Methan aus Erdgasabfackelung führt zu hoher CO2-Belastung

Überschüssiges Gas wird verbrannt
Überschüssiges Gas wird verbrannt ©APA/AFP
Überschüssiges Gas wird bei der Gewinnung und Verarbeitung verbrannt. Diese Abfackelung ist aber unvollständig, dabei entweichen erhebliche Mengen Methan, ein besonders schädliches Treibhausgas. Die Internationale Energie Agentur (IEA) hat in ihrem aktuellen Bericht eine neue Schätzung vorgelegt, wie groß das Problem ist. Demnach entweichen acht Prozent des Gases, das abgefackelt werden soll, in die Atmosphäre. Das ist doppelt so viel, wie die IEA bisher angenommen hatte.

Damit gingen 2020 beim Abfackeln mehr CO2-Äquivalente in die Luft als durch die CO2-Emissionen aller Autos in der EU, vergleicht die IEA. Um die Klimaschädlichkeit von verschiedenen Gasen vergleichbar zu machen, werden sie mit der Schädlichkeit von CO2 verglichen ("CO2-Äquivalenz"). CO2 ist das zwar häufigste, aber dafür ein relativ wenig schädliches Treibhausgas. Die IEA geht davon aus, dass über 100 Jahre gerechnet 1 Tonne Methan so umweltschädlich ist wie 30 Tonnen CO2.

Wenn international die Abfackelung - oder absichtliche Freisetzung - von Gasen so gut wie möglich reduziert würde, könnten 15,5 Millionen Tonnen Methan (465 Mio. t CO2-Äquivalente) eingespart werden. Das wäre sogar wirtschaftlich gewinnbringend, schreibt die IEA. Bis zu 75 Prozent des Methanausstoßes in der Erdgas- und Erdölindustrie könnten mit vorhandenen technischen Mitteln verhindert werden. Dafür wären zwar jährliche Investitionen von 13 Mrd. Dollar (11,2 Mrd. Euro) nötig, das wäre aber weniger als der Wert des dadurch aufgefangenen Erdgases, rechnet die IEA in ihrem Bericht vor. Jedenfalls müsse man gegen die Abfackelung und die absichtliche Freisetzung von Gas parallel vorgehen, da es bei einem Verbot der Abfackelung sonst einen Anreiz gäbe, auf die noch umweltschädlicher Freisetzung zu setzen.

Ein weiteres breites Feld zur Verringerung des Methanausstoßes in der Erdölindustrie läge im Aufspüren und Abdichten von Lecks. Würde nur alle drei Monate eine Kontrolle mit modernen Methoden durchgeführt, könnten zwei Drittel der durch Lecks entstehenden Emissionen verhindert werden. Hochgerechnet auf alle Öl- und Gasanlagen könnte der Methanausstoß um 14,5 Millionen Tonnen reduziert werden.

Derzeit bemühen sich sogar die Staaten, die ein Null-Emissions-Ziel anstreben, zu wenig, um den Methan-Ausstoß zu reduzieren, kritisiert die IEA. Im Zusammenhang mit Kohle helfe nur der Ausstieg. Im Zusammenhang mit der Öl- und Gasindustrie gäbe es aber schon bewährte Technologien, um eine massive Reduktion zu erreichen. Auch ein Methan-Preis von 450 Dollar je Tonne, also lediglich 15 Dollar je Tonne CO2-Äquivalent, würde aus Sicht der IEA reichen, damit die Unternehmen fast alle bekannten Reduzierungsmaßnahmen umsetzen. Man könnte aber auch Unternehmens- oder Werkspezifische Reduktionsziele vorgeben.

(APA)

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