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Mit "Schwalbenkönig" zur WM

Es wird gedribbelt und gefoult. Anhand des Themas "Fußball" legt Franzobel in "Schwalbenkönig" den österreichischen Minderwertigkeitskomplex gnadenlos offen.

Das als Auftragswerk in Kooperation von „Bregenzer Frühling“, dietheater Künstlerhaus und Aktionstheater Ensemble entstandene Stück wurde am Donnerstagabend in Bregenz uraufgeführt und ist ab 27. Juni im Künstlerhaus Wien zu sehen.

Im Nonnenkloster herrscht Krisenstimmung. Kein Geld für Sozialprojekte, und ein Dieb stiehlt Madonnenstatuen. Um dem drohenden Bankrott zu entgehen, hat die Oberin während eines Weihrauchrausches die rettende Idee: ein Benefizfußballspiel gegen Real Madrid. Schließlich kennt sie den Star dieses renommierten Fußballklubs von einer wilden Nacht.

Anfängliche Bedenken der Nonnen, dass Fußball Blasphemie ist, werden beiseite geschoben. Ein Team aus Nonnen und Fußballern wird zusammengestellt, der Hausmeister des Konvents zum Trainer bestimmt.

Regisseur Martin Gruber nützt geschickt die räumlichen Möglichkeiten der Werkstattbühne des Festspielhauses und lässt das Stück in einer Arena spielen. Zwei halbrunde Tore und viel weißer Staub deuten das Fußballfeld an. Das „runde Leder“ symbolisieren zwei überdimensionale Ballobjekte des Künstlers Tone Fink, die zuletzt bei der großen Fußballschau „Rundleder Welten“ im Martin Gropius Bau in Berlin zu sehen waren.

Die Handlung ist nebensächlich, das Stück lebt von Franzobels raffinierter Sprachakrobatik. Das Aktionstheater Ensemble – Carl Achleitner, Monica Anna Cammerlander, Rüdiger Hentzschel, Lucy McEvil, Peter Streimelweger, Franz Weichenberger – bietet eine beeindruckende Leistung. Der Komponist Gerald Futscher unterstreicht mit seiner Musik den ironischen Charakter des Stücks.

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