Mehrere Tote bei Protesten gegen Militär-Junta im Sudan

Auch nach einem erneuten gewaltsamen Einsatz der Sicherheitskräfte im Sudan gegen Demonstranten sollen die landesweiten Proteste weitergehen. Für Mittwoch riefen die Organisatoren zu landesweiten Kundgebungen gegen den Militärputsch und das drohende Ende der demokratischen Reformen auf. Bei den Protesten am Samstag wurden nach jüngsten Angaben von Ärzten sechs Demonstranten getötet. Am Sonntag nahmen Sicherheitskräfte den Bürochef des arabischen TV-Sehsenders Al-Jazeera fest.

Trotz des massiven Einsatzes von Soldaten, Polizisten und Paramilitärs gingen am Samstag erneut Zehntausende Menschen in mehreren Städten und Teilen des nordostafrikanischen Landes auf die Straßen. In der Hauptstadt Khartum und der angrenzenden Stadt Omdurman versuchten die Sicherheitskräfte, die Demonstranten mit Tränengas und Schüssen auseinanderzutreiben, wie Augenzeugen und ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

Einer pro-demokratischen Ärzteorganisation zufolge setzten sie auch scharfe Munition ein, mindestens fünf Demonstranten wurden demnach erschossen, ein weiterer erstickte an Tränengas. In den Krankenhäusern der Hauptstadt würden zahlreiche Verletzte behandelt, erklärte die Ärztevereinigung. In einem Spital in Omdurman nahmen die Sicherheitskräfte demnach mehrere Verletzte fest.

Vergeblich hatten die UNO und westliche Botschafter die neuen Machthaber im Vorfeld zur Zurückhaltung aufgerufen. In einer ersten Reaktion verurteilte die US-Botschaft dann am Samstag die "exzessive Gewalt".

Die Polizei wies die Berichte, sie habe mit scharfer Munition auf Demonstranten geschossen, zurück. Ihrerseits berichtete sie von 39 schwerverletzten Beamten.

Das Militär hatte am 25. Oktober die Macht im Sudan übernommen, die zivilen Mitglieder der Übergangsregierung wurden festgenommen. Der Anführer der Putschisten, General Abdel Fattah al-Burhan, rief den Ausnahmezustand aus und kündigte die rasche Bildung einer neuen Regierung an. Deren Ernennung lässt jedoch auf sich warten.

Am Donnerstag ernannte Burhan dann einen neuen Souveränitätsrat, dem die Führung des Landes obliegt. Ihm gehören auch einige weitgehend unbekannte Vertreter der Zivilgesellschaft an - aber kein einziger Vertreter des Bündnisses Kräfte für Freiheit und Wandel (FFC), das vor zwei Jahren erfolgreich den Volksaufstand gegen den langjährigen Machthaber Omar al-Bashir organisiert hatte.

An den jüngsten Massenprotesten nahm auch der erst vor einer Woche wieder freigelassene Ex-Informationsminister Hamza Baloul (FFC) teil. In einem in den Online-Netzwerken veröffentlichten Video forderte er die Demonstranten auf, sich dem Druck nicht zu beugen.

Seit dem Putsch kam es immer wieder zu Massenprotesten, die gewaltsam niedergeschlagen wurden. Nach Angaben der Ärzteorganisation wurden dabei insgesamt mindestens 21 Menschen getötet und Hunderte weitere verletzt. Hunderte Aktivisten und Demonstranten wurden nach UNO-Angaben festgenommen, unzählige Journalisten der staatlichen Medien entlassen.

Der sudanesische Büroleiter von Al-Jazeera, Al-Musalmi al-Kabbashi, wurde bei sich zu Hause in Khartum festgenommen. Einen Grund dafür nannten die Sicherheitskräfte dem Sender zufolge zunächst nicht. Seit dem Putsch hatte Al-Jazeera umfassend und live über die Proteste berichtet - gleichzeitig sendete der Sender vergangene Woche ein langes Interview mit Burhan. Das örtliche Büro des in Katar ansässigen Senders war bereits 2003 unter Bashir geschlossen worden. Nach dem Sturz des langjährigen Machthabers ordnete Burhan als damaliger Chef eines Militärrats die erneute Schließung an. Erst im August dieses Jahres durfte das Büro wieder aufmachen.

Die EU-Kommission verurteilte die Gewalt gegen friedliche Demonstranten im Sudan am Sonntagabend scharf. "Wir sind auch äußerst besorgt über die Festnahme von Journalisten", so ein Sprecher in einer Aussendung. "Die EU ruft das Militär auf, auf den Weg des fairen und offenen Dialogs mit den Zivilisten zurückzukehren." Das Militär mache viel von den demokratischen Fortschritten, die unter der zwischenzeitlichen, von Zivilisten geführten Regierung gemacht worden seien, zunichte. "Das wird ernsthafte Konsequenzen für die Unterstützung der Europäischen Union haben", wurde betont.

(APA/AFP)

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