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Musik, die über die Zeit hinausreicht

Für den Dirigenten ist „Nero“ ein echtes Abenteuer.
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Obwohl die Oper „Nero“ einen gigantischen Aufwand bedingt, gibt der deutsche Dirigent Dirk Kaftan dem selten gespielten Werk eine große Chance, doch wieder öfter auf die Spielpläne zu kommen. Ihn selbst hat das Experimentelle des Werks gepackt, die Tatsache, dass Arrigo Boito mit dem Werk auch auf die Zeitenwende mit dem Ersten Weltkrieg reagiert. „Die Musik erzählt ähnlich wie unterschiedliche Kraftzentren, die unterschiedlichen Welten, in die dieser Nero geworfen wird, und die er in sich trägt.“ Da gibt es, so Kaftan, das frühe Christentum, das durch eine Musik beschrieben wird, die sehr tonal ist, bei der man denkt, dass das das typisch Italienische daran ist.  Dann gäbe es die Musik, die für das Böse steht, die durch sehr chromatische atonale Momente gekennzeichnet ist. „Diese Musik reicht über die damalige Zeit hinaus, das ist Musik, die einen regelrecht zerreißt.“ In plötzlich abbrechenden Kantilenen erkennt Kaftan das Sinnbildliche für den Charakter Neros.  „Der Hörer wird vor die Aufgabe gestellt, sich auf das Abenteuer einzulassen, einen Opernabend zu erleben, an dem man ähnlich wie in einem Mosaik verschiedene Bilder vorgesetzt bekommt, die sich hinterher zusammensetzen.“

Einordnen ließe sich „Nero“ als Werk des Fin de Siècle, ein Werk des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die Oper überschreite aber auf jeden Fall Grenzen, hebe sich ab vom italienischen Stil, aber man könne nicht sagen, dass es der italienische Wagner ist. „Aber sie erkennen die Liebe zur Musik von Wagner und dass Boito den ,Lohengrin‘ gut gekannt hat.“

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