Page 1Page 1 CopyGroupGroupPage 1Combined ShapePage 1Combined ShapePage 1Triangle Page 1 VNVorarlberger Nachrichten Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1 Rectangle 9 Combined ShapeCombined ShapePage 1Page 1Page 1Page 1Page 1AAAAPage 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1

Musiklehrer bleibt in U-Haft

Der Musiklehrer, dem Vergewaltigungen und Übergriffe auf 17 Schülerinnen vorgeworfen werden, bleibt vorerst weiter in Untersuchungshaft.

Der Musiklehrer, dem 17 Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe auf seine Schüler vorgeworfen werden, bleibt vorerst in U-Haft. Das ergab eine Haftprüfung Donnerstag Abend. Der 42-Jährige in Bregenz lebende Ungar hat die Sittlichkeitsdelikte bereits teilweise gestanden. Rund um den Fall ist eine rege Diskussion um die Anzeigepflicht entbrannt.

„Gleich nach der medialen Berichterstattung über den Fall haben sich zwei weitere Frauen gemeldet“, so Werner Juen, stellvertretender Kommandant der Kriminalabteilung Bregenz. Die beiden Frauen, 22 und 24 Jahre alt, gaben an, von dem inzwischen in U-Haft sitzenden Klavierlehrer ebenfalls sexuell missbraucht worden zu sein. Vor Jahren. Die beiden Opfer wurden am Donnerstagabend von den Ermittlern der Gruppe Sexualdelikte einvernommen.

Wie aus Ermittlungskreisen zu hören war, ist der 42-jährige gebürtige Ungar größtenteils geständig. Auch zum Tatbestand der Vergewaltigung. „Das Problem ist, dass die Taten zum Teil bis zu zehn Jahren zurück liegen. Der Mann kann sich an einzelne Taten gar nicht mehr erinnern“, so ein Ermittler.

Dass der ganze „Rattenschwanz“ an Sexualvergehen und -verbrechen überhaupt noch strafrechtlich verfolgt werden kann, liegt daran, dass der Verdächtige offenbar immer wieder Kinder sexuell missbrauchte. Es handelt sich also – sollte er schuldig gesprochen werden – um einen Serientäter. Juen: „Die verschiedenen Delikte haben natürlich verschiedene Verjährungszeiten. Aber sie können als Serie angesehen werden, wenn sie auf der gleichen schädlichen Neigung beruhen.“

Als unbefriedigend bezeichnet der Vize-Chef der Kripo die derzeitigen Vorschriften, wem und wie solche Verdachtsfälle gemeldet werden müssen. Eine rasche Aufklärung sei auch im Sinne des Opferschutzes. „Denn wenn ein Fall gut recherchiert werden kann, ist es oft gar nicht erforderlich, dass das Opfer vor Gericht aussagen muss.“

Der Direktor des Gymnasiums Schoren, Norbert Häfele, betont, dass in den letzten sechs Jahren keine Übergriffe stattgefunden hätten. “Im Jahr 1997 ist ein Vorfall bekannt geworden, daraufhin wurde dem Mann von der Stadt gekündigt, und ich habe ihn verwarnt.” Bis dahin habe es im Unterricht am Schorengymnasium keine Übergriffe gegeben und nachher auch nicht. “Es stimmt also nicht, dass man seinem Treiben gewusst und nichts unternommen hat.” Soweit er informiert sei, liege die Vergewaltigung weit länger als zehn Jahre zurück.


Chronologie

Ein E-Mail an die Kriminalpolizei brachte im Jänner dieses Jahres den aufsehenerregenden Fall ins Rollen. In diesem Mail hieß es unter anderem: „Der Musikschullehrer X hat vor mehreren Jahren ein 12-jähriges Mädchen vergewaltigt. Dieses Mädchen leidet noch heute an den Folgen dieser Tat.“

