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Mehrerauprozess: Sachverständiger am Wort

Das Kloster Mehrerau muss sich im Dezember dem Gericht stellen
Das Kloster Mehrerau muss sich im Dezember dem Gericht stellen ©VOL.AT/Steurer
Feldkirch - Am Landesgericht Feldkirch wurde am Dienstag der Schadenersatzprozess eines ehemaligen Missbrauchsopfers des Klosters Mehrerau fortgesetzt.
Mehrerau-Prozess geht weiter
Termine für Prozess fixiert

Ausführlich befragt wurde ein Sachverständiger aus dem Fachbereich Psychologie. Dafür wurde Universitätsprofessor Salvatore Giacomuzzi geladen. Die Frage lautete, ab wann das Missbrauchsopfer sich bewusst wurde, das es durch die Übergriffe schweren Schaden genommen hatte. Dies ist für den Beginn der Verjährungsfrist von Bedeutung. Der Kläger behauptet, dass er sich erst 2010 bewusst wurde, was ihm widerfahren war. Die Beklagte bezweifelt dies.

Gutachter bestätigt Opfer

Unabhängig davon, wie dieses Verfahren um 200.000 Euro Schadenersatz enden wird, das heute 58-jährige Opfer hätte die Gutachtenserörterung gefreut. Weil Giacomuzzi bestätigte, dass der Kläger mit „an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ kein Simulant ist und es psychologisch völlig nachvollziehbar ist, dass man sich unter Umständen erst vierzig Jahre nach einem schlimmen Erlebnis bewusst wird, was damals passiert ist. Experten sprechen in diesem Zusammenhang nicht von verdrängen, sondern von „Abspalten“. Ein Mechanismus, der dem Betroffenen in seiner Lage hilft, mit dem Erlebten überhaupt irgendwie fertig zu werden.

Vergleich überlegt

Sanjay Doshi fragte als Klagsvertreter noch einmal nach einer Vergleichsmöglichkeit. Betram Grass, Anwalt der Mehrerau, kündigte an, sich mit den Zuständigen zu besprechen. „Mehr kann ich nicht versprechen“ , so Grass. Derzeit weilt der Abt allerdings noch zehn Tage in Rom. Kommt es zu keinem Vergleich, trifft die Richterin schriftlich bezüglich der Verjährungsfrage eine Entscheidung. Diese kann dann von den Parteien akzeptiert oder bekämpft werden. Zu Ende ist der Rechtsstreit also noch lange nicht.

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