielen schönen Kletterern schon die nackte Wand, Rosen zum Beispiel brauchen lediglich einen Draht als Rankhilfe und Obstgehölze teils ein Spalier. Angesichts immer kleinerer Gärten und immer heißerer Sommer macht es doppelt Sinn, auch die Dach- und Wandflächen der Gebäude als Grünflächen zu nutzen.

Infos und Beratung

pulswerk –  Katrin Löning
(0699 15 236107 oder loening@pulswerk.at)
www.buntundartenreich.at

Kombination mit PV-Anlagen: www.energieinstitut.at/gruendach-pv

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