Die Kriminalpolizei nahm das E-Mail ernst und begann zu ermitteln. Im Zuge der Ermittlungen forschten die Beamten zunächst die Urheberin des EMails aus. Diese konnte weitere Namen angeben. Und so ergab eins das andere. So forschte man ein Opfer ums andere aus. Schließlich machte die Kripo Ende Juli jenes Mädchen ausfindig, von dem im E-Mail die Rede war. Das Mädchen war inzwischen zu einer Frau herangereift. Sie belastete den aus Ungarn stammenden Musikschullehrer schwer und bestätigte den Beamten, dass sie vor Jahre von ihm vergewaltigt worden war. Nun schlug die Kriminalpolizei zu. Der Lehrer, der seit 1988 im Gymnasium Schoren in Dornbirn Musik unterrichtet und jahrelang auch an der Musikschule Dornbirn tätig war, wurde stundenlang verhört. Am vergangenen Montag schließlich wurde er verhaftet und in die Justizanstalt Feldkirch eingeliefert.

Der dreifache Familienvater aus Bregenz muss sich jetzt vor Gericht verantworten. Ihm wird schwerer sexueller Missbrauch von Unmündigen und Minderjährigen vorgeworfen. So soll sich der Musiklehrer von 1988 bis 2001 an mindestens 15 seiner Schülerinnen im Alter zwischen 8 und 21 Jahren vergangen haben. Die Beschuldigungen reichen von Begrapschen bis hin zur Vergewaltigung. Die sexuellen Übergriffe fanden im Unterricht statt. Eine Schülerin soll er abseits der Schule vergewaltigt haben.

Laut Reinhard Flatz, Pressesprecher des Landesgerichts, hat der Musikschullehrer „alle Fälle im wesentlichen gestanden“. Dem Lehrer drohen bis zu zehn Jahre Haft. Dass ein Lehrer jahrelang ungestört Schülerinnen missbrauchen konnte, erklärt man sich bei der Kripo so: „Die Opfer haben alle geschwiegen – aus Schamgefühl oder aus Angst, dass man ihnen nicht glaubt.“ Die Kripo geht davon aus, dass es noch mehr Opfer gibt.


„Wir haben ihn im Auge gehabt“


Ein erster Verdacht tauchte bereits im Jahr 1997 in der Musikschule Dornbirn auf, wo der beschuldigte Musiklehrer Klavier- und Orgelunterricht gegeben hat. „Bei einer Orchesterprobe habe ich zufällig erfahren, dass ein Mädchen sich vom Unterricht abgemeldet hat, weil sie sich belästigt gefühlt hat“, sagt Musikschuldirektor Guntram Simma. Auf diesen ersten Verdachtsmoment hin habe er sofort schriftlich der Schulbehörde – in diesem Fall die Stadt – Bericht erstattet und das Dornbirner Schorengymnasium informiert. Auch dort war der Lehrer zur selben Zeit beschäftigt und unterrichtete die Klasse der betroffenen Schülerin in Musik.

Nachdem das Mädchen schließlich doch bereit gewesen wäre, mit ihm, Simma, über die Vorfälle zu sprechen, habe er dem Lehrer nahegelegt zu kündigen. Daraufhin verließ der Lehrer die Musikschule.
Vom Direktor des Dornbirner Schorengymnasiums, wo der Verdächtige die letzten 15 Jahre lang tätig war, wird bestätigt, dass man vom Verdacht gegen den Lehrer vor sechs Jahren gewusst hat.


„Wir sind von der Musikschule informiert worden. Von dem Opfer hatten wir davon nichts erfahren“, so Norbert Häfele. Daraufhin hätten Gespräche mit dem Lehrer stattgefunden und er, Häfele, habe eine Verwarnung ausgesprochen.


Eine Anzeige bei der Gendarmerie gab es nicht. „Denn die betroffene Schülerin wollte zum damaligen Zeitpunkt nicht aussagen“, so die einstimmige Begründung der beiden Direktoren, warum eine Anzeige unterlassen wurde.

„Aber natürlich haben wir ihn von da an im Auge gehabt“, so Häfele, der betont: „Soweit wir von der Kripo informiert wurden, liegen die schwerwiegenden Vorfälle schon mehr als 10 Jahre zurück.“ Als er von der Verhaftung erfahren habe, habe er den Lehrer natürlich sofort suspendiert.


Fill 1Created with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Vorarlberg
  • Musiklehrer bleibt in U-Haft
  • Kommentare
    Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.