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"Mein Papa durfte einfach nicht aufhören zu atmen"

Bernhard wurde für seinen Vater zum Lebensretter.
Bernhard wurde für seinen Vater zum Lebensretter. ©JR; Philipp Steurer
Vor zwei Jahren rettete Bernhard (16) das Leben seines Vaters. Mit W&W lässt er den Tag des Unfalls Revue passieren.

„Ich freute mich auf die Arbeit im Wald. Mein Papa und ich wollten faule Bäume fällen. Ich habe sehr gern zugesehen, wie die Baumstämme auf den gefrorenen Boden aufschlugen. Der Geruch nach Benzin und austretendem Baumharz lag in der Luft“, erinnert sich Bernhard. Es war der dritte Adventssonntag im Jahr 2014, der das Leben des damals 14-Jährigen erschüttern sollte. „Ich war etwa zehn Meter von meinem Vater, der gerade einen Baum fällte, entfernt. Mit dem Rücken zu ihm gekehrt lud ich Holz auf den Traktor auf“, erzählt der Gaschurner. Als der Baum fiel, drehte er sich um – doch da war es schon passiert: Sein Vater wurde unter der schweren Tanne begraben. Ohne zu überlegen stürmte er zur Unglücksstelle.

“Überprüfte, ob er lebt”

„Zuerst überprüfte ich, ob er atmet – ob er überhaupt noch lebt“, erzählt er. Sein Vater, bereits blau angelaufen, war in einer Senke gelandet. Nur deshalb wurde er nicht vom Stamm erdrückt. „Man könnte sagen, das war Glück im Unglück. Bis heute weiß ich nicht woher ich die Kraft nahm. Ich zog ihn aus der Mulde, in der er lag, ohne Anstrengung zu spüren.“

Eine gefühlte Ewigkeit

Nachdem er seinen Vater in die stabile Seitenlage gebracht hatte, begann dieser wieder selbständig zu atmen. Danach versuchte Bernhard die Rettungsleitstelle zu alarmieren: „Nach den ersten Sätzen brach der Kontakt ab. Ich dachte, dass mein Handy den Geist aufgibt und war völlig verzweifelt.“ Nach dem zweiten Anruf befahl man ihm, auf der Forststraße zu bleiben. Sein Vater lag aber etwa 40 Meter entfernt davon. „Ich rannte durchgehend zwischen Papa und der Straße hin und her und stand unter enormem Stress. Es kam mir vor wie eine Ewigkeit, bis die Rettungskräfte eintrafen“, berichtet der heute 16-Jährige.

Schock hielt noch lange an

Seinem Vater geht es mittlerweile gut – durch die bedachte Reaktion seines Sohnes konnte er sich vollständig erholen. Für seine Heldentat bekam der Gaschurner ein Jahr später den Decus-Sonderpreis, der Ersthelfer ehrt. Trotzdem bleibt er bescheiden: „Meiner Meinung nach hat jeder Ersthelfer einen solchen Preis verdient.“ Da auch seine Mutter aufgrund einer Operation im Krankenhaus lag, musste Bernhard gemeinsam mit Verwandten und Betriebshelfern für einige Zeit die Arbeit auf dem Hof der Familie koordinieren. Der Schock hielt aber noch eine Weile an: „Obwohl mich mein Umfeld als Held feierte, begriff ich erst ein halbes Jahr später, dass mein Vater ohne mich nicht mehr am Leben wäre.“

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