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Mit dem "Waldviertler" gegen die Wirtschaftskrise

Schwarzach - Wie bei der Großen Depression nach dem "Schwarzen Freitag" 1929 setzen Ortschaften vermehrt auf "Regiowährungen". Über ganz Österreich haben sich lose Tauschkreise gebildet, der größte davon in Vorarlberg.

Das Prinzip: Regionen erzeugen – parallel zur regulären Währung – ihr eigenes “Geld”, das wiederum nur in örtlichen Geschäften ausgegeben werden kann. “Die Kaufkraft bleibt damit nachhaltig in der Region und wandert nicht irgendwo anders hin”, sagte der Betriebsseelsorger und Initiator des “Waldviertlers”, Karl Immervoll, zur APA.

Die Mutter aller Regiowährungen ging als das “Wunder von Wörgl” in die Geschichte ein. Inmitten der weltweiten Krise verhalf ein alternatives Freigeldsystem dem nahezu bankrotten Tiroler Ort in den 1930er Jahren zu einer boomenden Wirtschaft – bis es von der Nationalbank abgedreht wurde. Das Geheimnis des Erfolges war ebenso einfach wie genial. Die selbstgedruckten Schillinge von Wörgl waren mit einem “Negativzins” versehen, das Geld verlor also an Wert, wenn es nicht schnell wieder ausgegeben wurde. “Wer hortete, wurde bestraft”, erklärt Immervoll.

Die aktuelle Wirtschaftskrise macht Regiowährungen für Gemeinden plötzlich wieder interessant. In der Nähe von Graz haben Ortschaften bereits den “Styrrion” eingeführt und über ganz Österreich haben sich lose Tauschkreise gebildet, der größte davon in Vorarlberg. Eines der erfolgreichsten Projekte ist der “Waldviertler”, der 2005 von Immervoll ins Leben gerufen wurde. Heute kann man bereits in knapp 200 Geschäften rund um Heidenreichstein mit dem “Waldviertler” bezahlen, mehrmals im Jahr werden eigene “Regiomärkte” veranstaltet und inzwischen will sogar die heimische Volksbank Oberes Waldviertel in das Projekt einsteigen. “Wir wollen damit die Region gezielt weiter stärken”, so der Betriebsseelsorger.

Die Währung beruht auf einem Gutscheinsystem, da nur die Nationalbanken Geld drucken dürfen. “Um einen Euro bekommt man einen ‘Waldviertler'”, sagt Immervoll. Damit die “Waldviertler” nicht gehortet, sondern in den angeschlossenen Geschäften stets im Umlauf sind, verlieren die Gutscheine nach Wörgler Vorbild nach einem Quartal zwei Prozent ihres Wertes. “Diese zwei Prozent kommen regionalen Hilfsprojekten zu Gute”, meint der Betriebsseelsorger.

Der Vorteil dieses Systems liegt Immervoll zufolge auf der Hand. Wenn das Geld immer zirkuliert, können die Geschäftsleute davon ausgehen, dass jeder “Waldviertler”, den sie woanders ausgeben, wieder zu ihnen zurückkommt – Schnäppchenjagen und Feilschen wird dadurch unnötig. Die Stärkung regionaler Betriebe wie Fleischhauer, Bäcker oder Bauern hat zudem einen weiteren Effekt, der besonders in wirtschaftlich sehr schwierigen Zeiten Gold wert sein kann: Notfalls können sich die angeschlossenen Orte mit Grundnahrungsmitteln und anderen lebensnotwendigen Produkten selbst versorgen.

Regiowährungen funktionieren allerdings nur in Landstrichen mit bis zu 100.000 Einwohnern. Für Wien oder andere Großstädte ist das Konzept kaum anwendbar. “Das würde bestenfalls in Grätzeln funktionieren”, sagt Immervoll. Ein anderer Nachteil: Sparen oder Vorsorgen wird in dem System nicht goutiert, da das Geld im Umlauf gehalten werden muss. “Es gibt aber hier Überlegungen wie man das einbauen kann”, meint der Theologe. In der Schweiz würden etwa die “Wir”-Banken auf einem ähnlichen Prinzip beruhen.

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