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Mehrerau um 750.000 geprellt

Feldkirch/Bregenz - Ein spektakulärer Betrugs-Prozess wird am Montag am Landesgericht Feldkirch verhandelt. Wie die "VN" am Montag berichten, narrte ein Rentner das Kloster Mehrerau in Bregenz über ein Jahrzehnt und ergaunerte sich ein Vermögen.

Im Mittelpunkt stehen ein betagter Beschuldigter, ein Graf und das Kloster Mehrerau.

Der Angeklagte ist mittlerweile um die 80 Jahre alt. Seit Jahren soll er – alleine und auch mit einem Komplizen – durch Schauermärchen Geld erschlichen haben. Insgesamt soll es sich um zwei Millionen Euro handeln.

Seit ein paar Monaten sitzen der gebürtige Deutsche und sein Komplize aus Liechtenstein in der Justizanstalt Feldkirch in U-Haft. Nachdem ihnen das Kloster Mehrerau eine Falle gestellt hatte – doch zuvor ließ sich das Kloster selbst über ein Jahrzehnt von den dreisten Tätern narren und im wahrsten Sinne des Wortes ausnehmen.

Gutgläubigkeit

Begonnen hat alles 1997. Da stand der angeklagte Deutsche plötzlich vor dem Cellerar (Verwalter des Klostervermögens) und wollte zum Kauf einer Wohnung 3,5 Millionen Schilling. Er gab an, das Geld mit zehn Prozent Zinsen zurückzuzahlen. Ohne große Kontrolle seitens des Klosters und völlig ohne Sicherheit wurde dem Mann das Geld ein paar Tage später schließlich überwiesen. Doch statt die 3,5 Millionen Schilling samt Zinsen zurückzuzahlen, nutzte der Rentner die Gutgläubigkeit der Mönche immer wieder aus.

Fabelgeschichten von lukrativen Geschäften und Erbschaften folgten, doch um an das große Geld zu kommen, brauchte er angeblich immer wieder einen Vorschuss – dutzende Male konnte sich der nun Angeklagte so innerhalb von zwölf Jahren Geld vom Kloster ergaunern. Wobei ihm wenige Wochen vor der Festnahme ein Komplize – den Mönchen offiziell als Geschäftspartner vorgestellt – zur Seite stand und tatkräftig bei den Betrügereien mithalf.

Falle gestellt

Insgesamt wurden den mutmaßlichen Kloster-Gaunern laut „VN”-Recherchen rund 750.000 Euro ausgehändigt. Teilweise überwiesen, teilweise bar auf die Hand – jedenfalls fast immer ohne Sicherheiten und fatalerweise immer im Glauben, damit das bereits hergeliehene Geld wieder zurückzubekommen. Getreu dem Leitspruch von Wettingen-Mehrerau „Non mergor – Ich gehe nicht unter”. Erst dieses Frühjahr hatte der Cellerar die Lügengeschichten satt. Er schaltete einen Anwalt ein, dieser wiederum die Polizei und so konnte den Tätern schließlich durch eine Falle das Handwerk gelegt werden. Bei den Ermittlungen der Kripo stellte sich dann heraus, dass der Angeklagte mit seinem Komplizen über viele Jahre weitere Personen genarrt hatte – darunter einen ebenfalls gutgläubigen Grafen aus Deutschland, dem insgesamt rund eine Million Euro aus der Tasche gezogen wurden.

Gewerbsmäßiger Betrug

Heute nun müssen sich die beiden Angeklagten wegen schwerem gewerbsmäßigen Betrugs vor Gericht verantworten. Bei der Verhandlung soll unter anderem geklärt werden, ob überhaupt noch ein Teil der Beute vorhanden ist und den Geschädigten rückerstattet werden kann. Kloster-intern hat der neue Abt Anselm nach dem Bekanntwerden des Millionen-Betrugs sofort reagiert und die Stelle des Vermögensverwalters umgehend neu besetzt und auch die Kontrollmechanismen drastisch verschärft.

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