Mexiko: Calderón offiziell Sieger

Mit einer hauchdünnen Mehrheit hat der konservative Regierungskandidat Felipe Calderon nach amtlichen Angaben die Präsidentenwahl in Mexiko gewonnen.

Calderon von der Nationalen Aktionspartei (PAN) des scheidenden Präsidenten Vicente Fox kam auf 35,89 Prozent, wie die nationale Wahlbehörde nach Abschluss der Nachzählung am Donnerstagabend bekannt gab. Der Bewerber der Demokratischen Revolutionspartei (PRD), Andres Manuel Lopez Obrador, erhielt demnach 35,31 Prozent der 41,8 Millionen abgegebenen Stimmen.

Damit entschieden rund 240.000 Stimmen über den Ausgang der Wahl. Calderon bemühte sich denn auch offensichtlich, nicht als triumphierender Wahlsieger aufzutreten. Stattdessen erklärte er vor seinen Anhängern, er wolle sich um eine Aussöhnung der gespaltenen Wählerschaft bemühen. „Ich betrachte es als meine persönliche Pflicht, die Wünsche der Millionen Bürger, die für andere Kandidaten gestimmt haben, als die meinigen zu übernehmen“, sagte der 43-Jährige.

Seinem neun Jahre älteren linksgerichteten Kontrahenten zollte Calderon Respekt. Er teile Lopez Obradors Gerechtigkeitssinn und trete ebenfalls für mehr Gleichheit ein, um Millionen Mexikanern die Chance zur Überwindung der Armut zu geben. „Gebt mir die Chance, euer Vertrauen zu gewinnen“, appellierte er seinerseits an die Anhänger seines politischen Gegners.

„Die Wahl liegt hinter uns. Es ist Zeit für Einheit und Übereinstimmung unter den Mexikanern“, sagte Calderon vor seinen Anhängern. Trotz des versöhnlichen Tones ihres Spitzenkandidaten brachen die Mitglieder der rechtskonservativen Regierungspartei PAN in laute Buh-Rufe aus, als Calderon seinen Kontrahenten erwähnte. Mexikos Mittel- und Oberschicht hält Lopez Obrador für einen Demagogen und eine Gefahr für ihren Lebensstandard.

Calderon hat bereits erklärt, er wolle Lopez Obrador in seine Regierung einbinden. Darüber hinaus gab es Spekulationen, er könnte mit der Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) zusammenarbeiten, die Mexiko bis zum Wahlsieg von Fox vor sechs Jahren 71 Jahre lang regierte. Da es im Kongress keine klaren Mehrheiten gibt, wird der künftige Präsident bei allen anstehenden Entscheidungen auf Bündnisse angewiesen sein.

Lopez Obrador hat angekündigt, er werde das Ergebnis der Wahl vom Sonntag vor Gericht anfechten. Für Samstag rief er seine Gefolgsleute zu einer Kundgebung im Zentrum von Mexiko-Stadt auf. Der frühere Bürgermeister der Hauptstadt ist dafür bekannt, dass er die Massen mobilisieren kann.

Die PRD hat unter Verweis auf Unregelmäßigkeiten statt einer Nachzählung die Überprüfung eines jedes einzelnen Stimmzettels gefordert. Falls Lopez Obrador tatsächlich Klage gegen das Ergebnis einreicht, hat das zuständige Gericht bis zum 31. August Zeit, eine Entscheidung zu fällen. Bis spätestens 6. September muss dann der offizielle Wahlsieger verkündet werden. Dieser tritt am 1. Dezember für eine einmalige sechsjährige Amtszeit die Nachfolge von Fox an.

Die katholische Kirche hat unterdessen zu Ruhe gemahnt. Lopez Obrador müsse seine amtlich bestätigte Niederlage anerkennen, forderte der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Bischof Carlos Aguiar Retes (Texcoco), laut Kathpress in Mexiko-Stadt. Er warnte davor, die Gemüter weiter anzuheizen und „das Land anzuzünden“.

Wahlsieger Calderón „gilt als gläubiger Katholik, der klare Standpunkte vertritt und ein Gegner von Abtreibung, Euthanasie und Homosexualität ist“, schrieb die katholische Nachrichtenagentur kath.net.

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