"Mit einem Freund ist‘s leichter"

Die "VN" sprachen mit Touristiker Walter Klaus und fanden heraus, warum er seine Firmen an Werner Netzer überschreibt.

VN:Ist das heute ein schwieriger Tag für Sie gewesen?

Klaus: Es gibt für manche Dinge im Leben keine passenden Worte. Ich bin mit meinen treuen Mitarbeitern durch schöne, aber auch schwere Zeiten gegangen. Ich möchte jetzt einfach die Reserven, die ich noch habe, für eventuell noch kommende Aufgaben aufsparen. Heute ist jener Tag, den ich für richtig erachtet habe, meine Tätigkeit als Unternehmer, die an die 50 Jahre angedauert hat, zu beenden – und ich habe diese Entscheidung sicherlich mit nicht leichtfertig getroffen. Ich musste  sehr viel mit mir selbst kämpfen, um zu dieser Entscheidung zu kommen.

VN:Sie haben reinen Tisch gemacht – und ihr Firmenvermögen ihrem langjährigen Freund und Wegbegleiter Werner Netzer als neuem Alleineigentümer überschrieben. Wie kam‘s dazu?

Klaus: Nun, wir haben das in der Vorwoche miteinander besprochen und dann weitgehend ausdiskutiert. Wir sind jetzt dabei, die Verträge fertig zu stellen.

VN:Welchen Millionenwert hat dieses Geschenk an Werner Netzer?

Klaus: Das ist nicht so einfach auszudrücken, wie man sich das jetzt vorstellt. Ich habe in meinem Leben die Vermögenswerte weitgehend selbst erarbeitet – und bin dadurch in einem ganz anderen Verhältnis zu Geld gestanden,  wie es vielleicht manch anderer Unternehmer ist.

Aber es ist alles viel leichter im Leben, wenn man auf einen Freund zurückgreifen kann oder in einer diffizilen Sache seinen Rat einholen kann. Wir werden auch in der Zukunft mit Sicherheit zusammen versuchen, etwas Vernünftiges zu machen.

VN:Ihr Sohn führt längst ihre Baufirmen in Deutschland. Hier ist eine familiäre Lösung nicht zur Debatte gestanden?

Klaus: Das ist nicht leicht in Worte zu fassen: Ich habe einen Sohn, der wie ich auch das Baufach als Beruf erwählt hat – und der dort auch seinen Weg inzwischen gegangen ist. Ich halte es auch nach Absprache mit meinem Sohn für viel vernünftiger, wenn jemand seinen eigenen Weg gehen kann. Damit hat er leichter Erfolg, als wenn er eine große Bürde trägt.

VN:Sie sind seit ihrem 26. Lebensjahr Unternehmer. Welches war das größte Abenteuer ihres Lebens?

Klaus: Ich glaube das ist eine der wenigen Fragen, wo ich passen muss. Ich wüsste da keine Wertung, die da anzuwenden wäre. Ich bin oft sportlich tätig gewesen und hab‘ sicher beim Sport oder auf der Jagd meine schönen oder weniger schönen Erlebnisse gehabt.

VN:Ich spielte auf die „Sonnenkönigin“ an. Würden Sie heute erneut ein solches Schiff aufzeichnen und bauen lassen?

Klaus: Es ist nicht so, dass ich die Meinung vertrete, dass das Objekt ein Fehlgriff gewesen wäre. Ich würde es genauso wieder machen, sicherlich. Nur glaube ich, dass man sich selbst weiterentwickeln soll. Deshalb würde ich es heute präziser, schöner und effizenter machen. Es wird nie der Fall sein, dass ich alles Maximale ausgeschöpft habe.

VN:Sind Sie bekennender Perfektionist?

Klaus: Ich möchte schon versuchen, das Perfekte, das Beste zustande zu bringen. 

VN:Welche Bedeutung hat das Montafon als gebürtiger Augsburger für Sie?

Klaus: Der Bezug zum Montafon war und ist sehr intensiv. Das Montafon ist ein ganz besonderes Tal, das in vielen Dingen einmalig bleiben wird.  Vor diesem Hintergrund wird die Wertigkeit und meine Beziehung zu den Montafonern im Montafon immer stehen. Es geht immer um die Menschen und um das Tal. Als Einheit. 

VN:Herr Netzer, wie soll’s mit der „Weißen Flotte“ weitergehen?

Netzer: Es ist zweifelslos ein besonderer Tag in meinem Leben. Walter und ich waren uns immer im Klaren: Das Firmenkonsortium wird weitergeführt. Bei der „Weißen Flotte“ sind einige Dinge in Angriff zu nehmen. Es ist nicht einfach, eine wirtschaftliche Tragweite für das Unternehmen herzustellen – aber auch da bin ich für eine chancenreiche Zukunft zuversichtlich.

VN:Da wartet viel Arbeit . . . 

Netzer: Ich werde mich der Herausforderung stellen. Nachdem ich über 10 Jahre im Firmenkonsortium tätig bin, sind mir die meisten Aufgaben vertraut. Es ist mir ein persönliches Bedürfnis, in dieselbe Richtung weiterzumarschieren. Walter und ich sind seit 30 Jahren befreundet. Ich werde die Mitarbeiter- und Unternehmensführung, unterlegt mit einer sozialen Ader,  fortführen.

VN:Herr Klaus, Sie haben heute viel über Freundschaften gesprochen. Was verbindet Sie noch mit Ihrem Kurzzeit-Mitarbeiter  Hubert Gorbach?

Klaus: Herr Gorbach und ich haben  sehr viel Zeit verbracht und sind auch freundschaftlich oft zusammengekommen. In seiner Tätigkeit für mein Unternehmen hat er sich aber weit von dem entfernt, was ich für richtig gehalten hätte.  Einfacher ausgedrückt: Ich mag den Hubert nach wie vor gern, ich schätze viele seiner Eigenschaften, aber er hat sich in eine andere Richtung entwickelt.

VN:Somit fängt heute eigentlich Ihre Pension an. Worauf freuen Sie sich nun konkret?

Klaus: Das weiß ich nicht. Ich kann für mich selbst kein Patentrezept nennen, das mein zukünftiges Leben meistern helfen soll. Es fällt ja eine gewaltige Last ab mit der Abgabe der Verantwortung. Ich bin echt froh – und es ist ohnehin jene Lösung, die ich vom Schicksal aufgezwungen bekomme, ob ich will – oder nicht.  Aber es wird sich Vieles ändern.

Wie Sie heute sehen, bin ich stark und ein Leben lang von meiner Dauerkrankheit gezeichnet. Man wird nicht gefragt, ob das einem Spass macht. Aber es sind jetzt ohnehin andere Fragen, die sich mir auftun.

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