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Mineralölbranche will Polit-Hilfe für alternativen Sprit

Die Mineralölindustrie bekennt sich zu den Klimaschutzzielen Österreichs zur Absenkung der CO2-Emissionen, möchte aber von der Politik eine Unterstützung für die Erzeugung und Verteilung von Wasserstoff und alternativen Flüssigtreibstoffen im Land. "Die E-Mobilität wird kommen, aber nicht so schnell wie das manche wünschen", meinte die neue Fachverbands-Geschäftsführerin Hedwig Doloszeski im APA-Gespräch.

Dass vor kurzem in Österreich erstmals mehr als jedes zehnte neu zugelassene Fahrzeug - inklusive Plug-In - ein Elektroauto war, hält sie noch nicht für einen breiten Trend. Denn vier Fünftel davon seien Firmenanmeldungen wegen der massiven steuerlichen Förderung und der Prämien. Für Wiener etwa, die in Mehrgeschoßbauten ohne Lademöglichkeit im Haus wohnen, sei ein E-Auto dagegen derzeit kaum attraktiv. Auch seien die Stromlade-Kosten nicht so transparent wie die Benzin- und Dieselpreise. Die Kunden müssten wissen, wie viel der Strom koste, wo ein Aufladen möglich sei und wie lang das dauere. "Bei E-Autos muss man einmal so weit kommen", so Doloszeski, die ein "Schönrechnen" von CO2-Emissionen bei Elektroautos im gesamten Lebenszyklus selbst durch die EU-Kommission kritisierte.

Die heimische Mineralölbranche versuche nicht nur für den Verkehr, sondern auch fürs Heizen auf alternative flüssige Kraftstoffe zu setzen, die zum Beispiel mit Hilfe von Strom aus erneuerbaren Energien über Wasserstoff aus Elektrolyse gewonnen werden können, wie dies der Grazer Motorenbauer AVL in Kooperation mit dem Institut für Wärme- und Öltechnik (IWO) in einer Power-to-Liquid-Anlage erforscht.

Diese Anlage soll Wasserstoff in Verbindung mit CO2 in klimafreundliche, synthetische Brenn- und Kraftstoffe umwandeln, die energetische Nutzung wäre anders als bei fossilem Sprit CO2-neutral. Das Wasserstoff-Thema ist freilich ein längerfristiges: "Viele dieser Ideen sind leider noch nicht soweit. Für einen Großeinsatz ist noch viel Forschung und Entwicklung nötig. Die Regierung sollte hier passende Rahmenbedingungen schaffen", wünscht sich die seit September als Geschäftsführerin des Fachverbands der Mineralölindustrie (FVMI) tätige Expertin.

Österreichs Politik sollte dafür sorgen, dass Wasserstoff zur Produktion von Alternativ-Sprit im Inland aus überschüssigem Erneuerbaren-Strom hergestellt werden kann und nicht importiert werden muss, fordert die gelernte Chemikerin: "Solche Anlagen sollten auch in Österreich entwickelt werden können. Wir sollten verhindern, dass diese Produktion in anderen Ländern passiert." Es bräuchte mehr Unterstützung für die heimische Industrie als Vorreiter "und auch einen großen Plan" - bis hin zur Transport- und Speicher-Logistik sowie dem Netzausbau und den behördlichen Genehmigungsverfahren.

Wegen der Coronakrise ist der Spritverbrauch in Österreich in den ersten drei Quartalen laut Doloszeski um rund 15 bis 16 Prozent, also knapp ein Sechstel, unter dem Vorjahresvergleich gelegen. Bei Flugtreibstoff (Jet fuel) habe der Rückgang sogar rund 60 Prozent ausgemacht. Im ersten Halbjahr lag der Verbrauch bei knapp 3,4 Mio. Tonnen, um 20,2 Prozent tiefer. Umgerechnet entsprach das von Jänner bis Juni einem Absatz von 4,1 Mrd. Litern Kraftstoff (davon 3,3 Mrd. l Diesel und 790 Mio. l Benzin). Bei Benzin hatte das Minus bis Juni 23,8 Prozent ausgemacht, bei Diesel 19,4 Prozent. Gut zwei Fünftel des Diesel wurden an Großkunden verkauft, knapp drei Fünftel über das Tankstellennetz. Die Mineralölindustrie habe auch in der Krise immer die Versorgung gewährleistet, obwohl die Situation ungewohnt und schwierig gewesen sei. Geholfen habe in Bezug auf den in der Krise höheren Kunststoffbedarf das Zusammenspiel von OMV und Borealis.

Für jenes Fünftel der heimischen Haushalte, das noch eine Ölheizung verwende - rund 650.000 an der Zahl -, werde man die Versorgung weiter sichern, so Doloszeski, denn eine kurzfristige Umstellung auf andere Heizsysteme sei für viele nicht leistbar und für das Installateursgewerbe auch nicht umsetzbar. Die Umstellung aller Ölheizungen in den Haushalten würde rund 13 bis 15 Mrd. Euro kosten, so die Proponentin des Fachverbands. Die meisten Ölöfen, die von den Menschen laut Umfragen als einfache Heizform geschätzt würden, stammten aus den 1990er Jahren, sie könnten aber leicht 30 Jahre und länger betrieben werden.

Dipl.-Ing. Dr. Hedwig Doloszeski ist seit Anfang September neue Geschäftsführerin im FVMI der Wirtschaftskammer Österreich, als Nachfolgerin von Christoph Capek. An der TU Wien hat sie Technische Chemie studiert und am TU-Institut für Verfahrenstechnik promoviert. Mehrere Jahre war sie dort als Projektassistentin tätig, von 2004 bis 2012 als Referentin für Umwelt- und Klimarecht in den Fachverbänden der Mineral- und der Chemischen Industrie. Ab 2012 bekleidete sie verschiedene Funktionen in der Deutschen Wissenschaftlichen Gesellschaft für Erdöl, Erdgas und Kohle e.V. (DGMK) mit Sitz in Hamburg und war zuletzt Geschäftsführerin.

(APA)

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