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Mit der Motorsäge ins Zimmer des Bürgermeisters

Götzis - Nach dem Gift-Attentat in Niederösterreich und dem Säureanschlag in Oberösterreich fragte die "NEUE am Sonntag" Bürgermeister in Vorarlberg, wie sicher sie sich in ihrem Job noch fühlen. Umfrage

Zuerst wird dem Spitzer Bürgermeister ein mit Strychnin vergiftetes Mon Cheri an die Windschutzscheibe geheftet – und dann gab es vor wenigen Tagen einen Säureanschlag auf mehrere Politiker in Oberösterreich. Der Landtagsabgeordnete Rudolf Prinz (SPÖ), bis vor zwei Monaten noch Bürgermeister in der 3000-Seelen-Gemeinde Weißkirchen, musste verletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Auf diese Vorfälle haben jetzt auch die Vorarlberger Sicherheitsbehörden reagiert. „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es auch in anderen Bundesländern zu solchen Straftaten kommen könnte“, heißt es in dem Mail, das an alle Bürgermeister versandt worden ist. Die Sicherheitsdirektion ersuche daher, verdächtige Postwurfsendungen (Absender nicht bekannt, Form und Gestaltung der Postsendung verdächtig), zunächst an einem gesicherten Ort abzulegen und die Polizei zu informieren. Die Neue am Sonntag fragte Bürgermeister in Vorarlberg wie gefährlich ihr Job tatsächlich ist. „Die Frustrations-Grenze ist allgemein sinkend“, stellt Mechtild Bawart, Bürgermeisterin in Weiler, fest. Vor allem bei Flächenwidmungen reagieren die Bürger sehr emotional. „Ob ein Grundstück als Bauland oder als landwirtschaftlicher Grund gewidmet wird, macht für den Einzelnen einen großen Unterschied. Da geht es um viel Geld.“ Bedroht worden sei sie deswegen bisher aber noch nicht. Der Bregenzer Bürgermeister Markus Linhart fühlt sich in seinem Job sicher. Es könne aber schon vorkommen, dass ein empörter Stadtbürger ihn mitten Nacht aus dem Bett läutet, um ihm die Meinung zu sagen. „Jede Entscheidung hinterlässt Unzufriedene“, ist sich Linhart bewusst. Von Spitzschen Verhältnissen sei man in Bregenz aber weit entfernt. „Das ist ein Einzelfall. Deswegen schmeiße ich nicht die Flinte ins Korn.“

Ausraster im Büro

Was passieren kann, wenn ein Gemeindebürger rot sieht, hat der Götzner Bürgermeister Werner Huber erst kürzlich am eigenen Leib erfahren. Ein Mann stürmt, mit einer Motorsäge bewaffnet, in sein Büro. Er lässt den Motor kurz aufheulen und knallt die Kettensäge dem Bürgermeister auf den Schreibtisch. „Die bekommt ihr erst wieder, wenn ich eine Entschädigung bekomme“, poltert er. Er schnappt sich die Motorsäge wieder und verlässt das Büro. „Da ist mir ordentlich der ‚Reis‘ gegangen“, erinnert sich Huber. Den Grund für den Ausraster des Götzners erklärt Huber so: „Er hat gesagt, dass er die Motorsäge einem Gemeindearbeiter abgenommen hat, weil der sich nicht gebührlich aufgeführt hätte.“ Inzwischen, so Huber, sei die Motorsäge wieder in Gemeindebesitz.

Töchter sorgen sich

Dornbirns Bürgermeister Wolfgang Rümmele blieb von drastischen Drohattacken wie der in Götzis bisher verschont. „Ich denke nicht ständig daran, dass ich wieder einen Tag ohne Attentat überlebt habe“, betont Rümmele. Seine beiden erwachsenen Töchter machen sich nach den Vorfällen der letzten Wochen viel mehr Sorgen. „Papa, gibst du schon Obacht?“, fragen sie ihn öfters mahnend. Im Gegensatz zu seinem Bürgermeisterbüro geht es im Sozialamt manchmal ruppiger zu. „Vor allem Alkoholisierte reagieren mitunter aggressiv. Da wurden den Mitarbeitern schon Ohrfeigen angedroht.“ Deshalb gebe es eine direkte Schaltung zur Polizei, sagt Rümmele. Auch der Schrunser Bürgermeister Erwin Bahl hat in einem früheren Job mehr emotionale Menschen erlebt als in seiner jetzigen Funktion. „Auf der Bezirkshauptmannschaft fingen gestandene Männer an, wegen eines entzogenen Führerscheins zu weinen“, erzählt er. Die Menschen wollen seiner Meinung nach immer häufiger Entscheidungen nicht akzeptieren. „Aber wir leben in einer Demokratie, da muss man auch mit unliebsamen Beschlüssen umgehen können.“

Nur nicht entmutigen lassen

Josef Moosbrugger, Bürgermeister in Bizau, hofft, dass er bis jetzt alles so regeln konnte, dass alle Beteiligten einigermaßen mit den Entscheidungen leben konnten. „Natürlich empfindet man beim Lesen solcher Nachrichten wie der von Spitz Betroffenheit“, sagt er. „Aber wir kennen die genauen Hintergründe auch noch nicht.“ Deswegen lässt er sich nicht entmutigen. „Unsere gesamte Post kommt immer noch direkt zu mir, und ich werde auch weiterhin alles selbst erledigen.“ Das hält auch sein Bludenzer Kollege, Mandi Katzenmayer, so. „Es ist tragisch, wenn so etwas wie in Weißkirchen passiert, und ich verurteile es auch, aber ich werde deshalb weiterhin meine Briefe selbst lesen.“

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