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Missbrauch: Im Zweifel Freispruch für Rentner

Der Rentner wurde im Zweifel freigesprochen.
Der Rentner wurde im Zweifel freigesprochen. ©VOL.AT/Rauch/Pixabay
Schöffenrichter des Landesgerichts waren nicht von wiederholten Übergriffen des unbescholtenen 69-Jährigen auf fünf Nachbarskinder im Keller des Wohnblocks überzeugt.

Von Seff Dünser/NEUE

In der Anklageschrift wurde dem 69-jährigen Pensionisten aus dem Bezirk Feldkirch vorgeworfen, er habe zwischen den Jahren 2014 und 2018 im Keller seines Wohnblocks wiederholt fünf Nachbarskindern im Alter von acht bis 15 Jahren über der Kleidung zwischen die Beine gegriffen. Demnach soll er die Kinder mit der Aussicht auf ein Eis in den Keller gelockt oder sie dort überrascht haben. Die Staatsanwaltschaft Feldkirch erhob Anklage wegen sexuellen Missbrauchs von Unmündigen und sexueller Belästigung.

Beim Schöffenprozess am Landesgericht Feldkirch wurde der unbescholtene Angeklagte im Zweifel freigesprochen. Das Urteil des Schöffensenats unter dem Vorsitz von Richter Martin Mitteregger ist nicht rechtskräftig. Der Vorsitzende sagte, der Senat sei weder von der Unschuld noch der Schuld des Angeklagten überzeugt. Im Zweifel sei deswegen zugunsten des Angeklagten zu entscheiden gewesen. Bei den Aussagen der mutmaßlichen Opfer hätten sich Widersprüche ergeben. So habe einer der Zeugen nicht den Angeklagten, sondern einen anderen Mann aus dem Wohnblock als Täter angegeben.

Entsetzte Eltern

Im Gerichtssaal anwesende Eltern der betroffenen Kinder reagierten mit Entsetzen auf den Freispruch. Bei den mutmaßlichen Opfern handelt es sich um drei unmündige Buben im Alter von acht, neun und zehn Jahren und um ein unmündiges Mädchen im Alter von neun Jahren. Das fünfte mutmaßliche Opfer war zu den angegebenen Tatzeiten bereits mündig – bei ihm handelt sich um einen 15-jährigen Burschen. Was ihn betrifft, lautete die Anklage daher auf sexuelle Belästigung und nicht auf sexuellen Missbrauch von Unmündigen.

Der unbescholtene Angeklagte sagte vor Gericht, er sei nicht schuldig. Er habe mehrere Enkelkinder und würde nie tun, was ihm in der Anklageschrift vorgeworfen werde, gab der seit Jahrzehnten in Vorarlberg lebende Bosnier zu Protokoll. Verfahrenshelfer Johannes Schallert beantragte mit Erfolg einen Freispruch. Der Pflichtverteidiger wies darauf hin, dass der Angeklagte zu manchen der behaupteten Tatzeiten in Bosnien gewesen sei und nicht am angeblichen Tatort in Vorarlberg. Dazu wurde der Reisepass des Angeklagten mit Ein- und Ausreisestempeln für Balkanländer vorgelegt.

Der Angeklagte sagte, seine Gattin könne seine Aufenthalte in Bosnien bestätigen. Der Bosnier wollte aber nicht, dass seine Ehefrau als Zeugin aussagt. Sie wusste offenbar nichts vom Prozess.

(Red.)

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