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"Memo hat keine Angst"

Innerhalb von nur sechs Monaten haben Unbekannte zum dritten Mal versucht, die große Schaufensterscheibe eines Kebab-Imbisses in Schwarzach zu zertrümmern.

Jener Mann, der sonst freundlichfröhlich hinter dem Tresen steht und Döner Kebab zaubert, zuckt heute bloß traurig mit den Achseln. „Ich weiß nicht, wer mir immer wieder Steine gegen das Fenster wirft. Vor allem aber verstehe ich nicht, warum“, sagt Mehmet Islekoglu, der sich während der vergangenen fünf Jahre als „Memo“ ins Herz der Schwarzacher „gedönert“ hat. „Wenn jemand ein Problem mit mir hat, können wir doch miteinander reden und das sicher friedlich lösen.“ Um halb eins in der Nacht auf gestern hört Memo – er bereitet in der Küche alles für den nächsten Arbeitstag vor – den Krach von Steinen, die gegen Glas fliegen. Er rennt vors Geschäft, doch die Täter haben sich bereits im Auto mit quietschenden Reifen aus dem Staub gemacht. „Ich sah das Fluchtauto noch, doch es war dunkel, ich konnte nichts mehr erkennen“, sagt Mehmet Islekoglu. Die gerade 14 Tage alte Scheibe hat gehalten. Ende August war das anders. Mit Pflastersteinen haben ihm da die feigen Steinewerfer das Schaufenster eingeworfen. Auch hier gab es keine Spur zu den Tätern.

Die Polizei hat in der Nacht die beiden Steine sichergestellt, zur Analyse mitgenommen. Eine heiße Spur gibt es aber nach Auskunft der Polizeiinspektion Wolfurt keine.

Memo ist traurig. Heute lächelt er nur, wenn Kundschaft kommt. „Ich möchte nicht, dass sich die Kunden Sorgen machen“, sagt er. Ihm ist es ganz recht, dass noch niemand weiß, was sich wenige Stunden zuvor abgespielt hat. Die Frage nach dem Motiv quält ihn. An rassistische Motive mag Mehmet, der seit 1993 Österreicher ist, nicht denken. „Ich glaube nicht mal, dass das Inländer waren. Eher könnte ich mir vorstellen, dass es Ausländer sind, die wollen, dass mein Geschäft schließen muss, dass Memo aus Schwarzach verschwindet.“ Seit fast 30 Jahren lebt er in Vorarlberg, ist als Gastarbeiter aus Izmir gekommen. „Die Steinewerfer wollen, dass ich Angst habe. Aber Memo hat keine Angst“, sagt er tapfer.

Noch heute wird ein Videoüberwachungssystem geliefert. „Mit Nachtsicht-Funktion.“ Das hat er Ende August bestellt. Der Vater von sechs Kindern will darauf aber nicht allein vertrauen. „Ich habe eine kleine Digitalkamera und werde ab sofort über Nacht hierbleiben und aufpassen“, sieht er keine andere Möglichkeit. Denn er ist sich sicher: „Die kommen wieder.“

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