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„Mein Leben ist die Arbeit“

"Mein Leben ist die Arbeit", sagt Jugendarbeiter Thomas Kaiser.
"Mein Leben ist die Arbeit", sagt Jugendarbeiter Thomas Kaiser. ©Edith Rhomberg
 Thomas Kaiser blickt in eine Zukunft ohne lästige Bürokratie und Behördengänge.
Tömmy Kaiser

 

Dornbirn. An erster Stelle stehen bei ihm immer die anderen. Das sind besonders seine beiden elf und achtjährigen Mädchen. „Ihre Besuche sind jedes Mal ein Highlight“, bekräftigt Thomas Kaiser den Stellenwert der Kinder, die bei seiner Ex-Partnerin leben. Das inzwischen gute Einvernehmen fördert den Kontakt mit dem Papa. Wichtig für den 44-jährigen Dornbirner sind auch Tiere. Auf der „Kleinen Farm“ in Lauterach – durch ihn ist sie ein Projekt der Offenen Jugendarbeit Dornbirn (OJAD) geworden – schaut er zweimal täglich nach dem Rechten. Die Mini-Hängebauchschweine, Hasen, Enten und Hühner bezeichnet er als „stille Therapeuten“, das Schlüsselerlebnis gab der junge Jamil. Tömmy (auf Thomas höre er so gut wie nicht) beobachtete den Jugendlichen eines Tages, als er mit den niedlichen Hasen sprach und sie streichelte. „Es ist wie früher bei meinem Opa zu Hause in Syrien“, verdeutlichte Jamil die erlebten Glücksmomente. „Tiere können helfen, Brücken zu Menschen zu bauen“, weiß Tömmy auch durch seine Diplomarbeit für die Ausbildung zum Jugendarbeiter in Schloss Hofen.

Berufliche Erfolge

„Mein Leben ist die Arbeit“, sagt er über seine Aufgabe als Jugendarbeiter bei der OJAD seit dem Jahr 2015. Die frühere Tätigkeit als gelernter Fliesenleger und andere Jobs hatte er hinter sich gelassen, die handwerklichen Fähigkeiten kann er allerdings im jetzigen Job sehr gut einsetzen. Durch gemeinsame Projekte im beruflichen Umfeld erfährt er die Wertschätzung von Arbeitgebern und Kollegen, und nicht selten stellen sich dabei tolle Erfolge ein. Die technischen Herausforderungen für die Umsetzung der Gehörlosen-Disco in der OJAD hebt er da besonders hervor. „Unsere Veranstaltungen ‚Spüre die Musik’ haben über die Grenzen Wellen geschlagen“, ist Tömmy Kaiser heute noch stolz. Das wiegt nun vieles von früheren Erfahrungen auf. Denn als „nicht nur schön“ empfindet er im Rückblick das Heranwachsen als ältester von fünf Geschwistern, und auch die Schule habe nicht wesentlich zu einem vertrauensvollen Start ins Leben beigetragen.

So manche Hürde sei noch bewältigen, bis er tatsächlich „angekommen sei“. „Ich möchte ein Zuhause haben, wo ich mich auch mal fallen lassen kann und wo ich mich verstanden fühle“, fasst er das, was ihm fehlt, zusammen. Was ihm derzeit noch nicht erspart bleibt, sind Behördengänge, „eine Rennerei“ formuliert es Kaiser umgangssprachlich. Er möchte endlich „frei von Ämtern sein“, wo er sich einerseits als Bittsteller behandelt fühlt, aber andererseits froh ist, Hilfe in seiner finanziell angespannten Situation zu bekommen. Das Dilemma ist, dass nach Abzug der Alimente das Einkommen kaum Spielraum lässt. Dass die Mutter seiner Mädchen den Schlussstrich unter die Beziehung zog, trieb ihn beinahe in die Verzweiflung. Und dass er seinen 14-jährigen Sohn aus der ersten Beziehung seit längerem nicht mehr sieht, möchte er unbedingt ändern. Ehrenamtlich engagiert er sich für die gute Beziehung von Kindern zu ihren getrennt lebenden Vätern. „Vater sein“ ist das Projekt des Vorarlberger Familienverbundes, bei dem er Bachwanderungen oder das „Bastelfenster“ mitorganisiert.

Dass OJAD-Mitarbeiterin Martina Nachbaur augenzwinkernd anmerkt „Tömmy kennt das ganze Land“, hat einen speziellen Grund. Als Springer innerhalb der Jugendhäuser ist er „von Bregenz bis ins Klostertal“ unterwegs. „Genau 150 Einsätze sind es bis jetzt“, freut er sich. Die Vielfalt, die sein Beruf bietet, bezeichnet er als Bereicherung, das Netzwerken mit Systempartnern als riesigen Erfahrungsschatz.

 

Thomas Kaiser

Geboren: Juli 1977

Wohnhaft: in Dornbirn

Beruf: Dipl. Jugendarbeiter

Hobbys: Fortbildung, Rockabilly, Tätowierungen

Familie: drei Kinder aus zwei Beziehungen

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