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Minister sind bei Dienstreisen Bahnmuffel

Österreich - Die Nutzung der Bahn für Dienstreisen ist bei Regierungsmitgliedern die Ausnahme. Das ergaben die Beantwortungen einer parlamentarischen Anfrage der Grünen.

Seit der öffentlichkeitswirksamen Zugfahrt zur Regierungsklausur nach Linz hat es lediglich Verkehrsminister Werner Faymann und Sozialminister Erwin Buchinger (beide S) wieder dienstlich auf die Schienen getrieben. Das ergaben die Beantwortungen einer parlamentarischen Anfrageserie zu „klimaschonenden Dienstreisen“ durch die Grüne Abgeordnete Ruperta Lichtenecker.

Drei Bahnfahrten hat zumindest Faymann zu verbuchen, 697 Kilometer hat er insgesamt zurückgelegt. Ob mit oder ohne Regierungsklausur, gab er nicht an. Buchinger kommt auf 824 Kilometer seit Regierungsantritt. Finanzminister Wilhelm Molterer (V) führt die Fahrt zur Regierungsklausur an – seine bisher einzige. Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) kann sogar seit 2002 keine einzige Dienstreise mit der Bahn vermelden. Und Umweltminister Josef Pröll (V) gab sich bei der Beantwortung dieser Frage eher ausweichend: „Es ist (…) Ressortlinie, die für alle Mitarbeiter des Ressorts ebenso wie für mich gilt, die Bahn zu benutzen, wenn es die Terminsituation und das Reiseziel zulassen.“

Nicht nur die Wahl der Transportmittel wollte Lichtenecker eruiert wissen, auch das Warum und nicht zuletzt der CO2-Ausstoß wurde nachgefragt. Bei letzterem taten sich die Minister schwer, lediglich Pröll, Bildungsministerin Claudia Schmied (S) und Bartenstein lieferten ein paar Angaben. Der Rest verwies zumeist darauf, dass eine Erhebung des Schadstoff-Ausstoßes zu aufwendig wäre.

Bei der allgemeinen Frage nach der Wahl der Verkehrsmittel packte fast alle das schlechte Umweltgewissen. „Diese kann leider nicht immer nach rein ökologischen Gesichtspunkten erfolgen“, war zumeist die Antwort. Zumindest kurze Wegstrecken legen alle zu Fuß zurück. Laut Frauenministerin Doris Bures (S) werden darüber aber keine Aufzeichnungen geführt. Außenministerin Ursula Plassnik (V) nahm es bei der Beantwortung dieser Frage sehr genau: „Wegdistanzen bis zu fünf Kilometern lege ich durchschnittlich zu 80 Prozent zu Fuß und zu 20 Prozent – bedingt durch Termindichte und Witterung – mit dem Dienstwagen zurück.“

Verteidigungsminister Norbert Darabos (S) scheint auch bei Dienstreisen derzeit allem Geflügelten zu misstrauen. Flugreisen im Inland sowie ins benachbarte Ausland hat er bis jetzt keine unternommen. Ganz im Gegensatz zu Faymann, er sammelte 2.682 Flugkilometer bei fünf Reisen ins benachbarte Ausland. Ihm folgt Justizministerin Maria Berger (S) mit drei Flügen und 1.634 Kilometer.

Inlandsflüge haben bis jetzt nur drei Regierungsmitglieder genutzt: Plassnik, Berger sowie Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky (V), die auch den Dienstwagen verstärkt nutzt. 6.860 Kilometer verbucht sie seit Amtsantritt. Absoluter Vielfahrer ist allerdings Buchinger mit 10.076 Kilometern.

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