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Moskauer Polizei sucht nach Hintermännern

Nach der Bombenexplosion in der Moskauer U-Bahn mit 39 Toten haben die russischen Behörden ihre Suche auf die Hintermänner der Bluttat konzentriert.

“Ohne Zweifel war dieser Terroranschlag sorgfältig geplant“, sagte Bürgermeister Juri Luschkow am Samstag. Ärzte kämpften weiter um das Leben von 21 schwer verletzten Fahrgästen. Insgesamt waren bei der Explosion in einem fahrenden Waggon Freitag Früh mehr als 130 Menschen verletzt worden. Weitere Hinweise auf eine tschetschenische Spur gab es zunächst nicht. Zwei in Moskau festgenommene Verdächtige kamen am Samstag nach kurzem Verhör wieder frei.

Polizeisprecher Kiil Masurin sagte, die beiden Männer ähnelten einem Phantombild, das aufgrund der Aufzeichnung einer Überwachungskamera erstellt worden war. Drei Stunden nach der Festnahme kamen sie wieder auf freien Fuß. Das Videoband aus der U-Bahn-Station zeigte die mutmaßliche Selbstmordattentäterin und einen weiteren Mann vor dem Einsteigen in den Zug im morgendlichen Berufsverkehr. Die Bombe detonierte im zweiten Wagen der Bahn, kurz nachdem der Zug die Station im Südosten Moskaus verlassen hatte.

Die Behörden wollten am Samstag nicht bestätigen, dass der Sprengsatz tatsächlich von einer Selbstmordattentäterin gezündet worden sei. „Wir können noch nichts Endgültiges sagen“, erklärte der stellvertretende Staatsanwalt Wladimir Judin. Es wurde aber auch nicht völlig ausgeschlossen, dass der Sprengsatz aus der Ferne gezündet wurde oder ungewollt beim Transport in der U-Bahn detonierte. Wie auch bei früheren Anschlägen in Moskau gab es keine Bekennerschreiben.

Bürgermeister Luschkow kündigte verschärfte Kontrollen und Überprüfungen von Ausländern an, die sich illegal in Moskau aufhalten. In der Vergangenheit hatten solche Ankündigungen zu teilweise brutalen Razzien in der russischen Hauptstadt geführt. In Moskau leben mehrere hunderttausend Menschen aus dem Kaukasus und Zentralasien, die entsprechende Kontrollen der Polizei fürchten müssen.

Viele Moskauer legten am Samstag Rosen und Nelken auf dem Bahnsteig der Station „Awtosawodskaja“ nieder. Im Tunnel zwischen den Stationen „Awtosawodskaja“ und „Pawelezkaja“ war der Sprengsatz detoniert. Nach vorläufigen Erkenntnissen der Ermittler war die Bombe in einer Aktentasche transportiert und darin gezündet worden. Hunderte von Menschen spendeten in Krankenhäusern Blut für die Verletzten. Im Kreml rief Präsident Wladimir Putin die Führung von Armee, Polizei und Geheimdienst zu einer Krisensitzung zusammen.

Nationalistische Abgeordnete forderte am Samstag ein schärferes Vorgehen gegen mutmaßliche tschetschenische Terroristen. „Der Feind ist hier, im Land“, sagte Dmitri Rogoson. Eine kriminelle ethnische Gruppe schicke Terroristen nach Moskau und zwinge den Behörden ihren Willen auf. Er forderte die Verhängung des Notstands. Der Vorsitzende der ultranationalistischen Liberaldemokratischen Partei, Wladimir Schirinowski, plädierte dafür, alle „verdächtig aussehenden Personen“ aus Moskau zu verweisen.

Papst Johannes Paul II. hat unterdessen seinen „tiefen Schmerz über die tragische Nachricht“ vom Bomben-Attentat auf die Moskauer U-Bahn bekundet. Er beauftragte laut Kathpress-Meldung telegrafisch den Apostolischen Nuntius in Moskau, Erzbischof Antonio Mennini, den Angehörigen der Opfer sein Beileid auszusprechen. Gleichzeitig empfahl er die Seelen der Toten sowie aller Opfer von Gewalt der Barmherzigkeit Gottes. Für alle, die von diesem dramatischen Ereignis betroffen seien, erbat der Papst Gottes Beistand.

In Tschetschenien kam es zu neuen Gefechten zwischen Rebellen und Einheiten der russischen Armee. Dabei seien mindestens drei Freischärler getötet worden, teilte das russische Nordkaukasus-Kommando am Samstag mit. Im Internet dementierten die Rebellen Vorwürfe Putins, wonach der von Russland zur Fahndung ausgeschriebene frühere tschetschenische Präsident Aslan Maschadow hinter dem jüngsten Terroranschlag stehe. Staatschef Putin hatte am Freitag Maschadow für die Tat mitverantwortlich gemacht. Putin betonte aber, seine Regierung werde sich nicht unter Druck setzen lassen: „Russland verhandelt nicht mit Terroristen, es vernichtet sie.“

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