Mitterlehner: Spitalsträger soll Praxisjahr bezahlen

Medizinstudenten sollen nicht umsonst arbeiten müssen. Das fordert die Hochschülerschaft mittels Petition.
Medizinstudenten sollen nicht umsonst arbeiten müssen. Das fordert die Hochschülerschaft mittels Petition. ©APA
Feldkirch. Als eines der wenigen Bundesländer bezahlt Vorarlberg seine Medizin-Praktikanten. Die HochschülerInnenschaft (ÖH) fordert österreichweit eine Entschädigung von 650 Euro pro Monat - Wissenschaftsminister Mitterlehner sieht die Spitalsträger am Zug.
43 Vorarlberger zugelassen

Wissenschaftsminister Reinhold Mittlerlehner (ÖVP) sieht in der Debatte um eine finanzielle Entschädigung für Medizinstudenten im heuer gestarteten Klinisch-Praktischen Jahr (KPJ) die Krankenanstaltenträger am Zug. “Dann muss derjenige in die Kasse greifen, der die Absolventen haben will”, so Mitterlehner in der “Presse” (Donnerstag-Ausgabe).

Vorarlberg: 579,70 Euro im Monat

Das 48-wöchige KPJ bildet das letzte Studienjahr im Medizinstudium, in diesem haben Studenten eine Anwesenheitspflicht von 35 Wochenstunden im Spital und übernehmen ärztliche Tätigkeiten sowie auch Journaldienste. Sie führen dabei etwa Blutabnahmen durch oder leisten Assistenztätigkeiten im OP. Derzeit ist dafür keine verpflichtende Entschädigung vorgesehen, einige Träger etwa im Burgenland oder Vorarlberg bezahlen aber.

Die HochschülerInnenschaft (ÖH) fordert eine Entschädigung von 650 Euro pro Monat. In Vorarlberg ist das als einem der wenigen Bundesländer kein Thema. Hier erhalten Studenten des klinisch-praktischen Jahrs (KPJ) pro Monat immerhin 579,70 Euro auf ihr Konto überwiesen. Zuletzt hatten Studentenvertreter unter anderem mit Abwanderung ins Ausland gedroht.

Mitterlehner: Länder müssen sich selbst kümmern

Mitterlehner sieht auch nach dem Studium die Länder in der Pflicht, Anreize für Jungmediziner für ein Verbleiben im Land zu schaffen. “Derjenige, der die Mediziner braucht, muss sich auch selbst darum kümmern, Anreize zu schaffen. Für die Umsetzung im Bereich der Gesundheitsversorgung sind die Landesregierungen und die Krankenhausträger zuständig.” Genaue Zahlen über die Abwanderung von Ärzten ins Ausland gibt es nicht – eine Befragung unter Absolventen der heimischen Medizin-Unis ergab lediglich, dass 42 Prozent sich den Wechsel in einen anderen Staat vorstellen können.

Österreich mit hoher Absolventendichte

Laut einer im Vorjahr veröffentlichten OECD-Studie sollte es hierzulande grundsätzlich nicht an Medizin-Absolventen an sich fehlen: Demnach verfügt Österreich OECD-weit über die höchste Absolventendichte: Mit 19,9 Medizin-Absolventen pro 100.000 Einwohnern ist der Abstand zu Dänemark (16,8) und Irland (16,1) bereits hoch. Die Niederlande kommen auf 14,5 Nachwuchs-Mediziner pro 100.000 Einwohnern, Griechenland auf 14,4, Deutschland mit 11,8 auf Platz elf. Der OECD-Schnitt liegt bei 10,6. Über die geringste Absolventendichte verfügen Israel (4,9), Japan und Frankreich (je 6,0).

Quotenregelung seit 2006

In Österreich gilt seit 2006 eine Quotenregelung, laut der an allen Medizin-Unis 75 Prozent der rund 1.500 Medizin-Studienplätze an Kandidaten mit österreichischem Maturazeugnis vergeben werden, 20 Prozent an Bewerber aus der EU und fünf Prozent an Studienwerber aus Drittstaaten. In den vergangenen Jahren schlossen zwischen 1.400 und 1.800 Personen ein Medizinstudium ab.

43 Vorarlberger studieren ab Herbst Medizin

206 Maturantinnen und Maturanten aus Vorarlberg haben im Sommer an den Zulassungstests für die Aufnahme eines Medizinstudiums in Innsbruck und Wien teilgenommen, 43 davon positiv. Gesundheitslandesrat Christian Bernhard zeigt sich mit diesem Ergebnis sehr zufrieden: “Längerfristig können wir die Versorgung der Bevölkerung mit Ärzten nur dann sicherstellen, wenn sich eine entsprechend hohe Zahl an jungen Menschen für diesen Berufsweg entscheidet”. Mehr…

(APA, Red.)

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