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Meyer-Abschied an der Wiener Volksoper mit elf Premieren

Robert Meyer hat seine letzte Spielzeit an der Volksoper vorgestellt.
Robert Meyer hat seine letzte Spielzeit an der Volksoper vorgestellt. ©APA/ROLAND SCHLAGER
Ein Abschied ist immer mit Zahlen verbunden: 135 Premieren werden es sein, auf die Robert Meyer am Ende seiner Direktion an der Wiener Volksoper im Juni 2022 zurückblicken kann. Elf sind es in seiner Abschiedssaison 2021/22, die Meyer am Donnerstag der Presse präsentierte und dabei zufrieden auf die vergangenen 14 Jahre zurückblickte. Angesichts einer durchschnittlichen Auslastung von 82 Prozent könne er sagen: "Mein Wunsch ist in Erfüllung gegangen."

Dieses Ziel habe er sich zu seinem Antritt 2007 gesetzt, und es werde auch bis kommenden Sommer halten. Wobei Meyer nicht vergaß hervorzuheben, dass aufgrund von Corona zuletzt Schließzeiten von dreieinhalb und siebeneinhalb Monaten nötig waren. "Das ist eine komplette Spielzeit. Es war schon eine großer Herausforderung für uns alle." Seit 19. Mai darf wieder gespielt werden, 54 Vorstellungen werden es bis Ende Juni sein. Und dann besteht die große Hoffnung auf eine "normale" Saison ab Herbst.

Diese startet man mit einer Fußballoperette am 11. September: Paul Abrahams "Roxy und ihr Wunderteam" (Regie führt erstmals am Haus Andreas Gergen, am Pult steht Kai Tietje) sei natürlich eine Referenz auf die morgen startende Fußballeuropameisterschaft. Zwei Neuproduktionen gibt es im Musicalsektor: Kurt Weills "Lady in the Dark" (Premiere: 4.12.), das von Matthias Davids inszeniert wird, sowie "La Cage aux Folles" von Jerry Herman (Premiere: 20.3.2022, Regie: Melissa King). In den Hauptrollen sind hier Drew Sarich und Viktor Gernot zu erleben.

Auf nicht weniger als fünf Premieren dürfen sich Opernliebhaber freuen: Von einem neuen "Rosenkavalier", den Josef Ernst Köpplinger in Szene setzen wird (Premiere: 31.10.), über Mussorgskis coronabedingt bereits zweimal verschobenes Werk "Boris Godunow" (Premiere: 15.1.2022), bei dem Peter Konwitschny Regie führt, bis zu "Kleider machen Leute" (Premiere: 27.3.2022) von Alexander Zemlinsky in einer konzertanten Fassung reicht die Auswahl. Ergänzt wird diese von der ebenfalls verschobenen Britten-Oper "Der Tod in Venedig" (Premiere: 14.5.2022, Regie: David McVicar) sowie dem mittlerweile traditionellen Ausflug ins Kasino am Schwarzenbergplatz, wo Tod Machovers "Schoenberg in Hollywood" ab 9. April 2022 als europäische Erstaufführung zu sehen sein wird. Für die Inszenierung zeichnet Helen Malkowsky verantwortlich.

Nicht fehlen dürfen auch die Zusammenarbeiten mit dem Staatsballett. Dessen Direktor Martin Schläpfer freute sich, "zum ersten Mal hier sitzen zu dürfen". Er beginnt am 30. September mit der eigenen Arbeit "Ein Deutsches Requiem", die keineswegs trist sei, "sondern im Gegenteil kraftvoll und sehr auf die Zustände von uns allen bezogen". Am 2. Februar 2022 folgt das Tripel "Begegnungen", bei dem auch Choreografien von Alexei Ratmansky und Andrey Kaydanovskiy zu erleben sind. Den Abschluss bildet als letzte Premiere der Ära Meyer "Kontrapunkte" (ab 4.6.2022) mit Arbeiten von Anne Teresa De Keersmaeker, Merce Cunningham und Hans van Manen. "Mir ist es ein Anliegen, dass Verbindungen und Wege gepflegt werden", betonte Schläpfer den Kontakt zwischen Volks- und Staatsoper, aber auch die Vernetzung in der Stadt generell.

Komplettiert wird das Programm 2021/22 von drei Wiederaufnahmen sowie 18 Repertoirestücken. Auf die Angebote speziell für Kinder und Jugendliche verwies auch der kaufmännische Direktor Christoph Ladstätter. Bei bis dato rund vier Mio. Besuchern in der Direktion Meyer seien 460.000 Kinder- und Schülerkarten verkauft worden, bis zum Sommer nächsten Jahres werde man die halbe Million erreicht haben. "Kinder sind bei uns nicht das Publikum von morgen, sondern von heute", so Ladstätter.

Gleichzeitig verwies er auf die schwierigen vergangenen Monaten, die aber nicht zuletzt aufgrund des "Fallschirmsystems der Republik" gut überstanden wurden. "Wie wiederum das nächste Jahr wird, ist schwierig zu sagen. Aber wir wollen spielen und haben ein intensives und schönes Programm. Wir hoffen auf den Zuspruch des Publikums, aber das wird sich entwickeln müssen." Im Mai, den man bekanntlich nur mit 50-prozentiger Kapazität bestreiten konnte, gab es eine Auslastung von 68 Prozent.

Gefragt nach seinen Vorhaben für die Zukunft, ließ sich Meyer wiederum nicht viel entlocken. "Künstlerische Pläne habe ich noch nicht. Ein paar Kollegen haben mich schon gefragt: Was machst du ab Herbst 2022? Ich werde auf alle Fälle der Bühne nicht abhandenkommen", so der 67-Jährige. Er freue sich aber auch auf eine Zeit, in der er sich einfach ins Auto setzen und nach Triest auf einen Kaffee fahren könne. "Ich muss den Rollen nicht nachhecheln."

Ob Meyer der Volksoper künstlerisch verbunden bleibe, darüber habe er mit seiner designierten Nachfolgerin Lotte de Beer noch nicht gesprochen. "Auf jeden Fall bleibe ich ihr als Zuschauer verbunden." Was die Übergabe betrifft, so gebe es immer wieder Treffen und Gespräche, wenn de Beer in Wien ist. Über kolportierten Unmut im Ensemble aufgrund möglicher Wechsel wollte Meyer jedenfalls kein Wort verlieren: "Ich werde mich sicher nicht in die Personalpolitik von Lotte de Beer einmischen. Das wird ihre neue Direktionszeit sein."

(S E R V I C E - )

(APA)

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