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Müllkippe Pipeline

Bregenz - Wo der Himmel auf das stille Wasser des Bodensees trifft, verläuft eine feine Linie. Ruhig ist es, idyllisch. Sonntägliche Frühmorgen-Stimmung in Bregenz. Wunderschön – solange man das Augenmerk nach draußen legt, auf den Horizont.

Denn was da direkt vor einem liegt, mag man sich nicht so gerne ansehen. Wo bis vor zwei, drei Stunden noch Jugendliche ihre Freiluft-Parties gefeiert haben, liegen jetzt die Zeugen der feuchtfröhlichen Stimmung. Bierdosen hauptsächlich. Plastikflaschen, Grillabfälle, Zigarettenkippen. Fast glaubt man, den Bierdunst an der Pipeline noch schmecken zu können.

Fünf Stunden Arbeit

„Schau, was wir hier für Schätze finden“, grinst Roman Linger und hebt mit seiner ellenlangen Greifzange eine Prosecco-Dose, noch ungeöffnet, aus den Müllbergen. Seit sechs Uhr morgens sind er, Alwin Böni und Gerhard Meusburger am Werk. Vier Stunden haben sie noch vor sich. Vom Lochauer Strandbad bis zum Bregenzer Wocherhafen räumen die Mannen des Bregenzer Bauhofs den Unrat weg – damit die Menschen, die hier in wenigen Stunden zum Baden kommen, keine Müllkippe mehr vorfinden müssen. Zwei volle Wagenladungen sammeln sie an den Wochenenden und an Feiertagen ein – das sind zehn Kubikmeter Müll. Nur ein Bruchteil davon findet sich in den rund 80 Müllkörben und 36 großen Zusatz­kübeln: Das meiste müssen die Männer vom Boden auflesen. Mit Handschuhen, Zangen und Körben bewaffnet. Besonders die großen Zusatzkübel seien so gut wie immer leer, während die Uferpromenade von leeren Bierdosen grün schimmert.

Keine Müll-Manieren

Warum die Leute ihren Abfall nicht entsorgen? „Weil sie dazu den Deckel aufmachen müssten“, zuckt Gerhard Meusburger seine Schultern. „Aber jetzt ist es eh schon wieder besser. Seit einigen Wochen wird das Flaschenverbot wieder kontrolliert“, Roman Linger leert das gesammelte Gut in den Kleinlaster. Kann man denn den Leuten keine Müll-Manieren beibringen, fragt man sich unweigerlich beim Blick auf die bunt beschmutzte Ladefläche. Alwin Böni schüttelt den Kopf: „Das hier wird sich nie ändern.“

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